Lokalsport

Ötlinger Visionen: "Erste" runter, "Zweite" rauf

In der Südgruppe der Luftpistole-Bundesliga sind die Ötlinger Sportschützen derzeit Kanonenfutter: Vier Kämpfe, noch kein Sieg. Nach neun Jahren permanenter Erstliga-Präsenz droht der Abstieg in die Regionalliga.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Die Ötlinger Luftpistole-Schützen in diesen Tagen: Auf der Suche nach der Form von gestern. Jener, die in Glanzzeiten mehrfach die Teilnahme an der Bundesliga-Endrunde bescherte. Damals übertraf ein Stefan Scharpf, lange Jahre das Aushängeschild, öfters an der 380-Ringe-Marke. Heute schießt der mehrfache deutsche Meister tendenziell eher gen 370. Die Ursache dafür, dass Scharpf hinter Yusuf Dikec und Markus Waibel intern nur noch die Nummer drei ist, liegt auf der Hand: Trainingsrückstand. Für sechs Monate war Scharpf gen USA entschwunden, doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten blieben Trainingsschüsse eher Seltenheit.

Inzwischen ist Scharpf wieder zurück und hat eine Leidensgenossin gefunden: Susi Horvat. Auch die TSVÖ-Amazone im Team schoss auf Bundesliga-Scheiben schon mal öfters und zielgenauer. "Susi Horvat ist Immobilienfachfrau und hat ihrem Beruf in der jüngeren Vergangenheit einfach höherere Priorität eingeräumt als ihrem Hobby", sagt TSVÖ-Abteilungsleiter Joachim Poppek. Neuerdings zeige sie wieder Aufwärtstrend.

Weil einige Stammkräfte derzeit nicht ihr Potenzial abrufen (können), droht dem TSV Ötlingen nun der Abstieg: Sollte in den Wochenend-Begegnungen mit Kellerrivale SG Ulrichshögl (heute) und dem Tabellendritten SV Kelheim-Gmünd (morgen/jeweils in Waldenburg) erneut nicht der erste Saisonsieg herausspringen, wird der Gang in die Zweitklassigkeit so richtig zum Thema. Schrillen im Rübholz jetzt die Alarmglocken? Mitnichten. Zum Erhalt der Ötlinger Erstklassigkeit gibt's nämlich die Alternative die, dass die TSVÖ-"Zweite" die "Erste" in deren Abstiegsfalle im Oberhaus einfach ersetzt.

Wie das gehen kann, weiß Poppek: In dem die zweite TSVÖ-Mannschaft, im Bundesliga-Unterbau Regionalliga derzeit Tabellenführer, zum Saisonende wenigstens Vizemeister wird und anschließend über den Aufstiegs-Relegationsentscheid in München den Sprung ins Oberhaus schafft.

"Zweite kann es schaffen"Die offiziellen Durchführungsbestimmungen der Luftpistole-Ligen lassen einen "Platztausch" zweier Clubmannschaften im sportlich gerechtfertigten Falle im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten jedenfalls zu. "Unsere zweite Mannschaft ist so stark, dass sie den Bundesliga-Aufstieg über die Relegation durchaus schaffen kann", sagt Poppek.

Sein Optimismus nährt sich auch aus der Tatsache, dass beim TSV Ötlingen II ein echter Spitzenschütze auf die runde Scheibe ballert: Der Ukrainer Boris Graytser (48), im Vorjahr noch Bundesliga-Starter für den TSVÖ, war schon sowjetischer Luftpistole-Meister. Im internen Mannschafts-Ranking hat sich Graytser deutlich vor Markus Geibel (2), Roland Preissler (3), Jörg Kobarg (4) und Reiner Bachmaier (5) gesetzt. 380 Ringe (von 400 möglichen) sind für den Malteser-Mitarbeiter keine Seltenheit. Das ist bundesligatauglich.

Graytser mag mit seiner bisherigen Liga-Bilanz hochzufrieden sein rundherum begeistert indes ist er nicht: Der Weg zu einem raschen Comeback in der Ötlinger Bundesliga-Ersten ist ihm durch Neuzugang Yusuf Dikec (32) verbaut. Dikec ist Türke, EM-17., Weltcup-Starter, ehrgeizig und 385-Ringe-Mann Referenzen, die in der Sportschützenabtei-lung sonst keiner hat. "Leider dürfen wir laut den Statuten nur einen Ausländer pro Fünfer-Team einsetzen", kennt Poppek das Problem, das Graytser neuerdings zum Regionalliga-Schiessen zwingt.

Die Ötlinger Hoffnungen, über den Vorstoß auf Tabellenplatz sieben den Direktabstieg zu verhindern, trägt zu einem großen Teil der Mann aus Ankara. Dikec, der Soldat ist, lassen die Ötlinger an den Bundesliga-Wochenenden regelmäßig einfliegen. "Ein monatliches Fixgeld bekommt er bei uns aber nicht", betont Poppek, "nur die Flugkosten übernehmen wir." Weshalb Dikec fünfmal pro Saison in den Flieger nach Stuttgart steigt, kann man ahnen: Die deutsche Bundesliga gehört zu den leistungsstärksten Luftpistole-Ligen der Welt.

Dort droht dem TSV Ötlingen nun Schiffbruch trotz Spitzenschütze Dikec. Es sei denn, Michael Waibel (2), Stefan Scharpf (3), Achim Rieger (4) und Susi Horvat (5) die Setzliste zuletzt holen aus ihren Luftpistolen das Letzte heraus. "Sie haben das Potenzial zum Klassenerhalt, zeigen es aber nicht", weiß Joachim Poppek.

Vielleicht zeigen sie's an diesem Wochenende. Oder auch nicht.

INFODie Ötlinger Sportschützen zählen zu den Gründungsmitgliedern der Luftpistole-Bundesliga, Gruppe Süd: Seit Einführung der Liga (1997) ist die Rübholz-Mannschaft ununterbrochen erstklassig.