Lokalsport

Scholz wartet auf Winter

KIRCHHEIM Die Szenen bei der Pressekonferenz nach dem Derby weckten Erinnerungen an den unvergessenen Auftritt eines bekannten

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REIMUND ELBE

österreichischen Trainers in den achtziger Jahren in Hamburg. Der große

Ernst Happel

wünschte damals nach einem missratenen HSV-Heimauftritt den perplexen Journalisten "Frohe Weihnachten", ersparte sich ansonsten jegliche Spielanalyse, stand auf und ging nach Hause. Nun ja, ganz so wortkarg und ungalant präsentierten sich die samstäglichen Kontrahenten

Klaus Fischer

vom FC Frickenhausen und

Michael Rentschler

vom VfL Kirchheim zwar nicht, deren Analyse zum Spiel erschöpfte sich freilich in wenigen Sätzen, Kritik war zudem ein Fremdwort.

Und so kam nur ansatzweise zum Ausdruck, dass ihre Teams nicht gerade ein fußballerisches Intensiv-Verwöhnprogramm für die Zuschauer boten. "Es war eben ein Spiel mit Kampf und Emotionen", so der zentrale Satz von Fischer, dessen Statement sich Rentschler in seinem Beitrag anschloss. Ansonsten hatte wenigstens der Trainer des Schlusslichts noch etwas Grund zur Freude. "Mit diesem 2:2 haben wir unsere Serie von sechs Niederlagen hintereinander gestoppt", bilanzierte Fischer.

Michael Rentschler, der überraschend auf einen Einsatz von Offensivakteur Nikica Raguz verzichtete, plädierte erneut für eine realistische Einschätzung der Lage. "Für unsere junge Mannschaft ist Fußball immer noch ein großes Spiel", so der frühere Regionalligaspieler. "Wir müssen uns weiter in Geduld üben."

Leicht enttäuscht zeigten sich die einst für den VfL in der Oberliga kickenden Spieler, die jetzt in Diensten des FCF stehen. "Wir haben zwar einen Punkt geholt", resümierte Mittelfeldspieler Marc Kaisner, "aber wir waren über das gesamte Spiel betrachtet die bessere Mannschaft." Kaisner, Anfang der neunziger Jahre zusammen mit dem aus Neuffen stammenden Nationalspieler Thomas Brdaric einer der Hoffnungsträger unter der Teck, sah trotzdem einen positiven Effekt. "Wir haben endlich wieder einmal ein Erfolgserlebnis, auch wenn es nur in Form eines Remis ist. Damit haben wir gezeigt, dass wir langsam in der Verbandsliga Fuß fassen", so der frühere SGEH-Spielertrainer vorsichtig optimistisch.

Auch Frickenhausens Abwehrspieler Tobias Laskowski, der aus der heutigen Mannschaft nur noch Mario Grimm und Archontis Siopidis kennt, trauerte einem möglichen Sieg nach. "Ich hatte die Kirchheimer vor einigen Wochen in Metzingen gesehen. Da hat das Team einen viel stärkeren Eindruck auf mich gemacht", so Laskowskis Urteil. Grund zur Freude hatte indes Kirchheims früherer Oberligastürmer Antonio Portale, dem ein schönes Kopfballtor gegen seinen Ex-Club gelang. Für viele der 450 Zuschauer war es das optische Highlight des Nachmittags an der Jesinger Allee.

Die Situation der beiden Lokalnachbarn nach dem brisanten Derby ist im Prinzip unverändert: Der VfL rangiert mit einem kleinen Punktepolster auf den Tabellenkeller im Mittelfeld, der FC Frickenhausen bleibt mit vier Punkten Letzter. Trainer Fischer will nichtsdestotrotz "die Runde mit diesem Kader durchziehen." VfL-Abteilungsleiter Winfried Scholz schloss dagegen Neuverpflichtungen in der Winterpause nicht mehr aus. "Sollten sich einige Positionen als dauerhafte Schwachstellen herausstellen, müssen wir handeln", sagte der VfL-Abteilungsleiter nach dem Abpfiff des Derbys unmissverständlich. VfL-Spielertrainer Michael Rentschler wird die Aussage des Kirchheimer Fußball-Boss wohlwollend zur Kenntnis nehmen.