Lokalsport

SGL-David klaut TSB-Goliath Punkt

Dramatik in Lenningen: Zehn Sekunden vor Spielende der Partie gegen den TSB Schwäbisch Gmünd griff Bruno Rieke in die Taktikkiste und schickte Jochen Leitner als siebten Feldspieler auf die Spielfläche prompt erzielte Christoph Wiesinger den umjubelten Treffer zum 27:27.

LENNINGEN "Es war abgesprochen, dass ich auf die Ecke gehen sollte", beschrieb Wiesinger die letzten Sekunden. Und diese letzte Chance nutzte der Außenseiter aus Lenningen. Nach einer kurzen Ballstaffette wurde Wiesinger auf Linksaußen angespielt und fetzte den Ball an Steffen Krieg vorbei ins lange Eck 27:27. Die Halle tobte. Die SG Lenningen als David hatte dem Goliath Gmünd einen Punkt entrissen.

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Die Rieke-Sieben zeigte sich gegenüber dem Heiningen-Spiel wie verwandelt. Spielführer Steffen Kazmaier hatte mit einer "Ruckrede" an seine Kameraden und ihren Teamgeist appelliert. Die Lenninger brannten vor Ehrgeiz. Den TSB-Kanonieren Hieber, Frey und Koseck gelang es nicht, den 5:1+1-Abwehrriegel der SG entscheidend zu knacken. Ein enttäuschter TSB-Spielertrainer Andreas Hieber zog ein ernüchterndes Fazit: "Das war unsere schlechteste Leistung seit drei Jahren. Das Spiel hatte keinen Sieger verdient."

Dass es so kam, war der Verdienst einer aufopferungsvoll kämpfenden SG-Abwehr. Sie störte früh und ließ den "Remstal-ICE" nicht Fahrt aufnehmen. Wenn es dennoch kritisch wurde, zeigte Sven Lamparter tolle Reflexe. Vorne, in der Abteilung Attacke, wurde Gmünds Abwehr mehrmals ausgehebelt. Lenningen führte nach einem Superanspiel von Jens Kirschmann zu Hagen Braunwarth 8:6 (26.) und setzte sich nach einem Kirschmann-Treffer auf 10:7 (29.) ab. Kirschmanns Spielfreunde war grenzenlos, wobei Genialität und Wahnsinn dicht beieinander lagen. So kurz vor dem Halbzeitpfiff, Lenningen führte 11:9 und Kirschmann patzte bei einer Ballannahme. Mit diesem Geschenk bedankte sich Andreas Hieber zum 11:10-Halbzeitstand.

Eine halbe Minute nach Spielbeginn verzückte Kirschmann die SG-Fans mit dem 13:10. Danach standen die Schiris im Mittelpunkt und ernteten ein gellendes Pfeifkonzert, als nacheinander Jochen Renz (32.) und Hagen Braunwarth (33.) Zeitstrafen erhielten. Die SG-Bank kochte, auch Jens Kirschmann musste in der 35. Minute runter.

Lenningen wankte und verlor die Führung an den TSB. Simon Frey traf zum 14:13 (36.) Nicht genug, Braunwarth wurde wieder auf die Bank geschickt. Doch Lenningen knickte nicht ein und Marc Segeritz versetzte in Unterzahl das TSB-Netz in Schwingungen 14:14 (38.). Und das Staunen bei den SG-Fans ging weiter. Irrwisch Wiesinger war in der 40. Minute nicht zu halten und traf zweimal zum 20:18. Nachdem es bei Sven Lamparter dreimal im kurzen Eck eingeschlagen hatte, wechselte Rieke Jörg Tombrägel ein. Jedoch ohne Fortune. Nach acht Minuten machte er wieder Platz für Lamparter.

Michael Hieber und Frank Koseck hatten zum 22:22 (49.) ausgeglichen. Jetzt machte Gmünd mit einfachen Mitteln mächtig Druck Das Duo Andreas Hieber und Simon Frey bot darin Lehrbuch-Handball. Gmünd führte 25:24 (53.). Zuvor ließen Leitner und Kirschmann zwei Riesenmöglichkeiten aus. Und noch einmal blindes Verständnis zwischen Hieber und Frey beim 27:25 (57.).

Die TSB-Fans sangen sich schon zum Sieg ein. Zu früh, Braunwarth justierte beim 26:27 (58.) wunderbar und für den Schlussakkord sorgte Wiesinger. Grabenstettens Handballidol Eugen Schmid war beeindruckt: "Die aggressive und offensive SG-Abwehrarbeit mit einem Supertorwart hat sich ausgezahlt", und fügte hinzu, "Lenningen muss noch lernen, in hektischen Phasen das Tempo herauszunehmen. Der absolute Wille in der letzten Minute war entscheidend." Ein von der Anspannung gezeichneter Bruno Rieke war glücklich: "Wir haben in den ersten 20 Minuten nur fünf Tore zugelassen."

döl

SG Lenningen:

Sven Lamparter, Tombrägel Kirschmann (6), Leitner (5), Segeritz (5), Wiesinger (5), Kazmaier (3/1), Braunwarth (2), Renz (1), Baumann, Jan Lamparter, Rudolph, Schwohl, Stief.TSB Schwäbisch Gmünd:

J. Schamberger, Krieg; M. Hieber (6), A. Hieber (5), S. Frey (4), Schmeiser (4), B. Göth (3), Koseck (2), P. Schamberger (2), J. Frey (1), S. Göth, Schuster.Zuschauer:

450.Schiedsrichter:

Hirneise/Kehr (Haslach/Herrenb./Kupp.).