Lokalsport

Sieben Minuten, in denen alles passt

Die Kirchheim Knights sind auf dem Weg in die Aufstiegsrunde: Nach dem 75:64 (39:36) im Spitzenspiel gegen den Verfolger FV Weißenhorn gibt es nur noch einen Dreikampf in der Regionalliga Südwest-Süd.

KIRCHHEIM Grund zu Kirchheimer Jubel gab es bereits zur Halbzeit, als die Nachricht von der deklassierenden 65:93-Schlappe des Tabellenzweiten TV Rastatt-Rheinau verkündet wurde. Die Badener haben nun vier Niederlagen auf dem Konto. Beim Auswärtsspiel in Rastatt in zwei Wochen könnten die Knights also bereits die Aufstiegsrunde zur zweiten Liga vorbuchen. Doch Vorsicht: Bei einer Niederlage würden die Karten völlig neu gemischt, denn noch stehen die schweren Spiele gegen Heidelberg-Kirchheim, in Konstanz und gegen Schwenningen auf dem Plan. Zeit zum Feiern ist es also noch lange nicht.

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Am Samstag interessierten sich die mehr als 800 Basketballfans in der überfüllten Walter-Jacob-Halle sowieso mehr für das Hier und Jetzt. Sie durften einen Basketball-Krimi mit Happy End erleben, der wohl manchem lange in Erinnerung bleiben wird. Vor allem das vierte Viertel hatte das Zeug zum Klassiker. Fünf Dreier, bei denen die Halle jeweils zu explodieren drohte, 27 Punkte auf der Habenseite, durch aufopferungsvolle, aber auch intelligente Verteidigung das beste Offensiv-Team der Liga bei nur sieben Punkten gehalten, ein fast verloren geglaubtes Spiel in atemberaubender Weise aus dem Feuer gerissen Zuschauerherz, was willst du mehr?

Die Zweite Liga? Darüber wird im Mai geredet. Wie schon in Ludwigsburg versuchten die Knights, ihre körperliche Unterlegenheit durch Druck auf den Aufbauspieler sowie konsequentes Doppeln des Centers auszugleichen. Die Verantwortung lag dabei einmal mehr in den Händen von Ross Jorgusen. Mit welchem Tempo der Irrwisch am Samstag vor allem im ersten Viertel jeden Quadratzentimeter des Feldes durchackerte und mit welcher Schnelligkeit und Sicherheit er fast jeden Wurf verwandelte, war phänomenal. Nach dem ersten Viertel, in dem "the boss" 14 Punkte machte, stand es dennoch nur 25:21. Zum einen, weil Buljubasic seinerseits elf Punkte gelangen, doch auch, weil Weißenhorn zu viele Offensiv-Rebounds angelte.

Im zweiten Viertel verpuffte der Angriffsschwung auf beiden Seiten, und die Knights gingen mit einer 39:36-Führung in die Pause. In der lähmte die Nachricht von der Rastatter Niederlage Kirchheim eher, als dass es beflügelt hätte. Weißenhorn verteidigte nun konsequenter, Jorgusen schien müde zu werden, und plötzlich kippte das Spiel auf dramatische Weise. Beim 45:57 (29.) und zwei, drei krachenden Dunkings der Gäste schien der Abend verpatzt. Aber Tomi Martinovic, dem ansonsten nichts gelang, versenkte am Ende des dritten Viertels einen Dreier, und das weckte neue Hoffnung. Auch Kai-Uwe Kranz, dessen Visier bis dahin verstellt war, traf plötzlich. Nach dem 52:59 (32.) erzielte er innerhalb von fünf Minuten vier Dreier und bekam dabei Unterstützung von Nenad Lukic, der mutig warf und dabei auch traf.

Bilanz der wahrscheinlich stärksten Kirchheimer Offensivphase in dieser Saison: 25:4. Innerhalb von sieben Minuten hatte Kirchheim das Spiel gedreht. Beim 73:61 war die Sache gelaufen. Völlig frustriert wechselte FV-Coach Dario Jerkic nun seine Stars aus. Der Rest war Schaulaufen, Freuden-Delirium auf den Rängen und der Abschied eines Konkurrenten aus dem Rennen um die Aufstiegsrunde.

mad

VfL Kirchheim:

Eberle, Goehrke (3), Hayden (8/2), Jaballah, Jorgusen (24/2, 8:8 Freiwürfe), Kranz (18/4), Lenger (6), Lukic (11/1), Martinovic (3/1), Tsouknidis (2).FV Weißenhorn:

Carter (14), Dirr (2), Vollmer (1), Sikuljak, Buljubasic (29/1), Kilb, Williams (11), Simic (7), Schneider, Herold.Dreier:

10 (VfL), 1 (FV).Fouls:

17 (VfL), 16 (FV).Freiwürfe:

11:12/91,7 % (VfL), 11:21/52,4 % (FV).Viertel:

25:21, 14:15, 9:21, 27:7.Schiedsrichter:

Oliver Gichert (Stuttgart) und Roman Nagy (Ulm) erwiesen sich als Meister ihres Fachs.Zuschauer:

800.