Lokalsport

Prinzip "Storchenbein" fruchtet

"Wir sind auf einem guten Weg." So beschreibt die Vorsitzende des VfL Kirchheim, Doris Imrich, den Stand der vor zwei Jahren initiierten Kampagne "Kinder, unsere Zukunft Kirchheim in Bewegung", deren Ziel unter anderem die Verbesserung und Weiterentwicklung des Kindersportangebots ist.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Die optimistische Aussage der VfL-Vorsitzenden lässt sich konkret am Kooperationsprojekt zwischen dem größten Kirchheimer Verein und dem Aichelbergkindergarten festmachen: Im 14-tägigen Rhythmus sucht eine Übungsleiterin des VfL die Einrichtung auf, um mit den Kindern zu turnen. "Sie sollen auf spielerischem Wege grundlegende Dinge wie das Stehen auf einem Bein oder Purzelbäume erlernen", beschreibt Claudia Balz, im vorliegenden Fall die Übungsleiterin, die den Aichelbergkindergarten betreut, das Ziel des Projekts. Eine dreiviertel Stunde lang nimmt sie sich der Kinder an und versucht innerhalb dieser Zeit, ihnen den Spaß an der Bewegung näher zu bringen ohne Druck auszuüben: "Wenn ich sagen würde: Macht einen Purzelbaum, dann würden viele Kinder sagen, "Das kann ich nicht", weist Balz auf die (sport-)didaktischen Besonderheiten im Umgang mit Kindern hin. Der Trick sei, solche Dinge auf spielerischem Wege zu vermitteln. Für das Stehen auf einem Bein beispielsweise habe sich ein Reim bewährt: "Der Storch, der steht so ganz allein auf seinem langen Storchenbein" das wirke in jedem Falle besser als die mündliche Anweisung, ad hoc auf einem Bein zu stehen, so Balz.

Ein Ziel sei es hierbei, den Kindern eine gewisse Grundlage an senso-motorischen Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben. Die gelernte Apothekenhelferin Claudia Balz kann bestätigen, dass es vereinzelt auch Kinder gäbe, die beispielsweise nicht auf einem vorgezeichneten Strich laufen könnten. "Deswegen ist es wichtig, so früh wie möglich etwas dagegen zu tun", unterstreicht Balz die Notwendigkeit, dem Bewegungsdrang der Kleinen gerecht zu werden. Kindergärten bildeten hierbei eine rühmliche Ausnahme, so Balz. Das Problem der Bewegungsarmut läge vielmehr im schulischen Bereich. "Auf die schulischen Rahmenbedingungen kann jedoch nur das Kultusministerium Einfluss nehmen", sagt Doris Imrich zu dieser Problematik. Deswegen sei es auch wichtig, dass das Interesse der Kinder für sportliche Betätigung vor der Einschulung geweckt werde. Einmal Sportmuffel, immer Sportmuffel?

Was die im Kindergarten abgehaltenen Turnstunden angeht, können jedenfalls alle Beteiligten zufrieden sein. "Die Kinder sind begeistert", schildert Heidrun Zimmermann, Erzieherin im Aichelbergkindergarten die Resonanz. Auch die Eltern wären positiv angetan von den vermittelten Inhalten. "Viele sind ganz überrascht, wenn ihr Kind plötzlich seinem Bewegungsdrang nachkommt", sagt Claudia Balz. So hätte ihr die Mutter eines Kindes neulich erzählt, wie ihr Sprössling mitten im Möbelhaus einen Handstand gemacht habe. "Das hat er ja vorher noch nie gemacht", bekommt die seit fünf Jahren beim VfL tätige Übungsleiterin nicht selten von verdutzten Eltern zu hören.

Neben den Kindern ist natürlich der Verein, in diesem Fall der VfL Kirchheim mit seinen 4 077 Mitgliedern (Stand vom 19. Juli 2004), ein großer Gewinner solcher Projekte. "Seit dem Beginn der Aktion vor anderthalb Jahren haben einige Abteilungen regen Zulauf erfahren", kann Doris Imrich den Erfolg, der auf den VfL zurückschwappt, bestätigen.