Lokalsport

Ohne Moos nix los: Sorgen eines Karttalents

Nicht erst seit seinem WM-Titel im vergangenen Dezember in Dubai träumt der Oberboihinger Kartpilot Claudio Mack (18) von einer Karriere als Profi-Rennfahrer. Ob dies klappt, hängt jedoch nicht nur von seinem Können ab im Motorsport entscheidet allzu oft das nötige Kleingeld über Aufstieg und Fall.

PETER EIDEMÜLLER

Anzeige

OBERBOIHINGEN "Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer." Für den Ohrwurm von Xavier Naidoo kann sich Claudio Mack durchaus erwärmen. Schließlich dürfte der Mannheimer Pop-Barde mit dem Refrain seines Songs die sportliche Zukunft des 18-jährigen Kartsportlers aus Oberboihingen ziemlich treffend beschrieben haben. Zu genau weiß der Blondschopf, dass in seinem Sport eine dicke Brieftasche von entscheidender Bedeutung ist, wenn man zu den Großen zählen will. "Talent und Können sind fast nichts im Vergleich zu der Geldsumme, die man aufbringen müsste, um in einer Formel-Klasse zu fahren", sagt er nüchtern.

Dabei gehört das Mitglied des Motorsportclubs Kirchheim Teck (MCKT) zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrern, die der deutsche Motorsport momentan zu bieten hat. Souverän wurde er 2006 deutscher Meister der ADAC VT 250-Klasse (Viertaktkarts mit rund 35 PS) und sorgte mit dem Gewinn des Weltmeistertitels beim World Final in Dubai Anfang Dezember in Fachkreisen für Aufsehen. "Das war mein bisher größter Erfolg", freut sich der Schüler des Nürtinger Wirtschaftsgymnasiums, der im Alter von viereinhalb Jahren erstmals in einem Kart Platz nahm.

Sein Vater, in jungen Jahren selbst deutscher Kart-Vizemeister und heute in Managerfunktion bei jedem Rennen dabei, nahm Klein-Claudio mit auf den Verkehrsübungsplatz in Lindorf. "Obwohl ich nicht sofort begeistert war, bekam ich im Lauf der Zeit immer mehr Spaß an der Sache", erinnert er sich. Mit sieben Jahren fuhr er erste Rennen, mit 14 gehörte er einem Team an, das damals noch auf eigene Kosten finanziert wurde. Nach zahlreichen Erfolgen im Nachwuchsbereich kamen im Alter von 16 erste Anfragen von professionellen Teams, die den aufstrebenden Rennfaher nur zu gerne in ihren Reihen wissen wollten. So kam er zum Team Solgat Motorsport, das ihn aus Werbezwecken für ihr Material mehr oder weniger umsonst fahren lässt. "Das ist mit das Beste, das einem in meinem Alter passieren kann."

Den Eltern auch: Ohne finanzielle Unterstützung durch Team und Sponsoren müssten im Jahr bis zu 30 000 Euro aufgewendet werden, um konkurrenzfähig zu bleiben. In der Formel 3 oder vergleichbaren Klassen wäre dies glatt eine Viertel Million Euro Minimum. Ohne Mäzenatentum und "Vitamin B" geht es aber auch schon aus der Klasse, in der Claudio Mack momentan fährt, nur schwer eine Ebene höher. Kein Wunder, dass der ehemalige A-Jugendkicker des TSV Oberboihingen ("Da bin ich aus Zeitgründen ausgestiegen") in Sachen Karrierepläne bescheiden bleibt. Wo andere die Formel 1 als Ziel ausgeben, wäre Claudio Mack auch schon mit weniger zufrieden. Eine Motorsportlaufbahn in Amerika wäre für den Youngster beispielsweise eine Alternative. Ähnlich wie der neben ihm bekannteste MCKT-Pilot Wolf Henzler (31) aus Nürtingen, der sich momentan in den USA in zwei Porsche-Serien verdingt. Dennoch sagt Mack: "Mein Traum wäre es, das Kartfahren zum Beruf zu machen."

Als Sprungbrett könnte in dieser Hinsicht die größte Kartmesse Europas dienen, die am kommenden Wochenende in Frankfurt stattfindet. "Dort kann man sich zeigen. Vielleicht tut sich was Interessantes auf", hofft der Youngster, der sich durchaus vorstellen kann, ab der im April beginnenden Saison für ein anderes Team zu fahren Erfolge wie der in Dubai machen begehrt. Dementsprechend selbstbewusst werden Vater und Sohn an den Main reisen, um vielleicht den großen Deal zu landen.

Dieser würde auch sicherlich für so manch entbehrungsreiche Zeit entschädigen. "Vergangene Saison war ich an 27 von 30 Wochenenden unterwegs", rechnet Mack vor. Da bleibt kaum Zeit für Freundin und Freunde. Umso mehr genießt er die wettkampffreie Zeit im Winter, auch wenn es selbst ohne Kartsport genug andere Dinge zu tun gibt. "Die Schule ist momentan echt stressig", stöhnt er. Nächstes Jahr steht das Abitur an. Danach, so die Planungen, soll auf jeden Fall studiert werden es sein denn, es klopft doch noch ein potenter Geldgeber an die Tür. Dann wäre der von Xavier Naidoo besungene Weg vielleicht nicht mehr ganz so steinig.

ONLINE-INFOwww.claudio-mack.de