Lokalsport

"Oranje" chancenlos

Aus sportlicher Sicht war Österreich am Wochenende für die Verbandsliga-Handballer aus Lenningen keine Reise wert. Beim 21:24 (7:12) gegen das Vorarlberger Team des HC Lustenau zeigte die SG zu viel Respekt vor großen Namen.

LUSTENAU Der Lenninger Handball-Trip nach Lustenau wurde von ehrfurchtsvollem Erstaunen begleitet. Einmal ob der wunderschönen Sporthalle mit Gastrobereich und einer Video-Leinwand, wo sich die Lustenauer Mannschaften samt Sponsorenpool vorstellten. Und dann kam wohl der Respekt vor dem Vorarlberger Topteam hinzu. Die Folge: Lenningen spielte in der ersten Hälfte wie paralysiert, lag beim Seitenwechsel mit 7:12 im Rückstand und verlor am Ende mit 21:24. "Wenn man in der Verbandsliga nur sieben Tore in der ersten Hälfte wirft, kann man nicht gewinnen", stellte SG-Trainer Bruno Rieke ernüchtert fest.

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Die Dominanz des HC Lustenau war von der ersten bis zur letzten Minute präsent. Lenningen hatte in keiner Phase die Chance, das Spiel zu gewinnen. Das Angriffsschema zu einfach, die Abschlüsse vorwiegend über die Mitte und die Halbpositionen. Ein gefundenes Fressen für die Gardemaß-Athleten des HC. Lenningens Torschützen vom Dienst, Christoph Wiesinger und Marc Segeritz, rieben sich förmlich auf. Bruno Rieke sah sich bereits beim 2:5 in der 12. Minute gezwungen, eine Auszeit zu nehmen. Gegen das wendige, lauffreudige Angriffsspiel der Gastgeber wirkte die SG-Abwehr geradezu behäbig. Auf der Linksaußenposition kamen Christian Heilinger oder Thomas Rinderer immer wieder frei zum Schuss. SG-Torhüter Sven Lamparter war ratlos: "Ich habe noch nie gegen so variable Außen gespielt."

Lenningen war regelrecht beeindruckt. Nur auf der Tribüne behielt das "Oranjeteam" aus dem Täle mit Fanfaren und Pauken die Oberhand. In der 24. und 25. Minute die stärkste Phase der SG: Christoph Wiesinger passte zu Jens Kirschmann am Kreis, der verwandelte zum 5:8. Ein langer Ball von Volker Schwohl auf Jochen Renz brachte gar das 6:8. Doch zu schwach war dieses Flämmchen. HC-Spielgestalter Daniel Nezezon und Linkshänder Lukas Mayer sorgten mit kurzen, schnellen Körpertäuschungen und ihren Toren zum 10:6 wieder für klare Verhältnisse. Bei Lenningen konnte nur Jan Lamparter dagegen halten, der sich danach zweimal gegen die rote Abwehrmauer durchsetzte und zum 7:12-Halbzeitstand verkürzte.

Auch nach dem Wechsel keine Spur von Müdigkeit beim HC. Vor allem bei den Eins-gegen-Eins-Standards blieb die SG zweiter Sieger und agierte einfach zu brav. Ein deutlicher Beleg dafür: Lenningen musste während der gesamten Partie keine einzige Zeitstrafe hinnehmen. Ob es an der dreistündigen Busfahrt lag, bleibt offen. Lenningen hatte jedenfalls nicht die schnellen Beine, um effektvoll zu attackieren. Ein leichter Silberstreif zeichnete sich Mitte der zweiten Hälfte auf der Linksaußenposition ab, wo Sebastian Baumann sich durchsetzte und mehrmals traf. So in der 45. Minute zum 14:19. Diese Einzelaktionen blieben jedoch ohne Sogwirkung. Christoph Wiesinger und Marc Segeritz wurden neutralisiert, und auch Steffen Kazmaier fehlten an diesem Abend die Ideen. Das SG-Angriffsspiel holperte dahin. Die SG, zu lange mit dem Ball unterwegs, orientierte sich nach verunglückten Angriffsaktionen zu langsam wieder nach hinten. Der schnelle Lukas Mayer ließ sich diese Konterchancen nicht entgehen.

Auch die zweite Auszeit in der 51. Minute konnte am Spielverlauf nichts ändern. Lenningen fand kein Rezept, den HC zu stoppen. Selbst dann, als in der 53. und 54. Minute Manfred Messner und Martin Amann Zeitstrafen absaßen, kassierten die Lenninger durch Christian Heilinger das 23:17 fünf Minuten vor Schluss. Der Rest war ergebnisorientiertes Angriffsspiel des HC, bei dem die SG-Nadelstiche durch Jan Lamparter und Hagen Braunwarth keine Gefahr mehr bedeuteten.

HCL-Präsident Artur Hämmerle sah sich bestätigt: "Wir haben das ganze Spiel über geführt und ließen uns die Butter nicht mehr vom Brot nehmen." Und Bruno Rieke fasste zusammen: "Der HC war ausgebuffter und hatte das bessere Konzept. Ein Dämpfer zur rechten Zeit. Aus dieser Niederlage müssen wir jetzt lernen."

döl

SG Lenningen:

S. Lamparter, Queste; J. Lamparter (5), Baumann (4), Kirschmann (3), Braunwarth (2), Renz (2), Segeritz (2/1), Kazmaier (1/1), Schwohl (1), J. Wiesinger (1), Rudolph, C. Wiesinger. Zuschauer:

120. Schiedsrichter:

Krämer/Stambolia aus Möglingen leiteten gut.