Lokalsport

Owens Rückraum wird zum Torso

Zwangspause für Klett – Weilheim mit dem Mut der Verzweiflung gegen erstarkte Lenninger

Verkehrte Welt in der Handball-Landesliga: Nach dem Ausfall des kompletten Rückraums steht Spitzenreiter TSV Owen ausgerechnet gegen das Schlusslicht aus Biberach morgen vor dem schwersten Spiel der Rückrunde. Auch in Weilheim will vor dem heutigen Schicksalskampf gegen die SG Lenningen noch keine rechte Derbystimmung aufkommen. Zu angespannt ist die Lage beim abstiegsbedrohten TSV.

BERND KÖBLE

Owen/Weilheim/Lenningen. „Wie steht‘s im Rennen um die deutsche Hochschulmeisterschaft im Handball?“ Falsche Frage. Oder zumindest eine von mehreren, die man Owens Trainer Markus Brodbeck dieser Tage besser nicht stellen sollte. Seit sich Brodbecks Sonderbeauftragter für Spielkultur beim Uni-Wettstreit am Montag in Konstanz geradewegs ins Krankenbett manövrierte, ist der Trainer auf das Thema schlecht zu sprechen. Der doppelte Bänderriss von Owens Spielmacher Steffen Klett stellt den Tabellenführer vor dem morgigen Heimkampf gegen die TG Biberach vor größere Probleme. Neben Klett droht mit dem grippegeplagten Heiko Hoyler auf halbrechts zudem die wichtigste Offensivkraft auszufallen und auch Marius Schmidt ist nach einer Lungenentzündung keine Alternative auf dieser Position.

Nun müssen es andere richten: Mittelmann Nico Sigel, der in Neuhausen zuletzt eine solide Partie bot, und Sebastian Martin, der kraft seines Alters noch in der A-Jugend spielberechtigt ist, werden am Sonntag wohl ihre Chance bekommen. In der Abwehr dürfte erneut der reaktivierte Christoph Hoyler gemeinsam mit Martin Weiss den Mittelblock bilden. Zum Selbstläufer wird die Partie gegen die Oberschwaben, die mit erst sechs Punkten am Tabellenende stehen, damit wohl nicht. Markus Brodbeck setzt noch eins drauf und spricht gar vom „schwersten Spiel der gesamten Rückrunde“. Eine Einschätzung, die nicht nur von der Schwächung der eigenen Mannschaft, sondern auch vom neu verstärkten Gegner getragen wird. Bei den Oberschwaben ist mit Biberachs Handball-Denkmal Peter Engel ein Mann mit Zweitligaerfahrung beim VfL Pfullingen in die Mannschaft zurückgekehrt, und ein anderer stellte zuletzt gar seine Erstligareife unter Beweis. Zwar nur im Handball-Entwicklungsland Italien, aber immerhin: An TG-Neuzugang Pavle Antonijevic (24) sind große Hoffnungen geknüpft. Obwohl erst Mitte der ersten Hälfte eingewechselt, steuerte der Serbe bei der 31:35-Niederlage gegen Laupheim vergangene Woche gleich acht Treffer bei. Owens Trainer Markus Brodbeck, der am Sonntag auf eine „gnadenlose Abwehr“ setzt, lässt sich davon nicht beeindrucken: „Wir haben das Potenzial, die Ausfälle wegzustecken und das Ding zu gewinnen.“

Gewinnen würde auch der TSV Weilheim gerne wieder. Seit zehn Spielen sind die Limburgstädter ohne Sieg. Das letzte Erfolgserlebnis datiert vom 19. Oktober. Damals gab es einen Heimsieg gegen den Aufsteiger aus Unterensingen. Die Weilheimer Flaute zeichnet auch in der Tabelle inzwischen ein bedrohliches Bild: Fünf Punkte fehlen bereits auf einen Nichtabstiegsplatz, auch wenn der Drittletzte aus Neuhausen bereits ein Spiel mehr auf dem Konto hat. Da mag es von Vorteil sein, dass mit Volker Allgaier, der die Mannschaft vor Weihnachten übernahm, eine relativ unbeschwerte Kraft am Werk ist. Unbeschwert, weil ohne Trainererfahrung. Der einstige Torjäger, der vergangenes Jahr noch auf dem Spielfeld stand, hat sich bisher nichts vorzuwerfen. In den drei Partien unter seiner Regie hat die Mannschaft gezeigt, dass sie in der Liga konkurrenzfähig ist. Was fehlt, sind Siege. Die Abwehr vor dem überragenden Michael Rehkugler im Tor hielt meist, was der Name verspricht. Doch vorne gehen die Weilheimer viel zu leichtfertig mit ihren Chancen um. Mit 350 erzielten Treffern weist der TSV die zweitschlechteste Bilanz der Liga auf. Vielleicht ein gutes Omen aus Weilheimer Sicht: Weniger Tore erzielte bisher nur die SG Lenningen.

„Einen Schönheitspreis wird es mit Sicherheit nicht geben“, schwört Volker Allgaier seine Mannschaft auf ein kampfbetontes Spiel gegen die Lenninger ein. Besonderer Motiva­tion bedarf es dabei nicht: „Jeder weiß, worum es geht, und jeder weiß, dass die Luft Woche für Woche dünner wird“, sagt der Chef, der die Zügel im Training deutlich strafft. Die dritte Trainingseinheit unter der Woche ist inzwischen Standard und auch nach Weihnachten gab es keine Zeit zum Durchatmen. Die größte Sorge vor dem heutigen Derby gilt ausgerechnet dem, der im bisherigen Saisonverlauf die meisten Weilheimer Treffer erzielte: Fiele mit dem grippeerkrankten Björn Bachofer der Torschütze vom Dienst aus, würde dies die Chancen der Weilheimer deutlich schmälern.

Ganz anders die Situation beim Lokalrivalen in Lenningen. Dort stand Holger Kiedaisch vergangenen Sonntag beim Unentschieden gegen Zizishausen erstmals seit Saisonbeginn der komplette Kader zur Verfügung. „Überlegen zu müssen, wen ich einwechsle, war eine ganz neue Erfahrung“, scherzt der SG-Coach, der seine gute Laune inzwischen wiedergefunden zu haben scheint. Das Ende der schon sprichwörtlichen Verletzungsserie hat der Mannschaft neues Selbstvertrauen eingeimpft. Drei Spiele in Folge ohne Niederlage drängen den Lenningern die Favoritenrolle regelrecht auf. Einziges Sorgenkind ist Abwehrchef Jochen Renz. Der dienstälteste Akteur in Reihen der Täles-Mannschaft musste von Rückenschmerzen geplagt das Training am Mittwoch vorzeitig beenden. Noch nicht hundertprozentig fit ist auch Rückkehrer Christoph Wiesinger, der nach überstandener Knieoperation gegen den TSV Zizishausen sein Comeback im Rückraum feierte.

Während die Weilheimer zum Siegen verdammt sind, können die Gäste etwas gelassener in die Partie gehen. „Wir haben personell endlich wieder Alternativen“, freut sich Holger Kiedaisch. „Das wirkt sich auch auf die Stimmung in der Mannschaft aus.“ Um die dürfte sich auch heute Abend niemand sorgen müssen. Die Kulisse in der Wühlehalle ist allemal landesligareif – mit etwas Glück bis nach dem Abpfiff.

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