Lokalsport

Reicht der Weilheimer Vorsprung?

Alles jagt den TSV Weilheim: Die Verfolgerschar des Tabellenführers der Fußball-Kreisliga A 2 bläst zum Angriff auf die Limburgstädter – allerdings noch nicht an diesem Wochenende: Der komplette Spieltag wurde gestern witterungsbedingt abgesagt, ein Nachholtermin steht noch nicht fest. Nichtsdestotrotz gibt es aus der hiesigen neunten Liga allerhand Neues zu berichten.

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Peter Eidemüller

Weilheim. Die Chancen, dass die Teckvereine TSV Jesingen, TSV Notzingen und SGEH in der Bezirksliga Verstärkung bekommen, stehen besser denn je: Mit dem TSV Weilheim (32 Punkte) und den SF Dettingen (26) grüßen gleich zwei Mannschaften mit Lokalkolorit von der Tabellenspitze der Kreisliga A, Staffel 2.

Das Ziel unter der Limburg bleibt der Bezirksligaaufstieg

Besonders in Weilheim ist das Visier fest auf die Bezirksliga eingestellt. „Wenn wir jetzt sagen, dass wir nicht aufsteigen wollen, glaubt uns da ja keiner“, beschreibt TSVW-Spielleiter Günther Friess das Weilheimer Dilemma, „unser Ziel bleibt deshalb ganz klar die Bezirksliga.“ Für dieses Vorhaben hat sich die Mannschaft des Trainerduos Alex Hübbe/Danell Stumpe gezielt verstärkt. Von Bezirksligist SC Geislingen kommt mit Michael Fischer ein erfahrener Mann für die Abwehr, die trotz nur 15 Gegentoren ein laut Friess „problematischer Bereich“ ist. Im Mittelfeld soll Burak Engin vom TSV Holzmaden den gesetzten Spielmacher Darko Kadoic unterstützen und bei Bedarf dessen Rolle übernehmen. Die Sturmabteilung bekommt neben Ohmden-Rückkehrer Nicolo Incorvaia noch Verstärkung durch Kai Hörsting. Der Goalgetter hatte dem TSVW wegen eines studienbedingten Aufenthalts in Finnland vier Monate gefehlt. Bis auf Nico Ruggerio, der nach einem Kreuzbandriss erst im Lauf der Rückrunde einsatzfähig sein dürfte, sind die Weilheimer also gerüstet für die Meisterschaft – ob‘s klappt? „Wir sind personell besser bestückt als die Konkurrenz und werden am Ende den längeren Atem haben“, ist sich Günther Friess sicher.

Indirekte Zustimmung bekommt Friess ausgerechnet vom ärgsten Konkurrenten. „Wenn man es realistisch betrachtet, ist Weilheim der Aufstieg nicht mehr zu nehmen“, sagt Manuel Klein, Abteilungsleiter der SF Dettingen – eine kräftige Prise Understatement aus der Schlossberggemeinde, denn bei lediglich sechs Punkten Rückstand haben die SFD alle Chancen, die Weilheimer noch abzufangen. Zumal Klein die Weilheimer nicht als absolute Überflieger einstuft: „So überragend wie Grafenberg oder die SGEH in den vergangenen beiden Jahren sind die nicht.“ Die Zielsetzung in Dettingen ist daher eher pragmatisch. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen, um so parat zu stehen, falls Weilheim doch mal schwächelt“, so Klein. Sollte es dann am Saisonende nicht mit dem Titel oder dem Relegationsplatz klappen, ginge die SFD-Welt trotzdem nicht unter. „Von unserem Trainer würden wir uns in so einem Fall sicher nicht trennen“, so Klein augenzwinkernd.

Sechs Mannschaften lauern auf Patzer des Primus

Die Dettinger führen ein sechs Mannschaften starkes Verfolgerfeld an, das dem TSV Weilheim das Leben in der Rückrunde möglichst schwer machen soll. Auf Platz drei liegt völlig überraschend Aufsteiger TV Unterboihingen, der vor Selbstvertrauen nur so strotzt: „Die Mannschaft entwickelt sich Woche für Woche weiter und kann sicherlich noch zulegen, um bis zum Schluss noch mindestens einen Platz gutzumachen“, glaubt Abteilungsleiter Christian Hiergeist. Der viertplatzierte TSV Oberboihingen liegt gemäß der vorsaisonalen Zielsetzungen (vorderes Mittelfeld) im Soll, kann sich mithilfe der schlagkräftigen Neuzugänge (unter anderem der ehemalige Ohmdener und VfL-Bezirksligakicker Franjo Lipec) eventuell noch verbessern. „Wir wollen weiterhin um die vorderen Plätze mitspielen“, sagt Abteilungsleiter Gert Schnepf.

Überraschungsfünfter ist der TV Neidlingen, der nach zwei eher mageren Spielzeiten (Zehnter in der Saison 07/08, Achter 06/07) wieder Tuchfühlung an obere Tabellengefilde hat. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie mit den Topteams der Liga mithalten kann“, freut sich Abteilungsleiter Klaus Moll vor allem über den Sieg gegen Dettingen und das Remis gegen Weilheim in der Vorrunde. Allerdings wurden in Spielen gegen Hinterbänkler zu viele Punkte verschenkt. „Der jungen Mannschaft fehlt noch die Konstanz und der absolute Siegeswille“, weiß Moll, dessen Blick trotzdem klar nach oben geht: „Unser Ziel ist es, den Kampf um den Relegationsplatz auf jeden Fall noch mitzugestalten.“

Nicht minder überraschend ist der sechste Platz des AC Catania Kirchheim. Bei den Azzurri hat der neue Trainer, Cesare d‘Agostino, voll eingeschlagen. „Ein richtig fleißiger Mann mit sehr viel Erfahrung“, lobt Spielleiter Pasquale Martinelli, der vor allem von der Arbeitsintensität des Coaches beeindruckt ist. „Nicht mal zu unseren besten Bezirksligazeiten haben wir so viel trainiert wie jetzt“, sagt er. Aus den sechs AC-Neuzugängen sticht ein Name sofort heraus: Roberto Forzano, 18-jähriger Sohn von Catania-Urgestein Bippo Forzano mit Vergangenheit beim VfB Stuttgart, kommt von den A-Junioren des SSV Reutlingen an die Jesinger Allee. „Bei ihm sieht man die Schule der VfB-Jugend, das ist ein kompletter Spieler“, lobt Martinelli den Nachwuchsstürmer.

