Lokalsport

Schwache Offensive

Eine Offensivleistung, die am Samstag nicht mehr als die Note "ungenügend" verdiente, war Auslöser der 0:4 (0:2)-Niederlage der Kirchheimer Verbandsligakicker beim FV Ravensburg.

HELGE WAIDER

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RAVENSBURG Es geschah in der 85. Minute: Daniel Dettenmaier, eingewechselter Stürmer des FV Ravensburg, überlistet VfL-Keeper Norman Volber mit einem Heber aus zwölf Metern zum 4:0. Erst jetzt war die Entscheidung im Ebra-Stadion endgültig gefallen. Unglaublich aber augenscheinlich wahr: selbst beim Spielstand von 0:3 aus Kirchheimer Sicht hätte das Spiel noch kippen können vorausgesetzt, die Truppe von Spielertrainer Michael Rentschler hätte den ersten Treffer erzielt.Es war wohl die Meinung vieler Zuschauer im Stadion, die um die mentale und mitunter auch spielerische Schwäche des FVR wussten. Um einen falschen Eindruck zu vermeiden: der Sieg des FVR ging unterm Strich in Ordnung nur die Souveränität fehlte den Oberschwaben und schürte immer wieder Kirchheimer Hoffnungen.

Die größte Hoffnung keimte in der 67. Minute auf, als der eingewechselte VfL-Stürmer Cem Korkmaz im Strafraum des FVR eine Spur zu plump zu Boden ging, der Unparteiische aber dennoch auf Strafstoß entschied. Es war der erfolgversprechendste mögliche Wendepunkt des Spieles. Wider der gepflegten Fußballweisheit, wonach der Gefoulte nicht selbst zum Elfmeter antreten solle, nahm sich Korkmaz den Ball und hämmerte das Spielobjekt sauber an die Bande neben dem Tor.

Fortuna schien dafür schon zu Beginn der Partie ein Faible für die Oberschwaben zu haben: Die erste halbe Stunde der Partie gehörte eindeutig dem VfL, der sich auch wacker Chancen erspielte: Emrah Erenler verpasste eine Flanke von Guido Fuchs nur knapp (5.), Coskun Isci scheiterte nach Vorlage von Grimm an FV-Keeper Gerd Högerle (25.). Dazwischen benötigte der Ravensburger Torwart zweimal den bereits erwähnten Beistand, als Marius Vees (6.) und Sebastian Seiler (13.) Querschläger produzierten, die fast den Weg ins eigene Tor gefunden hätten. Zynischer Tribünenkommentar: "Die FV-Abwehrspieler sind gefährlicher als die VfL-Stürmer."

Auf der anderen Seite war für die ersten beiden Treffer der Ravensburger dann aber doch ein Angreifer zuständig. Ausgerechnet in der VfL-Drangphase verlor Spielertrainer Rentschler in der eigenen Hälfte den Ball und ermöglichte Baris Yilmaz das 1:0 aus Kurzdistanz (29.). Auch den 2:0-Pausenstand markierte der türkischstämmige Stürmer nach einem sehenswerten Konter der Platzherren. Aus sechs Metern nickte Yilmaz eine Maßflanke von Johannes Vees ein (38.).

Kurz vor der Pause hatte auf Kirchheimer Seite Isci seine Chance zum Anschlusstreffer, scheiterte aber mit seinem 19-Meter-Freistoß an Torwart Högerle. Kurz nach dem Seitenwechsel war es wieder Yilmaz, der indirekt auch am 3:0 beteiligt war. Im Zweikampf mit Archontis Siopidis ging der Ravensburger im Strafraum zu Boden. Den fälligen Elfmeter versenkte Andreas Braunagel (48.). In der Folgezeit konnte sich der VfL bei Torwart Norman Volber bedanken, der gegen Daniel Rössler (62.) und Yilmaz (66.) glänzend parierte.

Auf VfL-Seite gab es auch nach Korkmaz' Elfmeter-Fahrkarte noch zwei Chancen durch Erenler (71., 76.). Doch sein Versagen im entscheidenden Moment war symptomatisch für die VfL-Offensivleistung im Kollektiv. Die Hoffnung starb zuletzt genau genommen in der 85. Minute.

FV Ravensburg: Högerle Haller (65. Zünd), M. Vees, Stars, Seiler J. Vees, J. Rieger (46. Schmid), L. Rieger, Rössler Braunagel, Yilmaz (75. Dettenmaier)VfL Kirchheim: Volber Eisenhardt, Rentschler, Siopidis, Er Fuchs, Kutscher, Grimm, Isci Erenler, Singh (59. Korkmaz)Tore: 1:0, 2:0 Yilmaz (29., 38.), 3:0 Braunagel (48./Foulelfmeter), 4:0 Dettenmaier (85.)Gelbe Karten: Schmid, L. Rieger Siopidis, Fuchs, GrimmZuschauer: 250Schiedsrichter: David Paulat (Schönebürg) hatte die faire Partie problemlos im Griff.