Lokalsport

Polats Prachtschuss stellt die Weichen

Ergebnis-Fußball statt Erlebnis-Fußball: Der VfL Kirchheim führte beim 2:0 (0:0) in Frickenhausen dem Neuling FCF geradezu mustergültig vor, warum der Abstieg für die Gastgeber näherrückt, der Klassenerhalt für den VfL dagegen immer mehr Konturen annimmt.

REIMUND ELBE

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FRICKENHAUSEN Zweimal standen Frickenhausener Spieler vor der Pause völlig unbedrängt vor dem Kirchheimer Tor, ein Treffer für die munter kämpfenden Gastgeber schien vor den 300 Derby-Guckern am vergangenen Samstag beschlossene Sache. Doch dann passierte das, was FCF-Trainer Klaus Fischer später in der Pressekonferenz zu einer fast schon verzweifelt klingenden Frage ("was haben wir verbrochen, dass wir in der Verbandsliga kein Glück haben?") veranlasste.

Der vereinstreue Frickenhausener Multi-Funktionär spielte bei seiner Klage eben auf diese beiden vergebenen Hochkaräter an, die bei positiver Verwertung ein großer Schritt zum Fischerschen Wunsch ("wir wollen einmal in einem Punktspiel den VfL Kirchheim besiegen") gewesen wären. Da war zunächst die Topchance Nummer eins für den Tabellenletzten. FCF-Offensivakteur Michael Dast schoss in der 19. Minute freistehend aus acht Metern Entfernung und schräger Schussposition an den Innenpfosten, das auf der Linie kullernde Leder wurde anschließend von der VfL-Deckung entsorgt.

Nur zwölf Minuten später zum zweiten Mal Entsetzen in den Gesichtern der FCF-Anhänger. Frickenhausens Mittelfeldspieler Benny Matuschek stürmte allein auf VfL-Torwart Jürgen Rechner zu, doch im entscheidenden Augenblick versagten ihm die Nerven - seinen unplatzierten "Spitzkick" entschärfte der Schlussmann problemlos. Der VfL zeigte den Kickern aus dem Neuffener Täle in dem durchschnittlichen Verbandsliga-Derby nach der Pause, wie konsequente Chancenverwertung aussieht.

Mit dem einsetzenden Dauerregen erwachten die Kirchheimer regelrecht, legten spielerisch deutlich zu und es dauerte bis zur 66. Minute, ehe es den ersten Tiefschlag für den in Folge fast schon bemitleidenswerten FC Frickenhausen gab. Mittelfeldspieler Emrah Polat stellte die Weiche auf Sieg: Auf der rechten Seite drang der Youngster in den Strafraum ein, beförderte anschließend die Kugel mit einem Schuss der brachialen Sorte rechts oben unter die Latte. FCF-Torwart Oygar Vangöl war ähnlich baff wie die restlichen Augenzeugen dieses seltenen Tor-Exemplares.

Als VfL-Mittelfeldakteur Coskun Isci nur drei Minuten später einen Freistoß der eingewechselte Antonino Singh war 20 Meter vor dem Tor gefoult worden flach um die FC-Mauer herum zum 2:0 ins gegenerische Gehäuse schoss, brach der Widerstand des Aufsteigers. Vergessen war binnen Minuten, dass der VfL bis zu diesem Doppelschlag nur zwei nennenswerte Offensivszenen hatte. Nummer eins: Ein vom gegnerischen Keeper zur Ecke gelenkter Fernschuss von Torsten Raspe (27.), der für Fabio Morisco zunächst im offensiven Mittelfeld begonnen hatte. Nummer zwei: Ein abgefälschter Schuss von Sturmspitze Cem Korkmaz, der nur eine Ecke einbrachte (41.). In der Schlussphase war aus Kirchheimer Sicht von Chancenarmut allerdings keine Rede mehr: Fast im Minutentakt boten sich den VfL-Kickern gegen die nun alles oder nichts spielenden Gastgeber Möglichkeiten zu weiteren Erfolgserlebnissen. "In diesen Szenen hat sich wie so oft in dieser Saison gezeigt, dass unsere Jungs einfach manchmal noch zu verspielt sind", kritisierte Michael Rentschler, Kirchheims Spielertrainer, nach dem Abpfiff die teils leichtfertig vergebenen Chancen. Zumindest in diesen Minuten der Saison 2004/2005 war der Fußball-Gott ein Frickenhausener . . .

Derby-Stenogramm

FC Frickenhausen: Vangöl Turan, Jankofsky, Mayer, J. Bader (33. Keller) Karatailidis, Lude, S. Bader, Matuschek Kütri, Dast.VfL Kirchheim: Rechner Eisenhardt, Ziegler, Rentschler, Siopidis Isci (83. Dashi), Fuchs, Grimm, Raspe (75. Morisco), Polat Korkmaz (63. Singh).Tore: 0:1 (66.) Polat, 0:2 (69.) Isci.Gelbe Karten: S. Bader, Lude, Keller Rentschler, Grimm, Raspe, Ziegler, Singh.Zuschauer: 300.Schiedsrichter: Uwe Hamel (Nordheim) leitete ordentlich.