Lokalsport

Nicht nur mit dem Motorroller auf der Überholspur

KIRCHHEIM Weite Wege zurückzulegen ist sie von ihrer Paradedis-ziplin her gewohnt. Doch auch ab-

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PETER EIDEMÜLLER

seits der Tartanbahn scheut 800-m-Läuferin Christina Krüger längere Distanzen nicht. Bereits der Weg in die Schule ist für die 17-jährige Ötlingerin, die für die LG Teck startet, nicht der nahe liegendste. Die Elft-klässlerin besucht das Ernährungswissenschaftliche Gymnasium auf dem Säer in Nürtingen. Den Weg dorthin legt sie mit ihrem Motorroller zurück. "Den fahre ich, seit ich 16 bin", erzählt sie. Den Sprung auf die PS-stärkeren Maschinen wird sie, wenn sie in diesem Jahr mit dem

Auto-Führerschein beginnt, nicht machen. "Ich glaube, das wäre meinen Eltern nicht so recht", sagt sie lachend.

Zur Leichtathletik ist Christina über ihren Vater gekommen. Horst Krüger war jahrelang Trainer beim TSV Ötlingen, nahm seine Tocher im zarten Alter von fünf Jahren erstmals mit auf die Leichtathletik-Anlagen im Rübholz. "Dass ich 800 Meter laufe, hat sich mit der Zeit ergeben", erinnert sie sich. Versuche im Siebenkampf wurden schnell verworfen, als klar wurde, wo die Fähigkeiten der 1,63 Meter großen Nachwuchsläuferin liegen auf der Mittelstrecke.

Erstmals aufhorchen ließ Christina Krüger vor drei Jahren, als sie Baden-Württembergische Meisterin bei den B-Jugendlichen über 800 Meter wurde. Als sie ein Jahr später ihren Erfolg wiederholte und sich sogar noch den Hallentitel über 800 m sicherte, hatte sie sich in der Szene einen Namen gemacht. Nervös sei sie bei Meisterschaften immer ein wenig, "schließlich hat man ja Respekt vor den anderen Läuferinnen." Ihre ersten Starts in den A-Jugendkonkurrenzen im vergangenen Jahr konnten sich sehen lassen, wurde sie über 400 m und 800 m doch immerhin jeweils Dritte bei den Landeshallenmeisterschaften. Als größter Erfolg gilt ihr siebter Platz bei den deutschen B-Jugendmeisterschaften in Jena im vergangenen Juli, der ihr den Vorstoß in die nationale Spitze bei den Jugend-Mittelstrecklerinnen verschaffte.

Innerhalb der letzten drei Jahre hat sie ihre persönliche Bestzeit über die doppelte Stadionrunde um knapp acht Sekunden von 2.21,03 Minuten auf 2.13,00 (Kreisjugendrekord) verbessert. In der laufenden Saison stehen bisher 2.18,07 vom Meeting am 1. Mai in Rechberghausen zu Buche eine Zeit, mit der sie momentan auf Rang zwei der WLV-Bestenliste in ihrer Altersklasse rangiert. Doch sie will mehr: Im Laufe der Saison soll die persönliche Bestzeit auf jeden Fall unterboten werden.

Dafür arbeitet sie hart: vier- bis fünfmal die Woche steht Training auf dem Programm. Mal mit Vereinstrainer Rouven Wöller in Kirchheim, mal mit Landestrainer Harald Olbrich in Sindelfingen, mal alleine wobei ihr Letzteres am wenigstens liegt. "Ich brauche immer Leute um mich rum beim Trainieren", sagt sie, "wenn ich alleine bin, kann ich mich nicht so richtig motivieren." Nicht nur deshalb war das Trainingslager in Tenero am Lago Maggiore, das sie vor zwei Wochen mit Trainingskameraden des D-Landeskaders absolvierte, eine willkommene Sache für sie. "Mit einer Gruppe macht so was immer mehr Spaß." Das Städtchen war schon öfters Ziel des Verbandes, ist generell bei Leichtathleten (Krüger: "Dieter Baumann war auch da") beliebt.

Von ganz großen Zielen, wie beispielsweise Olympia 2008, mag der Mittelstrecken-Floh (49 Kilogramm) noch nichts wissen trotz ihres Talents und Potenzials steht der Spaß an der Leichtathletik für sie im Vordergrund. Ihre zweite große (Sport)Liebe gehört dem Tennis, dem sie mit nicht minder großem Erfolg nachgeht: Im vergangenen Jahr stieg sie mit dem Juniorinnen-Team des TSV Ötlingen von der Kreis- in die Bezirksstaffel auf. "Leider kann ich nicht mehr regelmäßig trainieren", sagt sie, "die Leichtathletik und die Schule lassen wenig Zeit." Kein Wunder bei viermal Nachmittagsunterricht in der Woche.

Der Spagat zwischen Sport und Schule noch kriegt Christina Krüger ihn hin. Ihre leistungssportliche Perspektive sachlich einschätzend, hat sie sich auch schon Gedanken über eine berufliche Zukunft gemacht. "Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Sport könnte ich mir gut vorstellen." Was soll eine sportbegeisterte junge Athletin auch anderes sagen?