Lokalsport

"Sehe für mich keinen Sinn mehr"

Die Kündigung kam am Sonntagabend nach der Niederlage in Karlsruhe. Und auch nach zwei Tagen Bedenkzeit hatte David Bouwmeester seine Meinung nicht geändert: Er verlässt die Knights.

ULRICH TANGL

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KIRCHHEIM Der Konfliktherd schwelte schon lange, jetzt kam die Explosion. Unzufrieden mit seiner Spielzeit und mit Trainer Theo Leftakis hat David Bouwmeester, der Center der Kirchheim Knights, einen Schlussstrich gezogen. "Ich sehe für mich keinen Sinn mehr", reagierte Bouwmeester auf die Kritik an seiner Leistung. Er habe Korbleger verworfen, keine Rebounds geholt und dumme Ballverluste gehabt, hieß es nach dem Spiel. "Theo ist es wichtiger, seine Freunde spielen zu lassen, statt Spiele zu gewinnen", konterte der Gescholtene in seinem Abschieds-Statement. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Trainer sei zumindest auf dem Spielfeld nachhaltig gestört. "Außerhalb des Spielfeldes habe ich überhaupt keine Probleme mit ihm."

Schon nach dem Regionalligaspiel in Tübingen Ende Oktober hatte sich der Holländer das erste Mal beschwert, ihm würde Basketball so keinen Spaß mehr machen. Beim anschließenden Spiel in Ludwigsburg meinte er, zu viel zu spielen ("Ich bin platt"). Dann glaubte er, in der Mannschaft würde ihm zu wenig Zuneigung zuteil. Dabei hatte Bouwmeester die Saison trotz der ungeliebten Centerposition stark begonnen. Gleich im ersten Heimspiel gegen die SG Heidelberg-Kirchheim stellte er mit 33 Effektivitätspunkten einen persönlichen Rekord auf, der in der Saison nur von Ross Jorgusen überboten wurde. Auch in Mannheim spielte er stark (29 Effektivitätspunkte), doch mit dem Heimspiel gegen seinen alten Klub SSC Karlsruhe ließen die Leistungen nach. Bouwmeester spielte nicht wirklich schlecht, gemessen am Potenzial des 2,02-Meter-Mannes jedoch unterdurchschnittlich.

Mit Beginn der Rückrunde wurden dann auch seine Einsätze kürzer, was zum einen am immer besser werdenden Bill Goehrke lag, zum anderen aber auch am fehlenden hundertprozentigen Einsatz im Training. Als Leftakis ihn dann kurz nach Beginn der zweiten Hälfte in Heidelberg nach nur einer negativen Aktion vom Feld nahm, fühlte sich der 26-Jährige gedemütigt und verlangte ein Gespräch mit dem Coach. Da dieser aber zunächst für den internationalen Basketballverband Fiba im Einsatz und deshalb im Ausland war, erschien Bouwmeester gleich zweimal hintereinander nicht zum Training. Als Grund gab er gegenüber Co-Trainer Pasko Tomic persönliche Motive an. Das Gespräch mit Leftakis am Donnerstag vor dem Mannheimspiel verlief dann allerdings gut. Der Coach gab zu, mit der Auswechslung in Heidelberg einen Fehler begangen zu haben, Bouwmeester gelobte vollen Einsatz. Seinen Platz unter den ersten Fünf hatte er allerdings durch sein auch der Mannschaft unbegreifliches Fernbleiben vom Training verloren. Dennoch war das eher leichte Spiel gegen Mannheim ein Schritt in die richtige Richtung. Bevor es dann in Karlsruhe zum Eklat kam. Ob Leftakis seinen empfindlichen Center nach ordentlichen Minuten in der ersten Hälfte früher wieder hätte einsetzen müssen, ist eine Frage, über die sich streiten lässt. Doch bis der Holländer nach offensichtlich quälenden Minuten auf der Bank wieder aufs Feld kam, stand dessen Entschluss wohl schon fest. Den verkündete er kurz nach der Schlusssirene dann auch Teammanager Volker Oesterle, der ihn aber zunächst bat, noch einmal darüber zu schlafen. Per E-Mail bekräftigte er dann am Dienstag seine Entscheidung. Mannschaft und Trainer erfuhren davon per SMS kurz vor dem Training.

Inzwischen hat Bouwmeester um seine Freigabe gebeten. Der VfL plant übrigens nicht, noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Stattdessen will sich das Team nach dem Horror von Karlsruhe, als 20 Punkte Vorsprung und damit wohl auch die Aufstiegsrunde verspielt wurde, weiter voll reinhängen. Der Tenor: "Das sind wir unseren fantastischen Fans einfach schuldig." Auf ein Wunder will niemand hoffen, dafür von Spiel zu Spiel denken. Das nächste ist am Samstag in der Sporthalle Stadtmitte gegen den SV 03 Tübingen 2. Dort gilt es, die Ernsthaftigkeit des Treueschwurs zu beweisen.