Lokalsport

Rückkehr auf die schnelle Bahn

Tobias Unger liegt voll im Soll. Nach nur zwei Hallen-Auftritten hat der Kirchheimer DLV-Sprinter angedeutet, wozu er im Olympiajahr fähig sein kann. Am Sonntag startet der 28-Jährige beim BW-Bank-Meeting in Karlsruhe.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Leichtathleten lieben Statistiken. Kein Wunder: Verrät die akribisch zusammengetragene Auflistung von Zeiten, Höhen und Weiten den Sportlern doch den eigenen Leistungsstand im Vergleich mit der Konkurrenz. Um selbige muss sich Tobias Unger nach den ersten Wettkämpfen unter deutschen Hallendächern keine Sorgen machen, wie ein Blick in die aktuelle Top-Ten-Liste des Deutschen Leichtathletikverbands (DLV) verrät: Sowohl über 60 m als auch über 200 m war 2008 bislang kein anderer Deutscher schneller als der 28-jährige Kirchheimer.

Zugegeben: Die Hallensaison ist noch relativ jung und die Highlights stehen mit den deutschen Meisterschaften (23./24.2. in Sindelfingen) und der WM (ab 7. 3. in Valencia) noch aus. Doch beweist vor allem Ungers 200-m-Zeit vom vergangenen Sonntag in Stuttgart, dass der "Schwabenpfeil" eine ähnlich gute Saison wie vor drei Jahren in den Beinen zu haben scheint. Mit den in der Schleyerhalle heruntergetrommelten 20,84 Sekunden war er eine ganze Zehntelsekunde schneller als die Hallen-Schnellsten des Jahres 2007, Alexander Kosenkow und Sebastian Ernst (beide 20,94 Sekunden). Umso bemerkenswerter der Fakt, dass es für Unger das erste 200-m-Hallenrennen seit knapp zwei Jahren überhaupt war. "In der Kurve habe ich sehr viel Zeit verloren", sah er nach seinem Sieg für die kommenden Rennen sogar noch Verbesserungspotenzial.

Nächste Gelegenheit, es (noch) besser zu machen, hat Unger bereits am Sonntag beim BW-Bank-Meeting in Karlsruhe. An die dortige Europahalle knüpft der Olympiasiebte von Athen nur die besten Erinnerungen. Immerhin hält er nicht nur den Meetingrekord (20,61 Sekunden aus dem Jahr 2005), sondern er wurde in der badischen Metropole vor zwei Jahren auch zum damals vierten Mal in Folge Deutscher Meister über 200 m .

Das Karlsruher Publikum weiß also, was es an Tobias Unger hat, zumal der Sprinter in Diensten von Salamander Kornwestheim bei seiner Rückkehr auf die schnelle Hallenbahn zusätzlich einen Start über60 m anvisiert hat. Anders als am vergangenen Samstag in Stuttgart, wo er nach 6,63 Sekunden im Vorlauf zugunsten der 200 m auf den 60-m-Endlauf verzichtet hatte, will Unger in Karlsruhe das Finale bestreiten. Das Erreichen desselben scheint angesichts seiner derzeitigen Leistungsstärke ohnehin nur Formsache.

Doch bei allen Hallen-Meriten, die Unger bislang geerntet hat, stecken er und sein Trainer Micky Corucle in einer Art Dilemma: Einerseits sind die von Unger auf nationaler Ebene so dominierten 200 m kein Wettbewerb bei internationalen Hallen-Meisterschaften. Einen psychologisch wichtigen Vergleich mit der starken US-Konkurrenz wird es daher auf Wettkampfebene wohl erst im Freien geben. Andererseits droht bei einem Start Ungers bei der Hallen-WM über 60 m (die Norm von 6,64 Sekunden hat er bekanntlich bereits zwei Mal geknackt) die minutiös geplante 200-m-Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Peking durcheinanderzugeraten. "Wenn Tobias bei der WM läuft, würde der Beginn des Freilufttrainings um etwa zwei Wochen nach hinten verschoben werden", fürchtet Corucle.

WM-Start ja oder nein: Der Athlet will, der Trainer nicht ob Unger in Valencia antreten wird, dürfte wohl noch nicht endgültig entschieden sein.

Dass ein erfolgreicher Start bei Hallen-WM und Olympia gelingen kann, bewies Unger übrigens vor vier Jahren: Damals holte er Anfang März in Budapest zunächst WM-Bronze über 200 m, ehe er rund fünfeinhalb Monate später in Athen im olympischen 200-m-Finale Siebter wurde die Zeitspanne zwischen beiden Top-Events ist heuer übrigens genauso groß.

TV-INFOEurosport überträgt am Sonntag von 16.30 bis 18 Uhr aus Karlsruhe. 2008 war noch keinDeutscher schneller: Tobias Unger führt die Jahresbestenliste über 60 m und 100 m an.