Lokalsport

Nie mehr dem Geld hinterherrennen

Auf dem Platz dem Ball nachzujagen, sind sie gewohnt. Abseits des Rasens Geld hinterherzurennen, wurde Kai Hörsting und Michael Schreiner aber irgendwann zu blöd. Also gründeten die beiden Amateurkicker ein Startup-Unternehmen, das Gruppenbezahlungen und Sammelaktionen aller Art vereinfachen soll. Seit zwei Wochen ist „mamooble“ online.

Dem Ball nachjagen? Ja! Dem Geld? Dank Kai Hörsting nicht mehr!
Dem Ball nachjagen? Ja! Dem Geld? Dank Kai Hörsting nicht mehr!

Kirchheim. Ein Mitspieler hat Geburtstag, die gesamte Mannschaft will gemeinsam etwas schenken, und wer‘s organisiert, hat den Stress: Wer beteiligt sich mit wie viel Geld, wer hat schon bezahlt, wem muss man den Betrag vorstrecken? Diese zeit- und nervraubende Erfahrung kennt Kai Hörsting zur Genüge. Der Weilheimer Landesligakicker war beim TSVW bereits seit Jahren eifrigster Euroeintreiber in Sachen Geschenke oder Teamausflug, ehe ihm beim gemeinsamen Bierchen mit Mitbewohner Michael Schreiner die rettende Idee kam: Warum nicht eine Online-Plattform gründen, auf der Gruppenbezahlungen ganz einfach abgewickelt werden können?

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Gesagt, getan: Knapp zwei Jahre lang feilten Hörsting und Schreiner, die sich vom Studium in Stuttgart kannten und seit knapp fünf zusammen wohnen, an ihrer Vision eines Start-up-Unternehmens. „Am Anfang war das nur so eine Schnapsidee“, erinnert sich Schreiner, der jahrelang beim TSV Obere Fils kickte, „aber dann wurde es Woche für Woche immer konkreter und ausgefeilter.“

Neben ihren alltäglichen Jobs als Bauingenieur (Hörsting) und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni (Schreiner) steckte das Duo nach Feierabend noch unzählige Stunden in ihr „Baby“, wie Hörsting es verschmitzt nennt. Nachdem alle rechtlichen, finanziellen und vor allem programmiertechnischen Hürden gemeistert waren, entstand nach und nach ein knapp 100 Seiten umfassender Business-Plan, für den die beiden bereits vor dem offiziellen Start ihrer Homepage brancheninterne Preise absahnen konnten. „Das Feedback war bislang durchweg positiv, der Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden“, sagt Hörsting.

Die Idee hinter dem Ganzen ist simpel: Ähnlich wie bei der Terminplattform doodle erstellt ein Organisator ein sogenanntes mooble, in dem man von den Teilnehmern einer Gruppe entweder geliehenes Geld einfordern oder für einen bestimmten Zweck sammeln kann. Nachdem die Teilnehmer via Mail, Facebook, SMS oder Whatsapp informiert worden sind, kann sich jeder an der Aktion beteiligen und den entsprechenden Betrag online überweisen. Alle Beteiligten haben unter www.mamooble.com stets den aktuellen Stand vor Augen.

Nicht unerheblich: Auf Wunsch bleibt die Höhe des Betrags, mit der man sich an einem Geschenk beteiligt, den anderen verborgen. „Nicht jeder will, dass alle sehen, wie freigiebig oder knausrig man ist“, wissen Hörsting und Schreiner. Umgekehrt sind die beiden überzeugt, dass durch die transparente Darstellung im Netz Beträge schneller als gewöhnlich bezahlt werden.

Und wenn nicht? „Man kann säumigen Teilnehmern per Mail so oft man will Erinnerungen schicken“, setzt Hörsting auf eine gewisse Gruppendynamik – wer will sich schon als Einziger in einer Fußballmannschaft nicht am Hochzeitsgeschenk für den Trainer beteiligen?

Genau hier vermuten die beiden Feierabendgeschäftsleute auch ihre dankbarste Zielgruppe: Mannschaftssportler, bei denen Gruppenbezahlungen regelmäßig auf der Tagesordnung stehen. Kein Wunder also, dass die beiden von allen Fußballvereinen in Baden-Württemberg aufwendig einen Ansprechpartner recherchiert haben, der jeweils einen Link auf die Firmenhomepage zugeschickt bekommen hat. „Die virale Verbreitung ist das A und O“, weiß Hörsting, der im ersten Geschäftsjahr mit 10 000 Nutzern rechnet – schließlich wollen die beiden mit ihrem „Baby“ irgendwann auch Geld verdienen. „Wir haben das alles aus eigener Tasche finanziert“, sind er und Schreiner stolz, „wenn‘s nicht durchschlägt, gehen wir aber auch nicht pleite.“

Und falls doch, kann man für sie ja bei mamooble Geld sammeln.