Lokalsport

SGL: Nervenqual in den Schlusssekunden

Wie leicht man einen Sechs-Tore-Vorsprung innerhalb von zehn Minuten verspielen kann, demonstrierte Handball-Verbandsligist SG Lenningen im Spiel bei Schlusslicht SG Schorndorf. Dass das Kellerkind gewann (per 27:26-Treffer in der Schlussminute) ist SGL-Spieler Jens Kirschmann zu verdanken, der den Sieg danach gewissermaßen festhielt.

SCHORNDORF Nach einer nervenzerfetzenden Schlussphase notierten die Schiedsrichter Folgendes: "Nr. 9 SG Lenningen, Jens Kirschmann, disqualifiziert wegen grober Unsportlichkeit. Verhinderung schnelles Anspiel beim Stand von 26:27, Spielzeit 59:58, gemäß Regel, Ý 16/6 c, Est. 6g."

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Hätte Kirschmann nicht eingegriffen, wäre Schorndorfs Matthias Dudium in die Nahwurfzone gekommen und hätte ausgleichen können. So aber siegten die Lenninger und basteln weiter fleißig am Klassenerhalt.

Undiszipliniert vorher spielten schon Hagen Braunwarth und Daniel Brugger, als sie beim 26:26-Ausgleich der Gastgeber sich mit den Schiris anlegten und zeitgleich (nach 59.36 Minuten) auf die Strafbank mussten. Die war zuvor schon mit Steffen Kazmaier besetzt, der ein Foul (59:18) beging. So durch den Wind, konnte eigentlich nur noch Glücksgöttin Fortuna den Lenningern beistehen. SGL-VIP Otto Leitner fasste das Spielgeschehen so zusammen: "Beide Mannschaften haben eine schwache Leistung abgeliefert. Dennoch geht unser Sieg in Ordnung, weil wir vor allem im zweiten Abschnitt größere Spielanteile hatten." Von Beginn an stand Daniel Born im Tor. Nach engen Spielständen konnte sich die SG erstmals in der 13. Minute absetzen. Steffen Kazmaier warf das 7:4. Jetzt, nach der Geburt seines Sohnes, spielte er befreit auf. Dies konnte man nicht von allen SGL-Akteuren behaupten.

Christoph Wiesinger, pfeilschnell mit Kontern unterwegs, nutzte seine Chancen nicht restlos aus. Jan Lamparter hängt zurzeit in einem Formtief und Marc Segeritz, gehandicapt durch eine Schulterverletzung, ringt ebenfall um Stabilität. Von den Nichtgenannten erwarten sich Trainer Holger Kiedaisch und die SG-Fans ebenfalls Leistungssteigerungen. Es ist ganz einfach so, der SG-Motor ist in dieser Saison noch nicht all zu oft rund gelaufen.

Nach einem 13:14-Pausenrückstand gewann Lenningen immer mehr Spielanteile und münzte diese in Tore um. Auch deshalb, weil der eingewechselte Sven Lamparter sich gut auf Schorndorfs Toptorjäger Matthias Dudium einstellen konnte, und seine Impulse übertrugen sich auf die Mannschaft. Daniel Brugger leitete mit dem 17:16/41. die Absetzbewegung ein. Christoph Wiesinger per Strafwurf und Jochen Leitner mit einem Schlagwurf trieben die SG nach vorne 20:17/45. Ein Vier-Tore-Polster warf Steffen Kazmaier in der 47. Minute heraus. Und dann, zeitgleich, mussten Jochen Renz und Michael Baun auf die Strafbank. Letzterer bekam wegen Meckerns noch einen Zwei-Minuten-Zuschlag. Schade, dass die SG diese klare Sprache der Schiris nicht verstanden hatte und in der Schlussminute in Turbulenzen geriet.

Die gab es schon vorher. Da sah Holger Kiedaisch mit Wohlgefallen, wie seine Mannschaft mit schnellem und sicherem Spiel einen Sechs-Tore-Vorsprung herauswarf, um dann durch eine Häufung von technischen Fehlern Schorndorf wieder ins Spiel kommen zu lassen. In der 57. Minute traf Michael Baun zum 25:25-Ausgleich. Die Nummer 5 der Gastgeber bereitete der SG unnötige Probleme. Zu spät reagierte die SG-Defensive bei seinen Rückraumwürfen. Dreißig Sekunden vor Schluss traf Matthias Dudium per Strafwurf zum 26:26 und danach begannen nervige sechzig Sekunden, die Lenningen ganz schnell vergessen muss.

Fazit aus SGL-Sicht: Hauptsache gewonnen.

döl

SG: Born, S. Lamparter - Kirschmann (7), Kazmaier (6/3), Brugger (3), C. Wiesinger (3), Leitner (2), Renz (2), Segeritz (2), Braunwarth (1), J. Lamparter (1), Schwohl, J. Wiesinger.