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Landratsamt gibt grünes Licht für den 1. Kirchheimer Albtrauf-Marathon der Mountainbiker

Ein Mekka für Mountainbiker ist der Landstrich zwischen Teck und Hohenneuffen schon seit Langem. Was Sportlern bisher fehlte, war ein Wettbewerb, der den Ruf der Region als Leistungszentrum unterstreichen sollte. Jetzt wagt sich der RKV Kirchheim an eine Premiere: Am 21. September findet in Kirchheim und Umgebung der 1. Albtrauf-Marathon als Jedermannrennen für Hobby- und Lizenzfahrer statt. Start und Ziel ist am Ziegelwasen.

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Bernd Köble

Kirchheim. Seit mehr als zehn Jahren zählt Kirchheim zu den bekanntesten Adressen in der nationalen Bikerszene. Am offiziellen Landesstützpunkt leben und trainieren die Fumic-Brüder, die dem deutschen Mountainbikesport auch international ein Gesicht gegeben haben, hier hatte mit T-Mobile das erfolgreichste deutsche Profiteam seinen Sitz und hier fiebert die halbe Stadt am Samstag mit Manuel Fumic um die vielleicht erste Kirchheimer Medaille bei Olympischen Spielen. In Vereinen wie dem MTB Teck, dem RKV oder dem TSV Weilheim eifern zudem seit Jahren zahllose Nachwuchssportler ihren großen Vorbildern nach. Doch wer im Gelände sportliche Erfolge einfahren will, muss traditionell weit fahren. Die zahllosen Rennen, die den Wettkampfkalender der Biker füllen, finden anderswo statt.

Pläne, dies zu ändern, gab es schon mehrmals: Auf verschiedenen Strecken rund um Kirchheim oder mit einem Bergzeitfahren auf die Teck. In fast allen Fällen schoben Naturschützer dem sportlichen Ehrgeiz einen Riegel vor. So reizvoll der Albtrauf für naturbegeisterte Sportler, so sensibel der ökologische Lebensraum. Jetzt scheinen beide Seiten einen vertretbaren Kompromiss gefunden zu haben. Obwohl die Ausschreibung des 1. Kirchheimer Albtrauf-Marathons bereits seit Wochen im Internet kursiert, gibt es erst diese Woche grünes Licht seitens des Landratsamtes. „Es war ein zähes Ringen mit etlichen offenen Fragen“, gesteht Gerd Schmid, der Leiter der Esslinger Naturschutzbehörde. Seit dem ersten Antrag der Stadt Kirchheim im März gab es immer wieder Korrekturen an der Strecke, die auf einer Länge von 95 Kilometern größtenteils der Albkante überm Lenninger Tal und Lindachtal folgt. Am Hohenneuffen, im Naturschutzgebiet Teck und unterhalb des Boßlers bei Häringen waren Kernzonen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb betroffen. „Das ging natürlich gar nicht“, sagt Schmid, der nach letzten Verhandlungen vergangene Woche von einer Einigung berichten kann. „Die jetzige Strecke ist aus unserer Sicht unproblematisch.“ Strittig seien zuletzt vor allem verkehrsrechtliche Fragen gewesen. Das wundert kaum, schließlich galt es zehn Kommunen aus zwei verschiedenen Landkreisen am Verfahren zu beteiligen.

Die jetzige Strecke führt vom Start und Ziel am Ziegelwasen übers Käppele ins Tiefenbachtal, von dort an der Balzholzer Hütte vorbei hinauf zum Hohenneuffen und entlang des Albtraufs bis nach Unterlenningen. Am Sattelbogen müssen sich die Fahrer dann entscheiden, ob sie die verkürzte Strecke hinunter nach Bissingen und von dort zurück zum Ausgangspunkt wählen oder die Langstrecke mit rund 800 zusätzlichen Höhenmetern unter die Räder nehmen wollen. Die große Runde folgt der Raubersteige zum Engelhof und führt über Otto-Hoffmeister-Haus und Bahnhöfle hinab nach Neidlingen, wo am Schützenhaus vorbei mit dem Erkenberg ein weiterer Anstieg wartet. Erst ab Aichelberg rollt es flacher übers Ohmdener Wiestal zurück zum Ziegelwasen.

Technische Schwierigkeiten sind auf der gesamten Strecke kaum zu fürchten. Das Rennen verläuft ausschließlich auf Forst- und Waldwegen, zu 15 Prozent sogar auf Asphalt. Dass dabei neunmal Landes- oder Kreisstraßen zu queren sind, stellt den Veranstalter vor besondere He­rausforderungen: „Das wird eine sehr personalintensive Veranstaltung“, meint RKV-Organisator Albert Bosler hinsichtlich der Streckensicherung. Die wird dadurch erschwert, dass an diesem Sonntag auch andere besucherträchtiges im Schilde führen: Im Tiefenbachtal findet zeitgleich der Aktionstag „Mobil ohne Auto“ statt und die Gemeinde Neidlingen frönt ihrem heiligsten Feiertag überhaupt: dem Zwetschgenfest, das an diesem Sonntag zugleich Ziel der Teckboten-Radlertour ist. Kein Wunder, dass Bürgermeister Rolf Kammerlander, in dessen Brust an diesem Tag nach eigenem Bekunden zwei Herzen schlagen, die Ortsmitte zur Tabuzone erklärt. Durch sie hätte das Fahrerfeld vom oberen Lindachtal kommend eigentlich rollen sollen. „Wir freuen uns natürlich im Blick auf die nächsten Jahre mit dabei zu sein, meint der Schultes, „doch an diesem Wochenende ist der Bereich um die Kirchstraße wirklich komplett dicht.“ Die Biker wird‘s kaum stören. Für Zwetschgenkuchen und Rote vom Grill dürften sie ohnehin keine Augen haben.

www.albtraufmarathon.de