Lokalsport

Schnaidt kauft allen den Schneid ab

Deutscher U23-Meister gewinnt Kirchheimer Radrennen – Schweizer Doppelsieg bei den Frauen

Den Namen wird man sich merken müssen: Der amtierende deutsche U23-Meister Fabian Schnaidt hat gestern das Kirchheimer Radrennen gewonnen. Nach 50 Runden auf der 1,5 Kilometer langen Strecke hielt der 21-Jährige vom Team Specialized Concept Store Max-Georg Burkhardt und Florian Scheit im Zielsprint in Schach – es war der Höhepunkt eines wahren Radsport-Mammuttages in der Kirchheimer Innenstadt.

Lightweight Cup - GP KirchheimSieger Elite
Lightweight Cup - GP KirchheimSieger Elite

Kirchheim. Abwechslungsreich, spannend und zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar – so gestaltete sich das Hauptrennen der Männer über 75 Kilometer, das 26 A-und B-Amateure und KT-Fahrer gestern unter die Räder nahmen. Bis Eingangs der Zielgeraden, die nach der 90-Grad-Kurve am Wachthaus begann, war das Fahrerfeld mehr oder weniger zusammengeblieben. Sämtliche zuvor lancierten Ausreißversuche waren vom Peloton stets gekontert worden. Selbst als Christoph Springer (Specalized Concept Store) und Fabian Schaar (RSV Tailfingen) drei Runden vor Schluss einen Vorsprung von rund 200 Metern herausfahren konnten und den Sieg unter sich auszumachen schienen, hielt das Fahrerfeld gegen und schluckte die beiden binnen einer Runde wieder. Schaar kam am Ende auf Platz 15, Springer wurde immerhin Neunter.

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Sein Teamkollege Fabian Schnaidt nutzte indes seine, wie er hinterher sagte, „guten Beine“, um im Zielsprint die entscheidenden Zentimeter gegenüber der Konkurrenz herauszubolzen. Für den amtierenden deutschen U23-Meister war es nach einem Etappensieg bei der Tour de Gabon Ende April der zweite Saisonsieg. Von den Besiegten gab‘s nach dem Rennen neben artigen Glückwünschen auch schon wieder Kampfansagen. „Mal schauen, ob ich Fabian bei den Deutschen Meisterschaften im Herbst seinen Titel nicht abjagen kann“, sagte der Drittplatzierte Florian Scheit (MLP Radteam), immerhin amtierender baden-württembergischer Meister. Und der zweitplatzierte plant schon für den großen Coup in Kirchheim 2013. „Hier kommt man wirklich jedes Jahr wieder gerne her und wer weiß, ob‘s dann nicht auch mit dem Sieg klappt“, so Max-Georg Burkhardt vom RSC Kempten, der sich mit dem Gesamtsieg der separat ausgefahrenen Punktewertung trösten durfte. Zweiter wurde hier Erik Hoffmann vom Team Baier Landshut, den im Vorfeld viele eigentlich als Topfavoriten auf dem Zettel gehabt hatten. Nach einem Defekt hatte sich der Vorjahreszweite auch wieder in die Spitzengruppe gekämpft, musste dann auf der letzten Runde jedoch abreißen lassen und rollte als 21. ins Ziel.

So ausgeglichen und offen das Rennen bei den Männern, so eindeutig gestaltete sich der Zieleinlauf bei den Frauen. Nach einer knapp 14 Runden dauernden Solofahrt kam die Tschechin Katarina Hranaoiva im Dress des Schweizer bigla cycling team als Erste nach 45 Runden ins Ziel. Erst eineinhalb Minuten später konnte sie sich mit der zweitplatzierten Jennifer Sägesser über den Doppelsieg freuen – Sägesser fährt ebenfalls für die Schweizer Mannschaft, die mit Martina und Sandra Weiß auf den Plätzen acht und neun einen erfolgreichen Renntag abrundete. „Die Mannschaft hat super zusammen gearbeitet“, lobte Hranaoiva die Kameradinnen im Ziel.

Begonnen hatte der Tag mit dem Rennen der C-Amateure über 45 Runden. Schnellster des 80-köpfigen Starterfeldes war der erst 19-jährige Jonas Tenbruck vom RV Wendelsheim. Im Zielsprint einer vierköpfigen Gruppe, die bei Halbzeit des 67 Kilometer langen Rennens dem Hauptfeld enteilt war, setzte sich Tenbruck gegen Karsten Pfau (RSV Schwenningen) und Michael Hempfer (TSG Leutkirch) durch. „Am Start hätte ich das nicht gedacht, weil die Beine echt noch schwer waren“, so Henbruck, der am Pfingstsonntag beim LBS-Cup in Schwenningen auf Platz 27 gekommen war. Lohn für seinen Sieg in Kirchheim ist neben den Glückwünschen von Lightweight-Chef Erhard Wissler und einer Kiste Bier auch der Aufstieg in die Klasse der B-Amateure. Lokalmatador Kai Kautz, einst beim MTB Teck auf dem Mountainbike erfolgreich und nun beim RG Team Roadsign, kam als Zwölfter mit dem Hauptfeld ins Ziel, verpasste eine bessere Platzierung durch einen frühen Defekt am Sattel.

Ein Hund und ein Youngster machen den Jedermännern Beine

Nicht minder ambitioniert als die Amateure und Elitefahrer traten die Teilnehmer des Jedermann-Rennens gestern in die Pedale. Mit 39 Fahrerinnen und Fahrern waren‘s sogar fünf mehr als 2011. Andreas Miller aus Jesingen konnte dabei seinen Sieg aus dem Vorjahr nicht wiederholen und landete auf Platz zwei. Im Zielsprint musste sich der mehrfache Sieger des Großglockner-Bergzeitfahrens und Rekordgewinner der „Bissinger Meile“ nur dem Ehinger Christian Brauße geschlagen geben. „Ich habe mich immer an Andis Hinterrad orientiert und bin im entscheidenden Moment an ihm vorbei“, schilderte Brauße den Schlüssel zu seinem Erfolg. Für Aufsehen sorgte neben einem Hund, der Mitte des Rennens über die Strecke jagte, auch Lokalmatador Jannik Steimle. Der erst 16-jährige Weilheimer in Diensten von Radsport Kirchheim fuhr einige Runden vor dem Feld her, zwang die Arrivierten so zu einem hohen Tempo. „Mein nächstes Ziel sind die deutschen Meisterschaften in drei Wochen“, verriet Steimle, unlängst in die U17-Nationalmannschaft berufen, nach dem Rennen. Schnellste „Jederfrau“ wurde Tanja Renz aus Ohmden vor Birgit Zimmermann aus Lindorf.