Lokalsport

Radi lässt die Ritter rasen

Basketball: Kirchheim schlägt Spitzenreiter Bayreuth in allerletzter Sekunde

In einem an Spannung kaum zu überbietenden Spiel haben die Kirchheim Knights Zweitligaspitzenreiter BBC Bayreuth in letzter Sekunde mit 88:87 (46:46) geschlagen. Dabei war es am Ende Kapitän Radi Tomasevic, der mit einem Wahnsinnsdreier aus knapp zehn Metern für den Siegtreffer sorgte und die Sporthalle Stadtmitte in ein Tollhaus verwandelte.

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Timo Probst

Kirchheim. Freud und Leid lagen nach dem Spiel nah beieinander: Während die Knights ausgelassen mit ihren Fans den Sieg feierten, verschwanden die Gäste völlig geschockt in der Kabine. Anstatt den Aufstieg zu bejubeln, der bei einem Bayreuther Sieg unter Dach und Fach gewesen wäre, mussten die zahlreichen fränkischen Zuschauer den Kirchheimern bei der „Sieges-Humba“ zusehen. Deren Trainer Frenkie Ignjatovic sprach von einem Spiel „das wir alle wohl nie vergessen werden“.

Nach einem ungewohnt nervösen Start, der einen 0:6-Rückstand nach zwei Minuten zur Folge hatte, fanden die Knights durch Dreipunktspiele von Nils Menck und Ryan De Michael besser in die Partie, konnten bis Mitte des ersten Viertels auf 14:13 verkürzen. War Kirchheim nun offensiv ins Rollen gekommen, schafften es die Schützlinge von Ignjatovic nicht, die Gäste in der Verteidigung unter Kontrolle zu bekommen. Folge: Bayreuth setzte sich nach zwei Dreiern von Pete Campbell auf 26:17 ab. Eine anschließende Kirchheimer Auszeit zeigte Wirkung, denn in den verbleibenden zweieinhalb Minuten gelangen den Bayreuthern nur noch zwei Zähler, sodass es mit 28:20 in die Viertelpause ging.

Nachdem die Oberfranken im ersten Abschnitt trotz hoher Foulbelastung 65 Prozent ihrer Würfe im Kirchheimer Korb untergebracht hatten, kam es zu Beginn der zweiten zehn Minuten knüppelhart für die Hausherren. Zunächst gelang Campbell das seltene Kunststück eines Vier-Punkte-Spiels, dann kassierte Phillipp Heyden ein unsportliches, Frenkie Ignjatovic ein technisches und schließlich Radi Tomasevic ein weiteres unsportliches Foul. Ein Bayreuther 12:0-Lauf zum 40:20 war die Folge. Doch die Knights ließen sich davon nicht aus dem Konzept bringen, im Gegenteil. Angestachelt vom Kirchheimer Publikum setzten die Gastgeber zum Gegenschlag an. Nachdem Tim Koch mit einem Dunking den Anfang gemacht hatte, war es Cedric Brooks, der sein Team mit drei erfolgreichen Dreiern innerhalb kürzester Zeit wieder in Schlagdistanz brachte (40:31). Auch nachdem Christoph Tetzner den 11:0-Lauf der Ritter zunächst gestoppt hatte, waren die Kirchheimer weiterhin auf dem Vormarsch. So sorgte der nun überragende Brooks, der im zweiten Viertel 17 seiner insgesamt 24 Punkte erzielte, kurz vor der Halbzeit gar für die Führung, um damit einen 26:6-Zwischenspurt zu vervollständigen, ehe es mit 46:46 in die Kabine ging.

Nach dem ersten Durchgang – wohl mit das Beste, das die Kirchheimer Zuschauer in dieser Saison miterleben durften – begegneten sich beide Teams im dritten Viertel von Anfang an auf Augenhöhe. Die Führung wechselte ständig, keine Mannschaft konnte sich absetzen. Beim Stand von 68:68 startete man schließlich in das Schlussviertel.

Hier präsentierten sich die Gäste zunächst als die frischere Mannschaft. Pete Campbells fünfter erfolgreicher Dreier machte den Anfang zu einem 7:0-Zwischenspurt, ehe Thomas Jackson die Bayreuther Führung per Dreipunktspiel auf 78:70 ausbaute. Doch auch dieses Mal hatten die Hausherren die passende Antwort parat und konterten mit einem 6:0-Lauf. Jackson, mit 26 Punkten Topscorer der Partie, hielt Kirchheim jedoch auf Abstand und sorgte zwei Minuten vor Schluss für eine 83:76-Führung der Gäste, ehe Gordon Scott per Dreier verkürzen konnte. Nach einem weiteren Treffer von Jackson hatte der BBC bei noch gut einer Minute verbleibender Spielzeit und einem Fünf-Punkte-Vorsprung alle Trümpfe in der Hand, doch die Ritter stemmten sich weiterhin mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Durch Freiwürfe von Gordon Scott und Cedric Brooks kam Kirchheim zurück ins Spiel, ehe Ryan De Michael sich 27 Sekunden vor dem Ende den Offensivrebound sicherte, um von der Linie nervenstark den Ausgleich zu erzielen.

Kaum einen der 1 200 Zuschauer hielt es nun noch auf den Sitzen – Spannung satt. Kirchheim entschied sich, beim letzten Bayreuther Angriff nicht zu foulen und vertraute auf seine Verteidigung, die einen guten Job machte und Pete Campbell zu einem schwierigen Wurf zwang. Gordon Scott ging dabei jedoch etwas zu aggressiv zu Werke und foulte den Scharfschützen, um ihn 5,6 Sekunden vor Schluss an die Linie zu schicken. Campbell, der in nur knapp 20 Minuten Einsatzzeit 25 Punkte erzielte und dabei sechs Dreier bei sieben Versuchen im Korb unterbringen konnte, behielt die Nerven und brachte Bayreuth mit zwei Zählern in Führung.

Die Knights hatten keine Auszeit mehr und so trieb Radi Tomasevic den Ball anschließend über das Spielfeld, um aus knapp zehn Metern den Abschluss zu suchen. Die gesamte Halle hielt den Atem an, während der Ball schier endlos in der Luft zu sein schien, ehe Spieler, Trainer und Zuschauer das Spielfeld stürmten, um den Wahnsinnsdreier des Kapitäns zu feiern, der mit der Schlusssirene und ohne Ringberührung im Korb der Gäste eingeschlagen war.

Kirchheim: Brooks (24, 6 Assists), Tomasevic (17), Scott (14, 4 Assists), De Michael (10, 8 Rebounds), Menck (6, 5 Rebounds), Gilliam (6, 7 Rebounds), Koch (5), Lischka (4), Heyden (2, 7 Rebounds, 3 Blocks)

Bayreuth: Jackson (26, 6 Rebounds), Campbell (25), Seward (8, 9 Rebounds, 3 Steals), Harris (7), Erege (7), Schröder (5), Raffington (4, 6 Rebounds), Williamson (2, 4 Assists), Barth (2), Tetzner (1)