Lokalsport

Ritterschlag für Michael Mai

39-jähriger US-Amerikaner wird neuer Headcoach der Kirchheim Knights

Die Entscheidung ist gefallen: Nach sechs Jahren unter dem Kommando von Frenkie Ignjatovic haben Kirchheims Basketballer einen Nachfolger gefunden. Der 39-jährige US-Amerikaner Michael Mai gilt als erfolgreicher Nachwuchsförderer und Mann, der eher leisen Töne.

Michael Mai , Knights-Trainer , Basketball
Michael Mai , Knights-Trainer , Basketball

Kirchheim. Fünf Kandidaten standen in der engeren Wahl, doch nur ein Gesicht passte am Ende zu dem, was Knights-Sportchef Karl Lenger als die „neuen Ziele“ in der Teckstadt beschreibt. Für Michael Mai, der morgen Abend in Kirchheim offiziell vor geladenen Gästen vorgestellt wird, sprachen demnach seine „kommunikativen Fähigkeiten“ und seine langjährige Erfahrung in der Nachwuchsarbeit. Der Mann aus Chicago sammelte 2010 erste Pro-A-Erfahrung bei den UBC Tigers in Hannover, wo er im Laufe der Saison vom Assistenztrainer zum Headcoach aufstieg. Nach dem wirtschaftlichen Zwangsabstieg der Niedersachsen führte er die Tigers 2012 als Pro-B-Trainer des Jahres zur Nordmeisterschaft und anschließend bis ins Play-off-Halbfinale. Vor seiner Hannoveraner Zeit war Mai drei Jahre lang Cheftrainer der ­Eagles aus Magdeburg in der 1. Regionalliga Nord. Vergangene Saison nahm er sich eine Auszeit vom Liga-Betrieb und widmete sich verstärkt seiner Arbeit als European Director von „News Release Basketball“, einer christlichen Vereinigung, die Basketballcamps für US-Auswahlteams in Europa organisiert.

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Er trägt nicht den ganz großen Namen und er ist kein Mann der großen Gesten und überschäumenden Emotionen, dafür ist Michael Mai das, was man einen Basketball-Lehrer im besten Sinne nennt. Einer der Inhalte vermitteln kann, ehrliche Arbeit schätzt und den Charakter von Spielern oftmals höher bewertet als spielerisches Talent. Alles Eigenschaften, die am Ende den Ausschlag gaben, dass die Wahl auf ihn fiel. „Langjährige Pro-A-Erfahrung war für uns nicht maßgebend“, betont Karl Lenger. „Wir wollten einen Trainer, der jungen Leuten Spielzeit vermittelt und die Kooperation mit Ludwigsburg neu belebt.“ Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits getan: Vergangenen Samstag traf sich Michael Mai erstmals mit Ludwigsburgs Headcoach John Patrick zum Gedankenaustausch. Die Chemie scheint zu stimmen, was in Kirchheim Anlass zu Hoffnung gibt, dass die zuletzt deutlich abgekühlte Partnerschaft mit dem Erstligisten wieder neu in Schwung kommt.

Mai hält viel von Theorie, aber er ist kein Theoretiker. Im Sommer 1997 stand er als Student der Wirtschaftswissenschaften an der Judson Universitiy in Chicago auf dem Sprung in den erweiterten Kader des NBA-Teams der Chicago Bulls, wo zu diesem Zeitpunkt Michael „Air“ Jordan noch die Fans von den Stühlen riss. Eine schwere Knieverletzung zwang ihn damals, seine gleichfalls junge wie aussichtsreiche Karriere als Profi-Basketballer abrupt zu beenden. Danach konzentrierte er sich auf die Arbeit am Spielfeldrand. Zunächst als Trainer an der „Damascus Christian School“ in Oregon, wo er auch als Lehrer tätig war. Später dann als European Director von „News Release Basketball.“ Dort lernte er auch die Ehefrau von Kirchheims Forward Ben Beran kennen, die als Profi-Basketballerin die Sommercamps der christlichen Organisation mit betreute. In den Jahren 2006 und 2007 wurde Michael Mai in Oregon zum „Trainer des Jahres“ gekürt.

Mais Erfahrung im Umgang mit jungen Spielern ist für die Knights mehr als eine nette Randnotiz. „Wir müssen langfristig unseren Pflichten in der Liga nachkommen, was die Einsatzzeiten junger deutscher Spieler betrifft“, sieht Knights-Geschäftsführer Stefan Schmauder in diesem Punkt noch Nachholbedarf. Welche U23-Kandidaten mit deutschem Pass überhaupt für einen Einsatz infrage kommen, ist derzeit noch völlig offen. Einer definitiv nicht mehr: Nachwuchs-Center Ivan Buntic hat vergangene Woche in Paderborn unterschrieben. Mit Johannes Joos und seinem Arbeitgeber in Ludwigsburg muss erst noch verhandelt werden. Der 19-Jährige steuerte zuletzt zwölf Punkte zu zwei Testspielsiegen der Junioren-Nationalmannschaft gegen Tschechien bei und darf darauf hoffen, in knapp zwei Wochen mit zur U20-EM auf Kreta zu reisen. Auch die Rückkehr von Besnik Bekteshi nach einjähriger Verletzungspause ist kein Thema mehr. Bisher unbestätigten Meldungen zufolge hat der 20-jährige Kirchheimer einen Vertrag in Gießen unterschrieben und soll dort zunächst beim Kooperationspartner, den Licher Bären, in der Pro B Spielpraxis sammeln.

Was die Kaderplanung der Kirchheimer betrifft, lässt sich derzeit allenfalls von Stückwerk reden, nachdem die ungeklärte Trainerfrage bisher alle Verhandlungen blockierte. Radi Tomasevic, Ben Beran und Vechta-Neuzugang Daniel Krause sind die bislang einzigen Namen, die fest stehen. „Wir werden uns jetzt mit Nachdruck an den Kader machen“, kündigt Knights-Sportchef Karl Lenger an.

Erster Gesprächspartner soll Sebastian Adeberg sein. Beim 30-jährigen Routinier, der in den vergangenen vier Jahren eine der wertvollsten Stützen der Mannschaft war, wird es auch darum gehen, ob seine beruflich vorgegebenen Trainingszeiten mit den Vorstellungen des neuen Trainers vereinbar sind. Besonders spannend ist die Frage, wer ab September die Rolle des Spielmachers bei den Knights ausfüllen wird. Ein neues Gesicht oder doch die Rückkehr von Bryan Smithson? Knapp sieben Wochen bleiben noch bis zum geplanten Trainingsauftakt Mitte August.