Lokalsport

Patrick Gühring als Pokal-Held

VfL nach Elfmeterschießen im Halbfinale

Fußball-Krimi mit Happy End für den VfL: Die Kirchheimer Oberligakicker haben gestern Abend den klassenhöheren SSV Reutlingen nach Elfmeterschießen mit 5:3 (1:1, 1:1) aus dem WFV-Pokal geworfen. Gemessen an der leidenschaftlichen Leistung der Teckstädter über die gesamten 120 Minuten war der Sieg über zu einfallslose Reutlinger völlig verdient.

PEter Eidemüller

Kirchheim. Ein Fußball-Team startet durch: Nach dem 2:0-Befreiungsschlag in der Liga gegen Freiberg vor fünf Tagen, haben die VfL-Kicker einen Sensationssieg im WFV-Pokal-Viertelfinale gegen den SSV Reutlingen folgen lassen. Auch wenn der Sieger eines Elfmeterschießens gemeinhin immer als der Glücklichere bezeichnet wird: der Sieg der Kirchheimer ging aufgrund des größeren Kampfeswillen vollkommen in Ordnung. Zu umständlich agierte der Regionalligist von der Kreuzeiche, zu selten blitzte die individuelle Klasse der mit immerhin zwei ehemaligen SSV-Zweitligaspielern gespickten Truppe (Rill und Janic) auf.

Anders der VfL, der von Beginn auf Augenhöhe agiereren konnte und vor allem dank der bombensicher stehenden Abwehr, in der Neuzugang Benny Dihl (20) debütierte, keinerlei nennenswerte Reutlinger Chancen zuließ – selbst kam der VfL allerdings auch kaum gefährlich vors SSV-Gehäuse, was in den ersten 15 Minuten jedoch auch an Sturmtief „Kirsten“ lag: Orkanartige Regenböen peitschten durchs Kirchheimer Stadion, hohe Bälle fanden meist postwendend ihren Weg zurück zum Adressaten.

Am Kirchheimer Führungstor (35.) trug „Kirsten“ jedoch keine Schuld. VfL-Angreifer Nicola Spina düpierte mit einem Drehschuss-Lupfer aus rund 30 Metern SSV-Keeper Markus Krauss. Jener stand zu weit vor seinem Kasten und hatte keine Chance, den sich direkt unter die Latte senkenden Ball noch zu erreichen – eine abermalige Sensation wie gegen die Stuttgarter Kickers im Achtelfinale bahnte sich an, zumal Spina Mitte der zweiten Hälfte schon alles klar hätte machen können, wenn nicht sogar müssen. Der 26-Jährige vergab jedoch freistehend vor SSV-Keeper Krauss aus sechs Metern kläglich, nachdem er sich mit dem Ball durch zwei Reutlinger Abwehrspieler gestolpert hatte – ein vergebener Hochkaräter, dessen Auslassen sich rächen sollte?

Als der eingewechselte Christian Sauter per Freistoß-Hammer aus 25 Metern den Ausgleich besorgte (64.), schien es zunächst so. VfL-Keeper Gühring sah bei dem direkt auf ihn zukommenden Ball alles andere als gut aus – doch die Zeit des 27-Jährigen sollte noch kommen: Knapp eine Stunde später war Gühring nach zwei gehaltenen Elfmetern der Held des Abends auf Kirchheimer Seite – vergessen war zu diesem Zeitpunkt, das der SSV zum Ende der regulären Spielzeit trotz Unterzahl (Andreas Rill hatte gegen Torsten Raspe nachgetreten) mächtig am Drücker war. Die größte Chance zum 2:1 hatte Ex-VfL-Kicker Alban Meha (88.), als ein Freistoß des Albaners aus 25 Metern von Gühring an die Latte gelenkt wurde. Kurz zuvor vertändelte Sasa Janic das Leder, nachdem er Gühring im Strafraum bereits umkurvt, sich den Ball aber zu weit vorgelegt hatte.

Dennoch: Zwingend war keine der Reutlinger Aktionen in VfL-Tornähe. Die bestens gestaffelten Kirchheimer hielten auch in der Verlängerung die Schotten dicht, spielten phasenweise mit allen Feldspielern Powerplay in der Reutlinger Hälfte. „Das war ein sehr leidenschaftliches Spiel unsererseits“, lobte VfL-Trainer Christian Hofberger.

VfL Kirchheim: Gühring – Koch, Dihl, Grimm, Eisenhardt – Söylemezgiller (76. Polat), Er, Raspe (99. Tunjic), Isci (82. Altinsoy) – Gonsior (67. Laible), Spina (105. Mayer)

SSV Reutlingen: Krauss – Grimminger (46. Scheuring), Aybar, Kirsch, Janic – Rill, Vujevic, Otto (46. Sauter), A. Meha – Bischoff (106. Weigl), Mayer (65. F. Meha)

Tore: 1:0 Spina (36), 1:1 Sauter (64.)

Gelbe Karten: Eisenhardt, Koch, Grimm, Dihl – Aybar, Bischoff

Gelb-Rote Karten: keine

Rote Karte: Rill (SSV, 66.) wegen Nachtretens

Schiedsrichter: Marco Fritz (Winnenden)

Zuschauer: 700 (547 Zahlende)

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