Lokalsport

Pronomenpauken zwischen dem Punktesammeln

Der, die oder das Basketball? Wer Paul Howard diese Frage stellt, wird mit Sicherheit die richtige Antwort bekommen. Seit zweieinhalb Wochen büffelt der englisch-amerikanische Korbjäger der Kirchheim Knights an der Volkshochschule Deutsch – mit Erfolg, wie der Besuch eines Kurses mit dem 38-Jährigen zeigt.

Peter Eidemüller

Kirchheim. „Auf deutsch, Paul. Auf deutsch.“ Sylvia Harzer muss den prominentesten ihrer Kursteilnehmer immer wieder disziplinieren. Zu gerne verfällt der 1,96-m-Hüne noch in seine Muttersprache, wenn er eine Frage hat. Englisch ist in Zimmer 3 der Kirchheimer Volkshochschule zwar nicht verboten, doch ermutigt Kursleiterin Harzer ihre Eleven, bei möglichst jeder Gelegenheit auf deutsch zu kommunizieren. „Alles klar“, nickt Paul Howard, der nach zweieinhalb Wochen Deutschkurs an der vhs bereits so etwas wie der Mittelpunkt der rund 15 Teilnehmer ist.

Dies liegt nicht nur an seiner unübersehbaren Erscheinung, nein: Paul Howard ist erfrischend offenherzig, ehrlich und selbstbewusst. Das kommt an bei den anderen Kursteilnehmern aus Rumänien, Thailand, Kroatien und der Türkei, die alle ein wenig verschüchtert auf ihren Stühlen sitzen. Kein Wunder: Die größte Gemeinsamkeit ist die Tatsache, sich in Deutschland nicht ausreichend verständlich machen zu können.

Paul Howards Nebensitzer ist zum Beispiel der Weißrusse Sergej. Nachdem dieser kein Englisch spricht und Howard (noch) nicht genug deutsch, verständigen sich die beiden mehr oder weniger mit Händen und Füßen – trotzdem sind sie in der kurzen Zeit seit Kursbeginn schon Freunde geworden. Als Sergej nach Kursende schnell zum Bahnhof muss, übernimmt Paul Howard kurzerhand dessen Tafeldienst. „Bring mir morgen einfach etwas Geld mit“, scherzt Howard, als Sergej den Raum verlässt – ein Witz zur rechten Zeit als Eisbrecher.

Die Entscheidung, Deutsch zu lernen, fällte der 38-jährige Basketball-Wandervogel bereits lange vor seiner Zeit in Kirchheim. Doch während keinem seiner Engagements in Mainz, Kaiserslautern, Ehingen, Tübingen, Langen, Paderborn oder Hamburg hat er je die Zeit dafür gefunden. „Immer wieder wollte ich mit den Kursen anfangen“, erzählt er, „hab‘ es dann aber irgendwie nie geschafft.“

Nach knapp einem Jahr, die er nun bereits als Forward bei den Kirchheimer Basketballern tätig ist, gab sich der im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufgewachsene Sohn jamaikanischer Eltern (die Mutter ging mit Paul nach Amerika, der Vater nach England) endlich einen Ruck. Von Montag- bis Freitagvormittag drückt er je zweieinhalb Stunden lang die (Volkshoch-)Schulbank. „Ich wollte das in erster Linie für mich machen“, sagt er. Nutznießer sind aber auch die Spieler der Kirchheimer U20-Oberligamannschaft, die der Inhaber der Trainer-C-Lizenz neben seinem Job als Spieler noch betreut. „Die Basketballsprache ist zwar Englisch, aber ich finde es wichtig, mit den jungen Spielern auf Deutsch sprechen zu können.“

Gelegenheit zum Üben gibt es im vhs-Kurs reichlich: Sylvia Harzer lässt immer wieder Frage- und Antwortsätze sprechen. Paul Howard macht sich eifrig Notizen, murmelt die richtigen Antworten vor sich hin, korrigiert falsche, die seine Mitschüler geben. „Er ist sehr wissbegierig und aufmerksam“, lobt Sylvia Harzer, „und er bringt eine gute, lockere Stimmung in den Kurs.“

Ob er ihn allerdings bis zum Ende im Dezember besuchen wird, ist noch offen. Sein Vertrag bei den Knights läuft nur für diese Saison, Gespräche über eine Verlängerung haben noch nicht stattgefunden. „Ich würde gerne noch ein, zwei Jahre hier spielen“, sagt er, „es gefällt mir sehr gut in Kirchheim.“ In der Tat scheint die Teckstadt es dem Chistkind (Howard ist am 24. Dezember geboren) angetan zu haben: Seit vergangenem Herbst organisiert er immer wieder Partys in Kirchheimer Lokalitäten. Die nächste steigt bereits am 15. März nach dem Heimspiel gegen Breitengüßbach im Magellan, wo alle Spieler der Knights dabei sein werden. „Es ist wichtig, dass man sich auch abseits des Platzes trifft und auch mal über was anderes als Basketball spricht“, betont Howard. Seine Mitschüler aus der vhs hat er natürlich auch eingeladen.

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