Lokalsport

Papa auf der Flucht

Marko Fumic erlebt Olympia diesmal nur aus der Ferne

Es wären seine vierten Olympischen Spiele gewesen, die er hautnah miterlebte. Doch Peking ist nicht Sydney und auch nicht Athen. Nachdem es mit dem Visum für China nicht geklappt hat, flüchtet Marko Fumic in die Einsamkeit. Den Medaillenkampf des Filius morgen am Fernseher zu verfolgen kann er sich nicht vorstellen: „Das halte ich nervlich nicht aus.“

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BErnd Köble

Kirchheim. Flug und Hotel waren schon gebucht, dann kamen die Probleme mit den Behörden. Am Montag war klar: Manuel Fumic muss am morgigen Samstag ohne familiären Beistand ins olympische Crosscountry-Rennen gehen. Vater Marko, seit jeher engste Bezugsperson, wenn es um die sportliche Karriere der beiden Söhne geht, vom Ort des Geschehens verbannt. Zum ersten Mal überhaupt bei einem olympischen Rennen, denn seit der Mountainbikesport 1996 in Atlanta seine olympische Premiere feierte, steht Marko Fumic am Streckenrand. Zuletzt zweimal als persönlicher Betreuer des eigenen Nachwuchses. Dass diesmal alles anders sein soll, war für ihn ein Schock. Ein Jahr zuvor noch schien niemand daran zu zweifeln, dass beide Fumic-Brüder den BDR-Tross in Peking anführen würden. Lados Nicht-Nominierung war Mitte Juli der erste Nackenschlag, den er nur äußerlich weggesteckt zu haben scheint. Er weiß: „Für Manuel wäre es enorm wichtig gewesen, dass Lado dabei ist.“ Jetzt steht er selber draußen vor der Tür. Der gelernte Autolackierer, der fast sein halbes Leben dem sportlichen Erfolg seiner beiden Sprösslinge verschrieben hat, mag nicht untätig vor dem Fernseher sitzen. „Ich werde mich morgen alleine ins Auto setzen und irgendwo hin fahren“, sagt der 61-Jährige. „Vielleicht nach Süden ans Meer.“

Bis dahin jedoch hält er täglich telefonischen Kontakt mit dem Filius, der seit vergangenem Sonntag mit Mannschaftskollege Moritz Milatz das Zimmer im Olympischen Dorf teilt. Die Zuversicht im Fumic-Lager ist groß, dass der Traum von einer Medaille am Ende wahr werden könnte. Zwar zählt Manuel Fumic nicht zu den heißesten Kandidaten auf olympisches Edelmetall, doch ein Platz unter den ersten Fünf ist dem Deutschen Meister aus Kirchheim auf jeden Fall zuzutrauen. Auch Papa Fumic wäre damit zufrieden, schließlich kennt er sich wie kein anderer aus in der Szene und weiß um die Stärke der Konkurrenten aus Frankreich, Spanien und der Schweiz, die in den Weltcuprennen fast immer auf den vorderen Plätzen zu finden sind.

Auch Manuel Fumic, der dem Deutschen Haus in Peking vorgestern einen ersten Besuch abstattete, glaubt fest an seine Chance. Die Strecke, das Klima – vieles von den äußeren Bedingungen hier scheint dem 26-Jährigen auf den Leib geschneidert zu sein. Seine Hitzebeständigkeit, seine Explosivität im Antritt. „Die Strecke hier scheint wie für mich geschaffen“, sagt er. Umso mehr, als die Verantwortlichen den schnellen Parcours im „Laoshan Mountainbike Complex“ in den vergangenen Tagen noch modifiziert und mit zusätzlichen technischen Schwierigkeiten versehen haben. Zwei bis drei Stunden am Tag haben die Athleten Gelegenheit, auf der olympischen Strecke zu trainieren

Größter Unsicherheitsfaktor ist derzeit das Wetter. Heftige Regenfälle am gestrigen Donnerstag haben der Strecke derart zugesetzt, dass das für heute geplante Frauen-Rennen mit Europameisterin Sabine Spitz bereits auf Samstag verschoben wurde. Die Frauen-Elite soll nun um 4 Uhr MESZ direkt vor den Männern (geplanter Start um 9 Uhr) an den Start gehen. Nun hoffen alle, dass das Wetter in Peking hält, was die Prognosen versprechen. Für das morgige Rennen sind Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad vorhergesagt. Das wäre vor allem eines: Fumic-Wetter.