Lokalsport

Selbstauflösung und TVU-Einstieg

Ex-VfL-Kegler bekommen beim Nachbarklub eine eigene Abteilung: Novum in Württemberg

Endgültiges Aus für die Sportkegelabteilung des VfL Kirchheim: „Wegen fehlender Perspektiven haben wir uns in unserer letzten Hauptversammlung selbst aufgelöst“, sagt Ex-Abteilungsleiter Ingo Breunle. Ihren Sport können die rund 25 Mitglieder dennoch in Zukunft ausüben: Beim TV Unterlenningen bilden sie ab sofort die 13. eigenständige Abteilung.

VfL-Kegelstüble, Jesinger Strasse, Außenaufnahme
VfL-Kegelstüble, Jesinger Strasse, Außenaufnahme

Kirchheim/Lenningen. Es passierte einen Tag nach der letzten Hauptversammlung der VfL-Sportkegelabteilung: Da hatte VfL-Präsidentin Doris Imrich 20 schriftliche Vereinsaustritte von Keglern im Geschäftszimmer liegen. Damit war perfekt, was die Spatzen schon lange von den Dächern gepfiffen hatten: Dass Hauptverein und Kegelabteilung wegen des bevorstehenden Abrisses des VfL-Kegelstübles keine gemeinsame Zukunft haben. „Das Gebäude ist heruntergekommen und braucht zu viel Unterhaltungskosten“, lässt die VfL-Chefin keinen Zweifel daran, dass das Gebäude im Zuge des geplanten Vereinssportzentrums planungsgemäß zum Abrissobjekt wird. Die Kegler-Austritte hat sie inzwischen akzeptiert – die gegen sie in monatelangen Diskussionen gemachten Schuldzuweisungen liegen ihr noch immer schwer im Magen. Sollten weitere Verbalattacken folgen, will sie gegen diese „juristisch vorgehen“.

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Auch die VfL-Sportkegler haben weiter einen dicken Hals. Zu tief saß der Stachel, als von offizieller VfL-Seite das Aus für ihre Trainingsstätte verkündet worden war, ohne günstige Alternativen aufzuzeigen. „Für viele war das Kegelstüble wie eine zweite Heimat“, sagt Heinz Merkl, der stellvertretender Abteilungsleiter war. Jetzt ist er‘s nicht mehr: Wie alle anderen Funktionärskollegen ließ er sich bei der vergangenen Hauptversammlung erst entlasten, um daraufhin das Ehrenamt zu quittieren. Nunmehr ist die Abteilung, die 47  Jahre lang im Verein eine ebenso feste wie kleine Größe war, ohne verantwortliche Offizielle, und aktive und passive Mitglieder gibt‘s nicht mal mehr auf dem Papier. 20 Abteilungs-Verantwortliche gehörten bislang dem Hauptausschuss des VfL-Hauptvereins an – demnächst, bei der turnusmäßigen Sitzung vor der Sommerpause mit der formellen Beschlussfassung über das Abteilungs-Aus, wird‘s einer weniger sein.

Wer obdachlos wird, schläft entweder unter der Brücke oder er bemüht sich um ein neues Dach überm Kopf. In ihrem Dilermma entschieden sich die Ex-VfL-Kegler für Variante zwei. Mit Erfolg. „Nach unserer Anfrage haben uns die Unterlenninger Sportkegler gleich mit offenen Armen aufgenommen“, hat Ex-Abteilungsleiter Ingo Breunle erfahren. In bilateralen Gesprächen waren Anfang des Jahres die wichtigsten Weichen gestellt worden – seit kurzem sind die VfL-Spieler auf dem Bühl zu einhundert Prozent integriert. Meint so viel: Kirchheims Ehemalige bekommen ab sofort ihre eigene Abteilung mit Namen „Tecksportkegler 2014“, feste Trainingszeiten und die vier Bühlbahnen als Heimspielstätte für die Damenmannschaft (Verbandsliga Baden) und Herrenmannschaft (Bezirksliga 1 Baden) und müssen im Gegenzug nur eines tun: eine eigene Abteilungsleitung wählen und beitragspflichtige TVU-Mitglieder werden. Was nur noch reine Formsache ist, denn die Chemie zwischen den Keglern stimmt. „Beim Beschluss auf der jüngsten TVU-Turnratssitzung gab es keine einzige Gegenstimme“, weiß TVU-Vorstandsmitglied Richard Hohensteiner, selbst ein TVU-Kegler, zu berichten. Eine Gründungsurkunde ist bereits unterschrieben.

Zerschlagen hatten sich derweil Planspiele, die Teckstadt-Kegler direkt in die bestehende TVU-Sportkegelabteilung aufzunehmen. „Diese Idee ließ sich deshalb nicht realisieren, weil TVU und VfL ja in unterschiedlichen Verbänden unterschiedliche Zählsysteme spielen“, sagt Hohensteiner. Während sich die Kirchheimer wegen des umstrittenen 120er-Spielmodus vom Württembergischen Kegler- und Bowling-Verband (WKBV) schon 2011 getrennt hatten und zur badischen Nachbar-Organisation gewechselt waren, „wo wir mittelfristig auch bleiben werden“ (Breunle), sind die Unterlenninger bis heute trotz anfänglicher Modus-Bedenken treue WKBV-Gefolgsleute geblieben. „Wir haben uns mit dem Vier-Satz-Modus und den 120 Schüben inzwischen arrangiert“, sagt Hohensteiner.

Und so wird der Verein zum Saisonstart 2014/15 im Spätsommer erstmals mit zwei Sportkegel-Abteilungen vertreten sein. Was auch aus überregionaler Sicht außergewöhnlich ist. „Ein Verein mit zwei Kegelabteilungen stellt in Württemberg ein absolutes Novum dar“, sagt WKBV-Pressereferent Hilmar Buschow aus Ulm.