Lokalsport

Nichts zu sehen vom einstigen Tempospiel

Enttäuschte Lenninger Fans erlebten gestern Abend in Esslingen eine desolate Leistung ihrer Mannschaft. Das ersatzgeschwächte Team Esslingen es fehlten die verletzten Stephan Wiedemann, Ivan Toldo und Daniel Freiwald hatte Lenningen jederzeit im Griff und gewann verdient mit 26:22 (13:9).

ESSLINGEN Dementsprechend fiel die Reaktion von Lenningens Trainer Bruno Rieke nach Spielschluss aus: "Ich bin sehr enttäuscht. Es fehlte jegliche körperliche und geistige Frische." Esslingens Co-Trainer Thomas Freiwald formulierte es so: "Lenningen hat müde gewirkt." In der Tat war nicht zu übersehen, dass es bei einigen Spielern an körperlicher Fitness fehlt und sich deshalb viele technische Fehler einschlichen. Team-Trainer Frank Ziehfreund wartete mit einem klugen Schachzug auf: Er verordnete seiner Abwehr die totale Offensive. Das war Gift für den trägen SG-Angriff. Was schon oft gebetsmühlenartig gefordert wurde die Bewegung ohne Ball fand auch dieses Mal so gut wie nicht statt.

Anzeige

Hätte es vielleicht mit Marc Segeritz besser geklappt? Der SG-Torjäger meldete sich wegen eines Magen-Darm-Infekts kurzfristig ab. Dafür war wieder Christoph Wiesinger nach langer Verletzungspause dabei. Mit seinen Kurzeinsätzen deutete er an, wie wertvoll er für die SG sein kann. Aber nur dann, wenn Lenningen zurück zum schnellen Handball findet. Zurzeit drückt die SG-Bank mehr Masse als Klasse. Die "Weihnachtsaltlasten" sind nicht zu übersehen. Team Esslingen wirkte quirliger, kombinationssicherer und hatte Erfolg. Nach dem 8:8/22. tanzten Rausch und Co. die SG-Abwehr mehrmals aus und zogen bis zur Halbzeit auf 13:9 davon. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten es die Esslinger glänzend verstanden, die SG aus der Nahwurfzone fern zu halten.

Bei den Pausengesprächen wurde ganz deutlich: Nur mit einer enormen Leistungssteigerung ließe sich das Blatt noch wenden. Und es gelang zunächst. Esslingen, durch eine Zeitstrafe dezimiert, zog sich in der Abwehr zurück, Lenningens Angriffsblockade löste sich. Einige schnelle Ballgewinne mit langen Bällen nach vorne führten zum Erfolg. Jens Kirschmann, Alexander Stief und Jochen Leitner hatten ein gutes Auge und schenkten Horst Pattek zum 13:13/37. ein. Doch es blieb ein Strohfeuer. Keine drei Minuten später wurde die hüftsteife SG-Abwehr mehrmals überrumpelt. Die Gäste lagen wieder mit 14:17 zurück.

Auf halblinks war Henning Schaeberle nicht zu halten. Mit seinen Überziehern ließ er Sven Lamparter keine Chance. Der SG-Torhüter zählte dennoch zu den Besten am gestrigen Tag. Als kaltschnäuzig auf Lenninger Seite erwies sich der erst 17-jährige Ricki Austen. Er bewies große Übersicht bei seinen Toren. Auch Alexander Stief bewies, dass er eine Bereicherung sein kann.

Doch Lenningen kam weiterhin viel zu spät in die Bewegung. Beim 19:22 durch Christoph Wiesinger war die SG wieder auf Schlagdistanz. Zwei Zeitstrafen gegen Austen und Schwohl verhinderten ein Näherrücken. Die leichtfüßigen Benjamin Jahn und Peter Sadowski stießen erfolgreich in die Lücken der Lenninger Abwehr und erhöhten erneut auf 24:20. Einen Schönheitspreis gab es für Wiesingers Kempa-Tor zum 21:24 zwei Minuten vor dem Ende.

Fazit: Jetzt muss Tacheles geredet werden, sonst wiederholt sich Geschichte und die Lenninger Handballer könnten wie zuletzt die Fußballabteilung plötzlich ohne Trainer da stehen.

döl

SG Lenningen:

S. Lamparter, Tombrägel; Leitner (6), Renz (4/1), C. Wiesinger (3), Austen (2), Kazmaier (2), Kirschmann (2), Braunwarth (1), Baumann (1), Stief (1), J. Lamparter, Schwohl, J. Wiesinger. Zuschauer:

200. Schiedsrichter:

Reiser/Weber, Giengen.