Lokalsport

Rekordstrafe: TG-Sünder muss neun Monate auf die Strafbank

Ein Mann namens Christian Bloschies sorgte für lange Gesichter in Jesingen. Mit seinem goldenen Tor zum 0:1 riss der 32-jährige Stürmer des TSV Altdorf den bisherigen Primus der Kreisliga A aus allen Träumen. Harte Urteile fällte das Sportgericht Neckar/Fils nach den Vorfällen in der Partie SGEH – TG Kirchheim vor drei Wochen.

Kirchheim. Der Jesinger Heimspielpatzer war nicht die einzige Sensation des zwölften Spieltags. Die SGEH schloss mit dem schier unglaublichen 7:1 in Dettingen zu Tabellenführer Jesingen auf, während die Spieler des Nabern durch die 1:4-Heimschlappe gegen den TSV Weilheim II (Spielszene/Foto: Genio Silviani)den Anschluss verlor.

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Vielleicht hat ein Schreiben des Württembergischen Fußballverbands die Spielgemeinschaft von der Albhochfläche beflügelt. Inhalt: Die Urteile der Sportrichter des Bezirks Neckar/Fils nach dem Skandalspiel gegen die TG Kirchheim am 5. Oktober. Vorsitzender Siegfried Bippus aus Unterensingen und sechs Beisitzer bestraften drei Kirchheimer Rotsünder ungewöhnlich hart, die SG Erkenbrechtsweiler-Hochwang kam ungeschoren davon.

Was war passiert?

In einem Spiel auf Augenhöhe verweigerte Schiri Markus Hoene aus Amstetten der TG angeblich zwei Elfmeter. Als in der Nachspielzeit das 3:1 für die Platzherren die unglückliche Niederlage der Kirchheimer besiegelte, kochten die Emotionen hoch. Bei einigen Spielern brannten die Sicherungen durch. Hoene bestrafte drei TG-ler mit der Roten Karte. Was Abteilungsleiter Wolfgang Kretzschmar nicht nachvollziehen konnte: „Nach dem Schlusspfiff wurde unsere Spieler Osman Omerovic und Nexhat Salihu in übelster rassistischer Weise angegangen, wie zum Beispiel „Du Kanacke, geh wieder dahin, wo du hergekommen bist“ oder „Ich … deine Mutter“. Beide hätten daraufhin die Nerven verloren. Gaetano Caruana - inzwischen als Spielertrainer zurückgetreten - habe nur jemand zur Seite geschubst, der sich dazwischen drängte und die Vorfälle filmte.

Weil der Pfeifenmann ihre Spieler vor den „üblen rassistischen Äußerungen“ (Kretzschmar) nicht geschützt habe, was seine Aufgabe gewesen wäre, erstattete die TG Anzeige gegen Markus Hoene.

SGEH-Abteilungsleiter Sven Laderer schüttelt verständnislos den Kopf über diese Darstellung des Geschehens: „Kein Spieler der TG wurde rassistisch oder in anderer Form beleidigt. Ich kann es nicht nachvollziehen, dass Vereinsverantwortliche wie Herr Kretzschmar Tätlichkeiten und Fehlverhalten seiner Spieler tolerieren und schlimmer noch haltlose Anschuldigungen und Lügen erfinden, um das Fehlverhalten seiner Spieler zu verharmlosen.“

Seine Version der Vorgänge: Omerovic habe den Schiedsrichter am Trikot gepackt. Salihu habe SG-Spieler Marcel Gutbrod ins Gesicht geschlagen, was auch die Kamera erfasste. Nicht mehr im Film zu sehen sei der Ausraster von Caruana, den Laderer so zu Protokoll gab: „Er stieß mich mit voller Wucht mit seinen Händen um. Ich fiel nicht nur nach hinten, sondern überschlug mich und lag mit dem Bauch auf dem Boden.“

Der Schiri begründete seine Platzverweise mit handfesten Argumenten: „Ich hörte das Wort ‚Bastard‘ aus dem Mund von Herrn Omerovic. Nachdem ich ihn des Feldes verwiesen hatte, kam er sehr aggressiv auf mich zu, packte mich am Trikot und beleidigte mich als ‘Arschloch‘. Wie gegen ihn konnte ich auch gegen Herrn Salihu keine rassistische Bemerkung wahrnehmen. Ich sah lediglich, wie er einen eindeutig bewusst ausgeführten Schlag ins Gesicht des Gegenspielers ausführte. Ich hatte freie Sicht auf das Geschehen. Ich erkannte auch einen Schlag von Herrn Caruana ins Gesicht seines Gegenübers.“

Das Sportgericht sprach Hoene frei, schickte die drei TG-Sünder aber ungewöhnlich lange auf die Strafbank. Omerovic darf bis 5. Juni 2015 nicht mehr mitspielen. Er muss 100 Euro zahlen und außerdem an sogenannten Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich der Gewaltprävention teilnehmen – wie die beiden anderen Verurteilten. Nexhat Salihu und Gaetanu Caruana wurden Zwangspausen bis 20. Dezember und jeweils 80 Euro Strafe aufgebrummt.

Strafe muss sein. Den drei Rotsündern sei für ihre weitere Laufbahn ein Jahrhunderte alter Sinnspruch des britischen Literaten William Penn ans Herz gelegt: „Jeder Schlag, den unsere Wut austeilt, wird uns letzten Endes selbst treffen.“

Bestraft für mangelnde Laufbereitschaft und schlechtes Passspiel in der Partie gegen Neuffen II wurde der TSV Ohmden in der Kreisliga B, Staffel 6. „Ein erschreckend schwacher Auftritt. Ich dachte, so etwas gehört der Vergangenheit an“, meinte ein enttäuschter Trainer Peter Merkle nach der 0:1-Pleite auf eigenem Platz. Es war ein Rückfall in alte Zeiten, denn bisher hatten die Ohmdener mit beherzten und erfolgreichen Auftritten die weniger erfolgreiche Vergangenheit vergessen lassen (Vorjahr Platz 7). Zwei Klassen höher geht das Drama um den VfL Kirchheim auch ohne den zurückgetretenen Abteilungsleiter Dr. Fabian Preuss weiter. In Rechberghausen gut gespielt, aber wieder verloren. Immerhin: die Ergebnisse werden knapper. Diesmal 0:1. Latte und Pfosten verhinderten den zweiten Zähler im zwölften Spiel der Saison. „Der VfL war besser, aber wir haben die Punkte“, sagte der Ex-Kirchheimer Marco Grimm. Der Routinier machte mit Spielertrainer und Ex-Profi Steffen Handschuh, der sich in der zweiten Halbzeit einwechselte, den Unterschied aus.