Lokalsport

Opreas Geduld ist am Ende

Der Handball-Lehrer verlässt zum Saisonende den Bezirksligisten TSV Owen

Vasile Oprea wird in der neuen Handballsaison nicht mehr beim Bezirksligisten TSV Owen auf der Trainerbank sitzen. Der 57-Jährige hat den Verein um Auflösung seines Zweijahresvertrags gebeten und wechselt im Sommer zum abstiegsbedrohten Landesligisten Team Esslingen. Für ihn kehren die beiden Klett-Brüder in verantwortlicher Position zu ihrem Heimatverein zurück.

Haba-Bezirksliga TSV Owen/Teck  - SG Ebersbach/BünzwangenTrainer Vasile Oprea
Haba-Bezirksliga TSV Owen/Teck - SG Ebersbach/BünzwangenTrainer Vasile Oprea

Owen. Glückliche Ehen sehen anders aus. Die Liaison des TSV Owen mit Vasile Oprea entpuppt sich zu Beginn der Rückrunde in der Handball-Bezirksliga als großer Irrtum. TSV-Abteilungsleiter Dietmar Kerner legt Wert auf die Formulierung, dass man sich im Frühjahr „im Guten“ trennen werde. Doch hinter den Kulissen weiß jeder: Die Geduld des rumänischen Ex-Nationalspielers in Owen ist zu Ende.

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Die Zuversicht war groß, als man bei den Gelben im Mai vergangenen Jahres stolz den neuen Trainer präsentierte. Der kam direkt aus der Frauen-Bundesliga und war alles andere als eine Notlösung, nachdem Sinisa Mitranic über Nacht zum TV Neuhausen ins benachbarte Ermstal gewechselt war und den Owenern damit ein dickes Problem hinterließ. Mitranic, obwohl mit Zweijahresvertrag ausgestattet, sah in Neuhausen eine verlockende Perspektive. Wollte man es negativ formulieren: In Owen sah er eine solche wohl nicht.

Jetzt verlässt mit Oprea wieder einer bereits zur Halbzeit die Trainerbank. Doch anders als Mitranic bei seinem Abgang im vergangenen Jahr hat sein Nachfolger das Etappenende noch vor sich. Ein Platz im oberen Tabellendrittel, ein Jahr später die Rückkehr in die Landesliga, sogar von der Württembergliga träumte der Ex-Göppinger, wenn man ihn vor Saisonbeginn nach seinen Zielen in Owen befragte. Inzwischen muss er darum kämpfen, dass er beim TSV im Frühjahr keinen Scherbenhaufen hinterlässt, bevor er beim kriselnden Landesligisten Team Esslingen Aufbauarbeit leisten soll.

Die Realität in Owen hat wenig mit den anfangs formulierten Zielen gemein: Nach Minuspunkten gerechnet, schwebt der ehemalige Württembergligist zu Beginn der Rückrunde in akuter Abstiegsgefahr. Nur zwei Punkte aus den letzten sieben Spielen ist eine ernüchternde Bilanz, die zudem wenig Hoffnung macht, dass ausgerechnet gegen den Lokalrivalen aus Kirchheim zum Rückrundenstart in zehn Tagen die Wende gelingen könnte.

Was ist seit Sommer passiert? 16 Spieler hatte der Rumäne in der Vorbereitung auf dem Zettel. Inzwischen steht maximal die Hälfte an zwei Tagen der Woche noch im Training. Nicht alle davon wurden gewogen und für zu leicht befunden. Mit Marius Dotschkal und Manuel Bauer kündigten schon im Frühherbst zwei wichtige Stützen der Mannschaft dem Trainer die Gefolgschaft. Nachwuchskraft Jan Stark war vor Weihnachten der vorerst letzte Stammspieler, der überraschend von Bord ging. Andere trainieren aus Zeitmangel nur einmal die Woche oder fehlen verletzt. Oprea, der nach einer Schulter-OP Anfang November die Mannschaft wochenlang nicht betreuen konnte, beklagt bei manch einem seiner Schützlinge mangelnden Einsatzwillen und fehlende Opferbereitschaft. „Ohne Spieler kann ich nicht trainieren“, so einfach klingt die Botschaft aus seinem Mund. Er werde bis Saisonende hundert Prozent geben, verspricht er. „Aber ich verlange das von anderen auch.“

