Lokalsport

Nummer eins in Württemberg

Weilheims Landesligafußballer nach Heiningen-Spiel in Hochstimmung

Ganz Fußball-Weilheim ist noch beseelt vom 3:0-Coup gegen Spitzenreiter und Titelfavorit Heiningen, der die TSVW-Kicker mal eben zum erfolgreichsten Landesligisten in ganz Württemberg gemacht hat. Für die Verantwortlichen nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme.

Musste nach seinen beiden Treffern gegen Heiningen nicht die Spendierhosen anziehen (siehe „Nachgefragt“): Weilheims Lennart Zag
Musste nach seinen beiden Treffern gegen Heiningen nicht die Spendierhosen anziehen (siehe „Nachgefragt“): Weilheims Lennart Zaglauer. Foto: Jörg Bächle

Weilheim. Trainingsfrei als Belohnung? Wer glaubt, dass Weilheims Trainer Alexander Hübbe seinen Heimsieghelden vom Samstag nach dem 3:0-Fest gegen Heiningen eine schweißtreibende Übungseinheit ersparen würde, kennt den 61-Jährigen schlecht. Immerhin war‘s dem Vernehmen von Routinier Chris Eisenhardt nach vorgestern nicht ganz so hart wie sonst montags üblich. „Klar war‘s anstrengend, aber es wurde auch viel gelacht“, verriet der 30-Jährige.

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Die gute Laune unter der Limburg hat gute Gründe: Genau 65 Mannschaften gehen württembergweit in vier Landesligastaffeln auf Punktejagd. Die momentan erfolgreichste kommt aus dem 9 500-Einwohner-Städtchen im Schatten der Limburg. Mit 31:6 haben Weilheims Ballkünstler das beste Torverhältnis aller Landesligisten, treffen durchschnittlich 3,4 Mal pro Partie.

Zwar hat Staffel-4-Spitzenreiter TSG Balingen II (3,5) hier minimal die Nase vorne, doch ist der Erfolg der Zollernälbler auf vergleichsweise dünnes Eis gebaut. Während gerade mal zwei TSG-Spieler mit jeweils sechs und fünf Treffern unter den Toptorjägern der Staffel 4 zu finden sind, verteilt sich die Weilheimer Torgefahr in der Staffel 2 auf mehrere Schultern: Michele Latte (6), Lennart Zaglauer (5), Ferdi Er und Marcel Mettang (je 4) zählen nicht nur zu den elf besten Torschützen, sondern stehen stellvertretend für die größte Stärke des TSVW in der noch jungen Saison: die Ausgeglichenheit.

Diese wird auch in der Defensive deutlich, die in den bisherigen neun Spielen nur zwei Mal mehr als einen Gegentreffer zuließ (1:2 gegen Frickenhausen und Geislingen) und insgesamt fünf Mal zu null spielte – unabhängig von der Besetzung. Wenn verletzungs- oder urlaubsbedingt mal nicht die Stammviererkette mit Chris Eisenhardt, Martin Kirschmann, Daniel Heisig und Markus Schweizer auflief, konnte Trainer Alexander Hübbe entweder teamintern umbauen oder gleichwertige Ersatzleute ranlassen.

Anders gesagt: In Weilheim ist nicht nur die erste Elf stark, sondern der ganze Kader. Dass dies den TSVW für jeden Gegner nur schwer ausrechenbar macht, ist willkommener Nebeneffekt. Als Nächstes soll dies Aufsteiger TSV Buch zu spüren bekommen. Der amtierende Meister der Bezirksliga Donau/Iller empfängt die Weilheimer am kommenden Samstag um 15.30 Uhr. „Eine zweikampfstarke Mannschaft, die unangenehm zu spielen ist und ein emotionales Heimpublikum hat“, weiß Chris Eisenhardt, der an einem Erfolg in der bayrischen Provinz – Buch liegt östlich der Iller zwischen Memmingen und Ulm – trotzdem keine Zweifel hat. „Seit der Niederlage gegen Geislingen stimmt die Einstellung. Wenn wir die am Samstag wieder abrufen können, werden wir auch in Buch gewinnen.“ Verlockende Aussicht: Sollte Spitzenreiter FC Heiningen nicht gegen Geislingen gewinnen, stünde der TSVW bei eigenem Sieg erstmals seit dem dritten Spieltag wieder auf Platz eins.

Erwartungen steigenkommentar

Wer einen selbst ernannten Aufstiegskandidaten mit 3:0 aus dem Stadion fegt, darf sich nicht wundern, wenn er selbst aufs Favoritenschild gehoben wird. Beim TSV Weilheim wissen die Verantwortlichen das nicht erst seit dem famosen Heimerfolg gegen den FC Heiningen am vergangenen Samstag. Nach Jahren des Understatements bekennen sich Spieler und Funktionäre seit Beginn der aktuellen Saison endlich offen zu ihren Zielen. Zwar nimmt das Wort Aufstieg niemand offiziell in den Mund. Doch lässt die Formulierung, man wolle eine bessere Platzierung als Rang drei aus der Vorsaison erreichen, vom ersten Spieltag an keinen Zweifel daran, wohin die Reise des Limburgexpresses gehen soll: Verbandsliga. Alles andere würde man den Weilheimern angesichts der Qualität ihres Kaders auch nicht mehr abnehmen.

Das Problem dabei: So erstrebenswert ein Verbandsligaaufstieg aus sportlicher Sicht auch sein mag, so wenig lukrativ ist er bei einem Blick auf künftige Gegner: Dass Teams wie der FC Albstadt, der FC Wangen oder die SF Schwäbisch Hall kaum Zuschauer ins Stadion locken, hat bereits Ex-Verbandsligist VfL Kirchheim vor zwei Jahren leidvoll erfahren müssen. Da sich der logistisch-finanzielle Aufwand erst eine Etage höher wieder einigermaßen lohnen würde, sollte in der langfristigen Weilheimer Planung das Wörtchen Oberliga durchaus eine Rolle spielen.

Bevor es so weit ist, gilt die ganze Konzentration jedoch dem Titelrennen in der Landesliga, wo kommenden Samstag mit Aufsteiger TSV Buch ein weitaus gefährlicherer Gegner wartet als zuletzt. Während man Heiningen schlagen kann, aber nicht muss, sollten gegen Teams wie Buch drei Punkte Pflicht sein – wie gesagt: Wer einen selbst ernannten Titelkandidaten schlägt, darf sich nicht wundern, wenn hiernach die Erwartungen steigen.PETER EIDEMÜLLER