Lokalsport

Nur die Zahl der Übungsleiter ist nicht inflationär

Mädchenfußballboom im VfL Kirchheim: 50 junge Kickerinnen warten auf Trainer – Geschlossener Übertritt von der TG

Die Fußballabteilung des VfL Kirchheim hat einen alten Zopf abgeschnitten: Erstmals in der Vereinsgeschichte mischen in dieser Saison auch eigene Mädchenmannschaften im Spielbetrieb mit. Bis zum Jahr 2011, wenn in Deutschland die Frauen-Weltmeisterschaft stattfindet, will die VfL-Chef­etage die Aktivitäten diesbezüglich weiter forcieren.

THOMAS PFEIFFER

Kirchheim. Alles begann mit einer unmissverständlichen Absage. „Die TG-Verantwortlichen haben mir eröffnet, dass sie trotz ihrer Suche keine weiteren Hilfskräfte finden“, beschreibt Petra Edelmann-Weber die Schlüsselszene des vergangenen Frühjahrs. Händeringend hatte die 38-jährige Frauenfußball-Macherin zuvor um Assistenz bei ihrem TG-Trainerjob gebeten: 30 Mädchen im Alleingang zu coachen, war zu viel des Guten für sie. Der danach gereifte Entschluss, ihren Zöglingen eine neue sportliche Heimat zu suchen („hauptsächlich die Eltern wollten das“) ließ Edelmann-Weber schließlich beim Nachbarverein VfL Kirchheim anklopfen – und der nahm das Übernahmeangebot dankend an. Seit Saisonstart 2008/09 kicken die früheren TG-Girls nun geschlossen für den größten Sportverein der Region. „Hier ist alles ganz anders“, sagt Nadine Helber (17), Spielführerin der VfL-A-Juniorinnen-Mannschaft, nach dem sportlichen Tapetenwechsel.

Dass die VfL-Fußballabteilung im Sommer zum ersten Frauenfußball-Ressort ihrer Geschichte kam wie die Jungfrau zum Kinde, ist die eine Seite der Medaille – die andere ist, dass den Verantwortlichen daraus mehr Verantwortlichkeiten erwachsen, als ihnen lieb sein kann. Denn kaum war die Platzfrage zum Trainings- und Spielbetrieb geklärt, da erkannte jeder, dass der Trainerstab für die inzwischen 50 Fußball-Girls zwischen sieben und 17, eingesetzt in sechs Mannschaften – drei für die laufende Freiluftsaison (A-, C- und D-Jugend), drei für die Hallenrunde (Frauen, B- und E-Juniorinnen) – zu klein war. Die VfL-Übungsleiter heißen Claus Latzel (42), der früher Kirchheimer Oberligaspieler war, Sandro Stuppia (21) und Petra Edelmann-Weber, doch letztere, mit zehnjähriger Mädchenfußball-Erfahrung ausgestattet („vor der Zeit bei der TG war ich beim TSV Deizisau Mädchentrainerin“), pocht auf Nachbesserung. „Derzeit haben wir eine schwierige Trainersituation“, berichtet sie. Die 20 frisch hinzu Gekommenen.

Weil der Mädchenfußball boomt im Bezirk Neckar/Fils – seit der Premierensaison 1987/88 vereinundzwanzigfachte sich die Mannschaftszahl – und weil die Damen-WM 2011 in Deutschland stattfindet und ein idealer Werbeträger ist, setzen die VfL-Verantwortlichen auch in naher Zukunft auf anhaltenden Zulauf kickwütiger Mädels. Walter Rau, der VfL-Geschäftsführer Fußball, malt schon mal ein Szenario an die Wand, das seinen Club zur führenden Mädchenfußball-Größe der Region stempeln könne. „Unser Ziel ist es, acht Mannschaften aufzubauen, die in vier Altersbereiche aufgeteilt sind. Hätten wir dann jeweils vier Cheftrainer und Cotrainer, wäre das der Idealfall.“

Zukunftsmusik. Aktuell muss der VfL genügend Trainer für die Mädchenteams erst finden, wobei das Anforderungsprofil allerdings noch nicht allzu anspruchsvoll ist: Bewerber brauchen weder einen Erfahrungsnachweis noch eine gültige Trainerlizenz. Auf Fußball-Sachverstand und etwas pädagogisches Geschick legt Rau („wir sind im Aufbaujahr“) entsprechend mehr Wert. „Ein Vater einer Spielerin wäre allerdings auch nicht schlecht“, wie Petra Edelmann-Weber glaubt.

Die VfL-Nachwuchskickerinnen trainieren montags ab sechs und in drei Gruppen. An den Wochenenden geht‘s für drei Teams um offizielle Punkte in der Qualifikationsstaffel. „Uns macht das Spielen Riesenspaß“, sagt Nadine, die im Verein Familienanschluss hat: Bruder Marcel (18) kickt im VfL ebenso wie die elfjährige Schwester Lucienne. Nur Nadines zweites Schwesterherz war vom Fußball bisher nicht zu überzeugen – „Jacqueline bleibt lieber bei der Leichtathletik“, wie die 17-jährige Libera der A-Juniorinnen zu berichten weiß. Die VfL-Jungkickerinnen in den Mannschaften bis hinauf zu den Frauen werden‘s verschmerzen können. Was ihre Zuwachs-Zahlen betrifft, schlägt sie derzeit keiner.

Anzeige