Lokalsport

Owen kriegt den Sack nicht zu

Der Tabellenführer sorgt im Lenninger Landesliga-Derby für Spannung wider Willen

Da war Feuer drin: Beim „Täles-Derby“ der Handball-Landesliga zwischen der SG Lenningen und Spitzenreiter TSV Owen gab es große Emotionen und einen 32:30-Sieger der Owen hieß. Dabei machte sich der Tabellenführer das Leben selbst schwer: Auch eine zeitweilige Acht-Tore-Führung in der zweiten Hälfte war kein Ruhepolster.

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Lenningen. Von wegen Schwäche. Die Gelbhemden aus Owen zeigten sich nach dem Blaustein-Ausrutscher gut erholt und drehten der Konkurrenz am Faschingswochenende die rote Pappnase. Gastgeber Lenningen durfte dennoch zufrieden sein, denn anders als im Hinspiel bewiesen die Gastgeber Stehvermögen und fanden nach einem 13:21-Rückstand zu Beginn der zwei­ten Halbzeit noch einmal ins Spiel zurück.

Nachbarderbys, das heißt: Für viele Zuschauer in der rappelvollen Lenninger Sporthalle war es wieder einmal eine Art „handballerischer Jahrmarkt“. Man sieht sich, spricht miteinander und schließt Wetten ab. So auch SG-Trainer Holger Kiedaisch, der mit seinem Onkel, dem ehemaligen Owener Handball-Abteilungsleiter, wettete, dass die SG gewinnt. Jetzt ist eine Einladung zum Mittagessen fällig. Dabei spielten die Gastgeber in der Anfangsphase durchaus auf Augenhöhe. Durch zwei dicke Patzer musste die SG beim 8:10 erstmals ei­nen Zwei-Tore-Rückstand hinnehmen. Ein glänzend aufgelegter Steffen Klett, Spielmacher und Torjäger zugleich, wirbelte die SG-Abwehr durch­einander. Seine Spielintelligenz und Antrittsschnelligkeit verschaffte Owen vielfach eine Überzahl-Situation. Eine Einladung für ausgebuffte Schützen wie Heiko Hoyler und Links­außen Manuel Dunkel, die sich ihre Chancen nicht entgehen ließen.

Arbeitsintensiver und kräftezehrender kam Lenningen zum Torerfolg. Vorwiegend auf der rechten Seite, wo Jens Kirschmann bei TSV-Torhüter Markus Brodbeck an diesem Tag einige Fragezeichen hinterließ. Wirkungslos blieb dagegen der Lenninger Rückraum. Ricki Austen und Christoph Wiesinger waren gut abgeschirmt. Dass aus dem Rückraum auch die Gäste nicht glänzten, lag an der 5-1-Deckung der Lenninger mit Abwehr-Routinier Jochen Renz auf der vorgezogenen Mittelposition.

Wie sehr die SG ihre Gastgeberrolle interpretierte, zeigten fünf Minuten nach dem Wechsel: Zwei „Taucher“ von Jan Hanssen am Kreis und Treffer von Heiko Hoyler und Jörn Lehmann waren schallende Ohrfeigen für die SG-Abwehr. Lenningen sah nur noch die Rücklichter des auf 21:13 (35.) enteilten Täles-Expresses. Doch dann kam Timo Haid. Der SG-Linkshänder hatte zuvor dreißig Minuten auf der Bank gesessen und diese Zeit offenbar genutzt, um sich Torhüter Markus Brodbeck auszugucken. Fünf Tore bei sieben Versuchen ließen die SG-Fans wieder hoffen. Doch näher als drei Tore (20:23/43.) kam die SG nicht heran, obwohl auch die Gäste jede Souveränität vermissen ließen. Lenningen fehlten am Ende die Kraft und Cleverness, das Spiel noch zu drehen. Owen, mit der größeren Torgefährlichkeit, bestimmte in den entscheidenden Phasen das Spiel. Über ein 28:25 (53.) zog der Tabellenführer auf 31:27 (57.) weg und sorgte damit für eine Vorentscheidung. Wiesingers beiden letzten Tore zum 30:32-Endstand schönten nur noch das Ergebnis. Da musste sich der SG-Hallensprecher („eigentlich hatte das Spiel keinen Sieger verdient“) von Holger Kiedaisch korrigieren lassen. Der sah es anders: „Wir dürfen uns nicht mit Owen messen. Unterm Strich hat Owen verdient gewonnen.“ Und Zaungast Jürgen Lehmann strich Balsam auf die SG-Seele: „Es war eine tolle Atmosphäre. Das Ergebnis spiegelt den Tabellenstand nicht wider.“ döl

SG Lenningen: Attinger, S. Lamparter; Wiesinger (7/2), J. Lamparter (6), Haid (5), Kirschmann (4), Kazmaier (3), Austen (2), Renz (2), Bächle (1), Braunwarth, Ringelspacher, Wald.

TSV Owen: Brodbeck, Carrle; Klett (8), Hoyler (7/2), Dunkel (5), Lehmann (3), Schmidt (3), Gehrke (2), Hanssen (2), Meissner (1), Wager (1), Sigel, Weiss.

Zuschauer: 500.

Schiedsrichter: Eckert/Strebel, Bad Wimpfen/Mosbach.