Hinter dem Teck-Duo liegen der TSV Harthausen (21) und der FC Frickenhausen II (19) sowohl mit tabellarischem Blick nach oben und unten. Während sich die Frickenhausener nach verpatztem Saisonstart, der am fünften Spieltag sogar auf den letzten Tabellenplatz führte, wieder gefangen haben, musste sich der TSV Harthausen nach Wochen an der Tabellenspitze wieder von seinen Aufstiegsträumen verabschieden.

Eine regelrechte Völkerwanderung hat im Ohmdener Bergwald stattgefunden. Sage und schreibe zehn Neuzugänge verzeichnete der Tabellenneunte TSVO in der Winterpause. Vor allem von der Rückkehr von Torjäger Nelson Abrantes, der beim TSV Notzingen nicht Fuß fassen konnte, verspricht man sich in Ohmden viel. Zudem wird Sturm-Altmeister Manfred „Manne“ Heiland nach langer Verletzungspause wieder mitmischen. „Wenn wir wie in der Vorsaison Sechster werden, wäre ich froh“, sagt Abteilungsleiter Peter Scherrer, der jedoch angesichts von nur vier Punkten Abstand auf den Abstiegsrelegationsplatz zugibt, dass „unser Blick nach unten geht.“

VfL II peilt mit 14er-Kader das vordere Mittelfeld an

Ähnliches sollte eigentlich für Aufsteiger VfL Kirchheim II gelten, doch nach den beiden fulminanten Auftritten vor der Winterpause (8:1 gegen Oberlenningen, 6:1 gegen Ohmden) ist das Selbstbewusstsein an der Jesinger Allee wieder gewachsen. „Das vordere Mittelfeld muss wieder in Reichweite kommen“, fordert VfL-Geschäftsführer Walter Rau, der bekanntlich selbst die Kickstiefel in der „Zweiten“ schnürt. „Die Akklimatisierung in der Liga hat zu lange gedauert, dazu haben wir viele Punkte in ausgeglichenen Spielen verloren“, sagt er. Verloren hat der VfL darüber hinaus noch vier Spieler in der Winterpause, was bei nur einem Neuzugang zu einem relativ dünnen Kader von gerade mal 14 Spielern führt. Legt man die langfristigen Planungen der Cluboberen zugrunde, wäre alles andere als der Klassenerhalt ein Fiasko: Schließlich will der VfL seine zweite Mannschaft bis zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 2011 in die Bezirksliga bringen.

Momentan auf dem ersten Nichtabstiegsplatz liegt der TSV Jesingen II. Der letztjährige Meister der B 6-Staffel, der in der Vorrunde zehn Spieltage lang entweder auf einem Abstiegs- oder dem Relegationsplatz stand, hat im Kampf um den Klassenerhalt Verstärkung bekommen: Ausgerechnet vom Kellerkonkurrenten VfL II kommen mit Carmelo Stuppia und Fabio Frascaria zwei schlagkräftige Akteure. Dafür haben mit Turgay Tok und Tino Jungblut allerdings auch zwei gute Spieler den Club Richtung Großbettlingen verlassen – an der Marschrichtung hat sich deshalb jedoch nichts geändert: „Wir wollen mit allen Mitteln den Klassenerhalt schaffen“, fordert TSVJ-Abteilungsleiter Steffen Mauz.

Abstiegsbedrohte Oberlenninger hoffen auf Wunder

Mitten drin im Abstiegsstrudel steckt der achte Teckverein der Liga: Der TSV Oberlenningen ist Vorletzter, hat sechs Punkte Rückstand auf das rettende Ufer – entsprechend drastisch auch die Einschätzung von Spielertrainer Rainer Ziegelin, der nach überstandener Knieoperation in der Rückrunde wieder mitmischen will: „Uns kann eigentlich nur noch ein sportliches Wunder retten.“ Trotzdem sei die Stimmung innerhalb der Mannschaft bestens, so der 41-Jährige, der dem Verein übrigens über die Saison erhalten bleiben wird – ob als Trainer ist jedoch noch offen. Hauptproblem seiner Mannschaft ist die fehlende Erfahrung: „Die Spieler sind ein bis eineinhalb Jahre zu jung für diese starke Liga“, glaubt Ziegelin.

Die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt hat nicht geschlafen: Der TB Neckarhausen (12.) und der FC Unterensingen (13.) haben personell jeweils kräftig nachgerüstet. Kein Wunder: Beide Mannschaften hinken ihren vorsaisonalen Erwartungen weit hinterher. Während der TBN als letztjähriger Dritter mit der Aufstiegsrelegation liebäugelte, wollte der FCU zumindest unter die ersten Fünf.

Letzter ist der FV 09 Nürtingen II, der seit dem achten Spieltag das Tabellenende ziert. Immerhin fünf neue Spieler kamen in der Winterpause in den Wörth – ob‘s bei neun Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz trotzdem zum Ligaverbleib reicht, ist äußerst fraglich.