Lokalsport

"Olympia ist für jeden Sportler emotional gesehen das Größte"

FRICKENHAUSEN Nach wochenlangem hartem Training flogen

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(O:27070409.JP_Vize-Europameister Torben Wosik vom TTC Frickenhausen und seine Ehefrau Elke, die bereits dreimal an Olympischen Spielen teilnahm, am gestrigen Mittwoch nach Athen, um ihren bisherigen Erfolgen nach Möglichkeit noch olympisches Edelmetall hinzuzufügen. Torben Wosik wird im Einzel, Elke Wosik (TV Busenbach) im Einzel und zusätzlich an der Seite von Nicole Struse im Doppel antreten.



Mit seiner bisherigen Saisonvorbereitung ist der 30-jährige Bundesligaspieler vom TTC Frickenhausen zufrieden. Die letzten viereinhalb Wochen verbrachte er mit der Nationalmannschaft in verschiedenen Trainingslagern, wo neben Kraft und Ausdauer auch Reaktionsvermögen und Schnelligkeit trainiert wurden. Eine längerfristige Vorbereitungsphase blieb seiner Frau wegen einer Achillessehnen-Entzündung jedoch vorenthalten. Diese Verletzung warf Elke Wosik in der Olympia-Vorbereitung weit zurück. Bis zum Abflug hatte sie gerade mal 18 Tage Training absolviert. Ihr eigentliches Olympiaziel, bei ihrer vierten Teilnahme eine Medaille mit nach Hause nehmen zu können, wird dadurch nur schwer zu verwirklichen sein. "Ihr fehlt das so wichtige Basistraining, aber Elke ist eine Kämpfernatur und wird in der verbleibenden Trainingszeit nichts unversucht lassen, um in Bestform nach Athen zu reisen", ist Torben Wosik zuversichtlich.



Selbst die übermächtigen Chinesinnen sind nicht unschlagbar, wie Elke Wosik bei der letzten Weltmeisterschaft in Paris mit ihrem sensationellen Sieg über Li Nan bewies. Sollte das Los Torben Wosik einen unangenehmen Gegner zuspielen und er vorzeitig aus dem Wettkampf ausscheiden, wird er die anderen Teamkollegen Timo Boll, Jörg Roßkopf, Zoltan Fejer-Konnerth, Lars Hiellscher sowie die weiblichen Kolleginnen Nicole Struse, Jie Schöpp und selbstverständlich seine Frau Elke anfeuern und das olympische Flair genießen. Schließlich sagt er: "Olympia ist für jeden Sportler emotional gesehen das Größte." Sein Ziel sei es, das umzusetzen, was er trainiert hat. Zu welcher Platzierung es am Ende reichen wird, wissen bislang nur die Götter.



Die Saison bietet für ihn neben Olympia auch noch andere Höhepunkte. Torben Wosik will mit dem TTC Frickenhausen in dieser Saison mindestens einen Titel feiern. Ob dies nun Meisterschaft, DTTB-Pokal oder Europapokal sein wird, ist dabei gleich. Auch auf das Jahr 2006 blickt er bereits mit Vorfreude. Nach der Vize-Weltmeisterschaft mit der Mannschaft in diesem Jahr will er mit der Nationalmannschaft 2006 den Titel klar machen.



Welche sportlichen Erfolge das Ehepaar bis dahin erspielt und wie die Perspektiven sind, das können interessierte Tischtennisfans auf der neu erstellten Homepage der Wosiks nachlesen. Bezwecken wollen sie mit diesem Internet-Auftritt den direkten Kontakt zu den Fans. Dieser wird durch ein Forum gefördert, in dem Fragen, Meinungen und Kommentare mit den beiden Nationalspielern ausgetauscht werden können. In verschiedenen Bereichen finden sich alle Informationen, die beide betreffen, nicht zuletzt auch zu ihren gemeinsamen, erfolgreichen Mixed-Auftritten.



Spezielle Highlights sind der Videobereich und der Bereich Tipps und Tricks". Hier plaudern die beiden aus dem Nähkästchen und präsentieren Tipps für den Hobbyspieler. Aktuell erklärt Torben Wosik hier seine ganz individuelle Frischklebetechnik und Ehefrau Elke gibt Hinweise für den Rückhand-Topspin, der zu ihren Paradeschlägen gehört. In Sachen Selbstvermarktung sind die Wosiks also auf dem neuesten Stand. Dieser Eifer rührt daher, dass Torben Wosik mit der Vermarktung des Tischtennis in Deutschland absolut unzufrieden ist. "Die falschen Leute vermarkten Tischtennis. Dabei würde diese Sportart doch so viel Repräsentatives hergeben. "Bei uns gab es noch nie Dopingskandale, und außerdem ist Tischtennis die schnellste Ballsportart überhaupt", sagt der 30-jährige Linkshänder. Was kaum einer weiß: Die Spieler müssen für Turnierreisen außerhalb des europäischen Raums, für Unkosten, die durch Flug und Hotel entstehen, selbst aufkommen. Oftmals sei man einfach gezwungen, zu Weltcup-Turnieren nach Asien oder Amerika zu fliegen, wolle man seine Platzierung in der Weltrangliste beibehalten, erklärt Wosik und macht dabei einen alles andere als glücklichen Eindruck. Im Tischtenniszirkus fließen die Verbandsgelder nur innerhalb der europäischen Landesgrenzen. "Reist man zu intereuropäischen Turnieren und gewinnt Preisgelder, so reicht dies meistens nicht einmal, um die Unkosten zu decken", bemängelt er. Zum Glück gibt es Sponsoren, die die Sportart finanziell unterstützen.



Um ihre sportliche Zukunft zu sichern, sind die Wosiks dabei, die Trainer-A-Lizenz zu erwerben. Im Falle einer späteren Tätigkeit als Trainer würde der Spitzensportler gerne in die Fußstapfen des schwedischen Ausnahmetrainers Glenn Östh treten. Der Skandinavier ist sein großes Vorbild. Denn dessen Lebensphilosophie kann Wosik auf sich übertragen. Östh sagte einst: "In Deutschland verliert man Gold, in Schweden gewinnt man Silber." Die deutschen Zeitungen haben nach Wosiks Vize-Europameistertitel vor allem Negativschlagzeilen gedruckt. Ein Teil der deutschen Mentalität, der Torben Wosik enorm stört. Für ihn ist der zweite Platz und der Gewinn der Silbermedaille bei einer Europameisterschaft auf jeden Fall ein Riesenerfolg.



Infos über Torben und Elke Wosik gibt es unter www.wosik.de.

In der Bundesliga für den TTC Frickenhausen am Ball: Torben Wosik