Lokalsport

Schwarzer Tag für Lenningens Handball

Lenningen hat am Samstag den wohl schwärzesten Tag seiner Handballgeschichte erlebt. Sowohl die SG-Frauen als auch die Männer verloren ihre entscheidenden Spiele und müssen jeweils absteigen. Die Frauen verabschiedeten sich nach einer 20:21-Niederlage gegen Fridingen/Mühlheim aus der Württembergliga. Die Landesliga-Männer verloren 32:36 gegen Zizishausen und müssen wegen des verlorenen direkten Vergleichs mit den punktgleichen Stuttgarter Kickers II absteigen.

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Rudi Dölfel

Lenningen. Gegen das Angriffsfeuerwerk des TSV Zizishausen war Lenningens Männermannschaft chancenlos. Die SG-Abwehr konnte dem enormen Druck nicht standhalten und verlor 32:36. Die Gäste, mit nur acht Feldspielern angereist, waren von der ersten bis zur letzten Minute die dominierende Mannschaft. Nur bis zur vierten Minute durfte sich Lenningen über einen Vorsprung freuen, Jan Lamparter hatte das 3:2 geworfen. Der Torjubel hing noch unterm Hallendach, als Maik Zimmermann zum 3:3 ausglich – eine Szene, die sich mehrfach wiederholte.

Die Gastgeber kamen mit dem Tempospiel des TSV nicht zurecht. Es waren keine Tempogegenstöße, sondern lehrbuchhaft herausgespielte Tore im Spielaufbau. Die offensiv ausgerichtete Lenninger Abwehr wurde ausgespielt. Auch eine Auszeit nach zehn Minuten brachte keine Besserung. SG-Trainer Holger Kiedaisch analysierte das Problem: „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, haben den Gegner nie richtig stellen können. Zizishausen spielte den Ball schnell weiter.“

Es waren einfach zu viele „Brandherde“ zwischen der Neun-Meter-Marke und dem Wurfkreis vorhanden. Ein glänzend aufgelegter Maximilian Baum fand in Niklas Minsch, Max Geißler und Maik Zimmermann Mitspieler, die technisch versiert und auch abschlusssicher waren. Da haperte es auf der SG-Seite. Die wenigen Chancen aus der ersten Halbzeit wurden nicht verwertet. Ausplatziert wurde auch Torwart Matthias Carrle. Mit Tempo, Technik und Durchsetzungsvermögen zog der TSV auf 17:9 (24.) weg.

Die Gastgeber konnten nur ihren großen Kampfeswillen in die Waagschale werfen. Der war bei Jan Lamparter und Timo Haid besonders ausgeprägt. Wie wertvoll Steffen Kaz­maier für die SG ist, zeigte er nach seiner Einwechslung. Das Angriffsspiel bekam Struktur und daraus leiteten sich auch Tore ab. Mit einem 15:19-Rückstand ging die SG in die Pause. Die Wende gelang nicht. Auch der grippegeschwächte Ricki Austen konnte keine Zeichen setzen. Dennoch verbesserte sich die Angriffsqualität. Das Quartett Lamparter, Wiesinger, Haid und Kazmaier teilte sich die Tore.

Sorgenkind blieb die Abwehr. Wenn der überragende Baum nicht selbst als Schütze auftrat, spielte er Traumpässe an den Kreis, bei denen Carrle chancenlos war. Näher als auf vier Tore, so beim 16:20 (32.) kam Lenningen nicht heran. Doch ein Erfolgserlebnis durfte der SG-Torhüter verbuchen: TSV-Trainer Vasile Oprea experimentierte und ließ seinen Torhüter mitspielen. Das ging schief. Carrle mit seinem weiten Abwurf foppte Manuel Weiler und traf ins Netz – 24:29 (44.). Während sich die SG zum Torerfolg quälen musste, sah dies bei den Gästen ganz locker aus. Mit ihren überraschenden Spielvarianten steuerten sie einem sicheren Sieg entgegen. Nach dem Abstieg müssen sich Abteilungsleitung und Spieler nun zusammensetzen. Ob die Lenninger wieder auferstehen? Der Phönix des größten ortsansässigen Unternehmens weist immerhin schon mal die Richtung.

