Lokalsport

Relegations-Showdown an der Fils

Jetzt nur keine Selbstzweifel. Vor dem alles entscheidenden Relegations-"Endspiel" übermorgen gegen den FSV 08 Bissingen (Anpfiff 17 Uhr in Eislingen) sind die VfL-Fußballer in der entscheidenden Phase der mentalen und physischen Vorbereitung angelangt.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Lokale Fußball-Historiker wissen es noch: 21 Jahre ist es her, seit der VfL der Landesliga adieu sagte. Mit dem Meistertitel machten die VfL-Kicker damals einer fußballerischen Depression ein Ende, die sogar eine zweijährigen Bezirksliga-Visite beinhaltete. Doch nach diesem historischen Fall ging es mit den Kirchheimer Balltretern sportlich fast nur noch bergauf. Mehrere Aufstiege führten die Teckstädter 1997 bekanntlich bis hinauf in die Regionalliga der Gipfel der Glücksgefühle, aber auch der Beginn des schleichenden Abstiegs.

Übermorgen könnte sogar das unfreiwillige Landesliga-Comeback der Kirchheimer zur bitteren Realität werden. Noch will niemand an der Jesinger Allee etwas von diesem Thema wissen. "Das Wort Landesliga ist ein Tabu", sagt der sportliche Leiter des VfL, Norbert Krumm bestimmt, "wir sind Verbandsligist und mit diesem Selbstbewusstsein im Rücken müssen wir auch übermorgen gegen den FSV auftreten."

Krumm verbindet mit dem Eislinger Stadion schöne fußballerische Erinnerungen. Am 13. Juni 1969 schoss der damals blutjunge VfL-Kicker im Entscheidunggspiel um den Klassenverbleib in der zweiten Amateurliga gegen den TSV Blaubeuren in der Verlängerung das 2:0, nachdem kurz zuvor Otto Rühle den ersten Kirchheimer Treffer markiert hatte der VfL siegte letzlich 2:1 und blieb in der Liga.

VfL-Spielertrainer Michael Rentschler tüftelt noch, wer die Kirchheimer Hauptdarsteller beim Showdown an der Fils sein werden. Da Abwehrspieler Archontis Siopidis nach seiner Rotsperre (zwei Wochen) wieder spielberechtigt ist, dürfte zumindest die Viererkette stehen: Mit Rentschler selbst sowie Christopher Eisenhardt in der Innenverteidigung sowie Siopidis und Fuchs auf den Außenpositionen. Entgegen erster Befürchtungen stehen übrigens auch alle jenen fitten Spieler zur Verfügung, die eigentlich ursprünglich am 19. Juni im Urlaub weilen wollten.

Größere Planungsschwierigkeiten dürften Rentschler trotzdem das Mittelfeld und der Angriff bereiten. Der wiedergenesene Coskun Isci, Erhan Polat und Mario Grimm sind gesetzt, ob allerdings Talent Michael Kutscher den Vorzug vor Stefan Baumer bekommt, ist noch offen. Ebenso ist auch der im Training regelmäßig überzeugende, aber im Ernstfall auf dem Platz immer wieder leidenschaftslos wirkende Fabio Morisco ein Wackelkandidat. Ob Rentschler zudem Marcel Klon oder den länger verletzungsbedingt pausierenden Antonino Singh in die Offensivabteilung bei der Hatz um den Ligaerhalt schickt, bleibt abzuwarten.

Heute Abend steht für die Kirchheimer Verbandsliga-Fußballer zunächst die letzte Übungseinheit vor dem finalen Gegenübertreffen im Eislinger Stadion an. "Ich werde dem Team nochmal sagen, dass wir uns auf dieses Spiel freuen können", unterstreicht Rentschler, "denn mit einem Sieg in dieser Partie können wir uns für die Arbeit einer ganzen Saison belohnen."

Der Gegner kommt zwar mit zwei Siegen aus den Relegationsspielen mental gestärkt nach Eislingen, doch auch das Team des Ex-Profis Alfonso Garcia (35) kennt Fracksausen in entscheidenden Spielen aus eigener Erfahrung am letzten Landesliga-Spieltag verpassten die Bissinger wegen eines 0:0 gegen Gerlingen den Direktaufstieg, mussten jenen dem SV Fellbach überlassen. Garcia ist als Spielertrainer Denker und Lenker des Teams, mit Michael Schwingenschlögl und Björn Rothkopf gibt es noch zwei weitere auffällige Akteure in der Mannschaft. Für die Bissinger wäre ein Aufstieg der größe Erfolg in der Vereinsgeschichte, für den in den vergangenen zwei Jahrzehnten häufig erfolgsverwöhnten VfL wäre der Ligaverbleib dagegen nur eine schöne Momentaufnahme. Der Countdown für das mögliche Fußball-Drama an der Fils läuft.