Lokalsport

Nicht nur aller guten Dinge sind drei

Nachdem in diesem Jahr bereits zwei Sportgerichtsurteile gegen ihn ausgesprochen worden waren, ist der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Wolfschlugen nach jüngsten Verfehlungen während eines Spiels nun für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen worden. Der Funktionär hatte nach Ansicht des Sportgerichts einen Spielabbruch provoziert und sich dem Schiedsrichter gegenüber sportwidrig verhalten.

Peter Eidemüller

Wolfschlugen. Nein, unter einem guten Stern hatte die Partie zwischen dem TSV Wolfschlugen und dem TV Unterboihingen II am 21. September von Anfang nicht gestanden: Zwei aus Wolfschlugener Sicht fragwürdige Elfmeter, von denen einer wiederholt wurde, sowie eine erste Halbzeit, die offenbar fünf Minuten zu früh abgepfiffen wurde, hatten die Gemüter der „Hexenbanner“ erhitzt – dass die sportgerichtliche Bewertung der Geschehnisse rund um den Kreisliga-B-Kick derart drastisch ausfällt, überrascht dennoch: So muss der TSV Wolfschlugen insgesamt 1 720 Euro an Strafe berappen, zudem wird der Spielführer des Clubs für einen Monat, der Abteilungsleiter gar für zwei Jahre gesperrt. Was war geschehen?

Zwei Minuten vor Spielende hatte die Wolfschlugener Mannschaft beim Stand von 1:2 geschlossen das Spielfeld verlassen, da sie sich vom Schiedsrichter benachteiligt fühlte. Dessen Auftritt vor dem Spiel war allerdings alles andere als glücklich: Der Pfeifenmann war ohne Pfeife erschienen, musste sich vom TSVW eine ausborgen. In der Halbzeit forderte der Abteilungsleiter des ehemaligen Bezirksligisten, Frank Schneider, die Pfeife vom Schiedsrichter zurück, laut Einlassungen der Wolfschlugener, „um zu verhindern, dass mit dem Eigentum des TSV Wolfschlugen weiter ein derartiger Schindluder getrieben wird.“

Darüber hinaus soll Schneider, den Unparteiischen in der Halbzeit in dessen Kabine eingeschlossen haben, was der Verein jedoch vehement bestreitet. Das Sportgericht kam nun zu der Auffassung, dass Schneider den Schiedsrichter bewusst und gewollt am Verlassen der Kabine gehindert habe, der Tatbestand der Freiheitsberaubung nach dem Strafgesetzbuch wurde nur am Rande geprüft. Nichtsdestotrotz will der Unparteiische deswegen nun Anzeige erstatten. Auch über juristische Schritte gegen ein Vereinsmitglied des TSVW denkt der Referee offenbar nach: Ein Zuschauer hatte sich als Polizist in zivil ausgeben und den Schiedsrichter zu einem Atemalkoholtest genötigt, nachdem die Wolfschlugener dem Schiri Alkoholkonsum unterstellten.

Als ob das alles nicht genug wäre, veranlasste der Vereinsvorsitzende des TSVW den Spielführer dazu, das Spielfeld in der zweiten Halbzeit mit der Mannschaft vorzeitig zu verlassen – was kurz vor Schluss dann auch geschah. Pikanterweise ist der Vereinsboss, Hartmut Schneider, der Onkel des Abteilungsleiters. Beiden legt das Sportgericht nun zur Last, den Spielabbruch bewusst verursacht zu haben und den Schiedsrichter permanent beschimpft, beleidigt und bedroht zu haben– eine teure Angelegenheit: 400 Euro für den Onkel, 800 für den Neffen und 320 für den Verein in Gänze. Dazu noch 120 Euro für das Vereinsmitglied, das sich als Zivilpolizist ausgab sowie 80 Euro Verfahrenskosten. summasummarum 1 720 Euro.

Dem Abteilungsleiter wurde überdies noch für zwei Jahre das Recht aberkannt, eine Vereinsfunktion auszuüben. Der Grund für diese harte Entscheidung ist in zwei Urteilen zu suchen, die das Sportgericht in der vergangenen Saison gefällt hatte. Unter Androhung der Zweijahressperre war Frank Schneider bereits im März wegen sportwidrigen Verhaltens in zwei Fällen zu Geldstrafen verdonnert worden – nicht nur aller guten Dinge sind offenbar drei.

Der viel Gescholtene wollte das Urteil gestern auf Anfrage nicht kommentieren, weil er es – obwohl es ihm zugestellt worden war – noch nicht kannte: „Ich habe es noch nicht aus dem elektronischen Postfach abgeholt“, gab Schneider, der jedoch eine dezidierte Meinung zu dem Fall hat, zu. „Der Schiedsrichter ist nicht tragbar und gehört aus dem Verkehr gezogen, zumal er schon öfters negativ in Erscheinung getreten war“, poltert Schneider.

Der besagte Referee ist in der Tat kein Unbekannter: Wolfgang Sauter war Ende 2005 wegen falsch eingereichter Spesenabrechnungen ein halbes Jahr gesperrt und danach von der Schiedsrichtergruppe Nürtingen ausgeschlossen worden. Auch die Streichung von der Schiedsrichterliste war beantragt, wurde vom Württembergischen Fußballverband (WFV) jedoch abgelehnt. Mittlerweile darf Sauter wieder Spiele leiten, gehört allerdings der Schiedsrichtergruppe Esslingen an. Die Wolfschlugener stören sich vor allem an der Tatsache, dass Sauter gebürtiger Unterboihinger ist und jahrelang für den TVU an der Pfeife aktiv war – dass er just für ein Spiel mit Unterboihinger Beteiligung eingeteilt worden war, führt das Sportgericht auf einen personellen Engpass zurück. Allerdings stellten die Richter auch fest, „dass seine früheren Verfehlungen es keinesfalls rechtfertigen, dass er jetzt noch angefeindet und beleidigt wird.“

Just dies war vor, während und nach dem Spiel in Wolfschlugen allerdings geschehen – nach Auffassung des Sportgerichts federführend von Frank und Hartmut Schneider, die nun bis zum 21. November Zeit haben, Berufung beim Verbandsgericht einzulegen.

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