Ähnliches gilt für die Frauen, die nach einem wahren Handballkrimi gegen die HSG Fridingen/Mühlheim verloren und in die Landesliga absteigen muss. Der Druck des Gewinnenmüssens lastete schwer auf den Schultern der Lenningerinnen. Mit dem Abstiegsgespenst im Nacken trat die SG zumindest in der ersten Halbzeit selbstsicher auf, verzeichnete gute Spielanteile und zeigte sich sehr entschlossen im Angriff. Entsprechend war auch die Torfolge verteilt. Sarah Timar legte die Messlatte beim Strafwurf, der zum 5:2 (18.) führte, recht hoch.

Es hätte enger zugehen können, denn die ehemalige Regionalligaspielerin Zeljana Primorac hatte bis dato dreimal das Aluminium touchiert. Ihr Wurfpech glichen Katrin Marquardt und Melanie Kounovsky etwas aus und brachten die HSG auf 4:6 (21.) heran. Die SG-Abwehr mit einer überragenden Nicole Hahn, die 20 Würfe parierte, zeigte sich gestärkt. Davon profitierte auch der Angriff. Dafür taten Julia Rudy und Larissa Blocher sehr viel. Sie bereiteten die Lücken, in welche Adriana Rau stieß und sicher abschloss. Ihr Treffer zum 10:6 (27.) war Beweis dafür, mit welchem Siegeswillen die SG das Spiel anging. Die hätte gerne den 11:8-Vorsprung in die Kabine genommen, doch ein Aussetzer fünf Sekunden vor dem Pausensignal führte durch Primorac zum 11:9.

Lenningen konnte nach dem Wechsel nicht mehr an die Spielqualität im ersten Durchgang anknüpfen. Da war zu Beginn auch viel Pech dabei. Zwischen der 31. und 34. Minute traf Blocher drei Mal das Aluminium. Bis zur 40. Minute hielt Lenningen einen 14:11-Vorsprung. Saskia Schweikert machte Wege frei und traf selbst. Nach der ersten HSG-Führung in der 48. Minute (16:15) durfte gezittert werden. Die zuvor so sattelfeste Abwehr kam ins Schwimmen. „Da war immer weniger Leben“, gab SG-Trainer Uli von Petersenn zu Protokoll. In Folge kam auch das Angriffsspiel fast zum Erliegen. Das Spiel ohne Ball – Fehlanzeige.

Jetzt legte die HSG vor. Beim 18:17 (51.) durch Rebecca Maurer nahm Petersenn eine Auszeit. Mit zwei unterschiedlichen Szenen stand Rudy im Mittelpunkt. Beim 19:17 durch Melanie Kounovsky wurde sie ausgespielt. Im Gegenzug machte sie alles richtig, holte einen Strafwurf heraus, den Timar zum 18:19 (55.) verwertete. Kaltschnäuzig und mit viel Übersicht setzte sich Primorac auf halblinks durch und warf zum 20:18 (56.) – die Vorentscheidung. Petersenn holte seine Sieben nochmals an die Auslinie. Rudy spielte einen präzisen Pass auf Timar – 19:20.

Die Spannung wuchs. Konnte Lenningen das Spiel noch drehen? Nein, nach einer schneller Passfolge zeigte sich auf halblinks eine Lücke. Melanie Kounovsky, zuvor zweimal an Hahn gescheitert, warf ins lange Eck zum 21:19. Blochers Tor zum 20:21-Endstand kam zu spät.

„Das war eine bittere Stunde für den SG-Handball“, sagte der enttäuschte Co-Trainer Harry Schmid. Uli von Petersenn blickte zurück: „Wir haben nicht den Level der letzten drei Heimspiele erreicht. Die Konsequenz eines Abstiegs hat sich schon lange vorgezeichnet. Da kommen viele Faktoren zusammen.“ Auch hier steht die SG vor einem Neubeginn.

SG-Männer: Attinger, Carrle (1) – Wiesinger (8/2), Lamparter (7), Haid (6), Kazmaier (6/1), Kirschmann (2), Austen (1), Braunwarth (1), Haase, Pisch, Ringelspacher, Schur, Wald

TSV Zizishausen: Weiler, Jüttner – Baum (17/7), Minsch (6), Geißler (5), Zimmermann (3), Reinl (2), Schorr (2), Müller (1), Gubsch, Wurster

SG-Frauen: Hahn, L. Reichle – Timar (6/2), Blocher (3), Rau (3), C. Reichle (2), Rudy (2), Schweikert (2), Baermann (1), Ulmer (1), Emmenegger, Kuch, Schmid

Fridingen: Civelek – Primorac (6), M. Kounovsky (4), K. Marquardt (4), Maurer (4), Brenner (2), Schneider (1), Beiswenger, A. Marquardt, Stuwe