Lokalsport

Otto gibt nicht sein letztes Hemd

Standesgemäße Verabschiedung des VfL-Routiners – Turbine Potsdam und VfB Stuttgart als Jubiläumsgäste

Oliver Otto hatte gerade mit einem Musterpass das zweite Tor eingeleitet, da gewährte ihm VfL-Trainer Thomas Stumpp den Abgang, der einem verdienstvollen Spieler wie dem ehemaligen Bundesligaprofi gebührt. Der Rahmen dafür war klein, aber umso herzlicher.

Klaus Schlütter

Kirchheim. Unter dem Beifall der 200 Zuschauer wurde der 37-jährige VfL-Fußballer in der Partie gegen den TSV Crailsheim (2:2) mit seiner Auswechslung in der 76. Minute in den spielerischen Ruhestand verabschiedet. Dann nahm Otto mit seinen beiden Töchtern auf der Bank am Spielfeldrand Platz, von wo aus er künftig als Co-Trainer von Rainer Kraft die Spiele verfolgen und mitbestimmen wird.

Ein Fan bat vergeblich um sein Trikot. Das letzte Hemd nach über 500 Pflichtspielen wollte Otto als bleibende Erinnerung an eine bewegte und erfolgreiche Karriere nicht aus der Hand geben. „Ein bisschen Wehmut ist am Ende schon dabei“, bekennt er. „Andererseits bin ich froh, dass ich mich jetzt anderen Aufgaben widmen kann.“ Abteilungsleiter Dr. Jörg Mosolf und Geschäftsführer Walter Rau hatten ihn vor Spielbeginn zusammen mit Interimscoach Thomas Stumpp und Torwart Valentin Haug (zum TV Echterdingen) offiziell verabschiedet.

Stumpp und Otto sind in die VfL-Zukunft fest eingebunden. Als Juniorentrainer soll Stumpp für den Unterbau sorgen, der für den Erfolg benötigt wird, wie Mosolf betonte. Als Trainerassistent wird der erfahrene Otto dazu beitragen, die Talente in der Oberliga zu integrieren sowie Kraft mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In seinem Rückblick sprach der Abteilungsleiter von einer „ziemlich durchwachsenen Saison“. Er sagte markante Sätze wie: „Wir sind umgefallen, aber immer wieder aufgestanden“ – „Wir sind mit der Rückrunde nicht zufrieden, aber wir dürfen den einstelligen Tabellenplatz nicht schlechtreden“– „Unser Ziel sollte sein, in der nächsten Saison unter die ersten Zehn zu kommen. Dazu müssen wir unsere Strukturen heben.“ Thomas Stumpp, dem Mosolf ebenso dankte wie dessen Vorgänger Rolf Baumann, fand neben Lob auch kritische Worte in Richtung Mannschaft.

Auf die Frage, warum es am Ende kein Aufbäumen mehr gab, meinte er: „Ich war mit der Einstellung einiger Spieler nicht einverstanden. Wir wollten den vierten Platz halten, das haben wir nicht geschafft. Es war allerdings nicht einfach zu verkraften, was in den letzten zwei Jahren mit etlichen Trainerwechseln auf die Mannschaft eingestürmt ist.“ Nächstes Jahr feiert der VfL, der in Urzeiten einmal VfB hieß, sein hundertjähriges Bestehen.

Inzwischen steht fest, dass der VfB Stuttgart als Jubiläumsgast an die Jesinger Allee kommen wird. Am 30. Juli 2011 gastiert auch Turbine Potsdam, Champions-League-Sieger der Frauen, in Kirchheim. Vermutlich aber nicht in einem Duell der Geschlechter gegen den VfL, was viele Zuschauer wohl ganz reizvoll finden würden.

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