An der Abteilungsspitze ist man bemüht, den Schaden zu begrenzen, denn nicht nur in der ersten Mannschaft rumort es. An der Schnittstelle zum Reserveteam knirscht es seit Jahren. Dessen Trainer Jochen Bader wurde nach internen Querelen vor Wochen entlassen. Abteilungsleiter Dietmar Kerner – mitunter selbst Zielscheibe von Kritik – hat die Verantwortung für den sportlichen Bereich inzwischen in andere Hände gelegt: Markus Nothwang ist seit November neuer Sportlicher Leiter. Der ehemalige Aktive vertrat Oprea während dessen Krankheitswochen zuletzt auch als Trainer. Ihm ist es offenbar gelungen, die Nachfolge zu regeln. Seit gestern hat er die Zusage von Steffen und Bastian Klett, die derzeit noch in Diensten des Württembergligisten SV Fellbach stehen. Beide sind die Symbolfiguren vergangener Erfolgsjahre in Owen und sollen ab der neuen Saison als Trainergespann arbeiten: Steffen als verantwortlicher Spielertrainer, Bastian als ebenfalls aktiver Co-Trainer. Eine Zusage, die im Übrigen auch für die Bezirksklasse gälte. „Diesen Fall gilt es, unbedingt zu vermeiden“, appelliert Markus Nothwang ans Gewissen der aktuellen Mannschaft. Zumindest er scheint begriffen zu haben, was die Stunde geschlagen hat: „Wir brauchen im Sommer einen klaren Richtungswechsel.“

​Alarmsignal

Ein Trainer steigt vorzeitig aus seinem Vertrag aus, weil er auf dem Weg zum Ziel die Unterstützung vermisst. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches, eher schon Alltag in jedem Sport. Das kann man so sehen. Das muss man nicht so sehen, und in der Handballabteilung des TSV Owen sollte man es keinesfalls als Alltags-Episode abtun. Vasile Oprea hat genug von Handball made in Owen. Das ist ein Alarmsignal nach nur etwas mehr als einem halben Jahr.

Zugegeben: Der 57-jährige Rumäne ist keiner, der dem Handball an der Teck besonders eng verbunden wäre. Keiner, der aus Traditionsbewusstsein ein Übermaß an Leidensfähigkeit entwickelte. Doch der Alt-Internationale hat viel erlebt und viel erreicht. Daraus wächst Erfahrung, die den Sinn dafür schärft, wann es besser ist, den Rückzug anzutreten. Dabei verlässt Oprea die Owener zum Saisonende nicht wegen des fehlenden Erfolgs, sondern wegen der Ursachen. Spieler, die nicht bereit sind, mitzuziehen, ein Umfeld, in dem es an entschlossenen, gestalterischen Köpfen mangelt, und Fans, die der Mannschaft zuletzt immer häufiger den Rücken kehrten.

„Das ist nicht mein Anspruch“, sagt der Trainer. So könne er nicht arbeiten. Die Frage wird sein, ob es sein Nachfolger kann. Dass sich die Klett-Brüder offenbar zur Rückkehr zu ihrem Heimatverein entschlossen haben, ist eine Nachricht, die zumindest Hoffnung macht. Zwei mit Stallgeruch, zwei aus einer erfolgreichen Phase, die in Owen nach Geschichte klingt, obwohl sie erst fünf Jahre zurückliegt. Beiden wäre zu wünschen, dass man in den Gremien des Vereins den Ernst der Lage erkennt und bereit ist, neue Wege zu gehen. Sonst wird auch diese Episode eine unerwartet kurze.BERND KÖBLE