Lokalsport

Siegtreffer in letzter Sekunde

Lenninger Handballer laufen 54 Minuten einem Rückstand hinterher

In der Handball Landesliga der Herren ist der SG Lenningen gegen den HC BW Feldkirch ein Sieg in letzter Minute gelungen. Bis sechs Minuten vor Schluss sah Feldkirch aus wie der sichere Sieger. Der HC führte 20:17. Doch dann riss Lenningen in der spannenden Schlussphase noch einmal das Ruder herum. Mit dem Schlusspfiff erzielte die SG den Siegtreffer und gewann mit 23:22 (7:10). Eine bittere Niederlage für die Vorarlberger Gäste.

Lenningen. Für den Deizisauer Ex-Bundesligaschiedsrichter Adalbert Schneck, der zur Schiedsrichterbeobachtung unter den Zuschauern weilte, war bis zur 54. Minute Feldkirch die spielreifere Mannschaft, die verdient in Führung lag. Len­nin­gen sah sich bis zur 58. Minute nur in der Verfolgerrolle und hing meist einem Zwei- bis Drei-Tore-Rückstand hinterher. Auch deshalb, weil Feldkirch eine solide 6:0 Abwehrmauer stellte, die von den Lenningern einfach nicht zu knacken war. Und wenn sich dann einmal Möglichkeiten für die SG boten, vernagelte HC-Keeper Markus Satzin­ger ein ums andere Mal sein Tor. Zudem fand sich bei den Gastgebern keiner in den Reihen der älteren Spieler, der in die Führungsrolle hätte schlüp­fen können. Das sah auf der anderen Seite besser aus. Ausgehend vom Feldkircher Zoran Obradovic, liefen schulbuchmäßige Angriffszüge ab, die, gepaart mit Geduld, Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen, immer wieder zum Erfolg führten.

Nach nur neun Minuten waren die Gäste 5:2 weg. Und hätte nicht Keeper Sven Lamparter seine Klasse mehrmals demonstriert, das Torepolster wäre noch höher ausgefallen. Die SG verstand es nicht, mit einem schnellen Positionsspiel den HC-Abwehrverbund in Schwierigkeiten zu bringen. Der mühsam erkämpfte 7:7 Ausgleich (23. Minute) fand keine Fortsetzung mit weiteren Toren. Im Ge­genteil, in Unterzahl bauten die Vorarlberger eine 10:7-Halbzeitführung auf. Da trieb es den einen oder anderen SG-Fan schon vorab zum Frustbier in die Pause.

Feldkirch hielt auch in der zweiten Hälfte seine Disziplin bei. An der SG-Spielweise änderte sich wenig. Nur Einzelaktionen sicherten den Torerfolg. So beim 12:14 in der 41. Minute und kurz darauf beim 13:14 (43.), als Ricki Austen Maß nahm. In der Folgezeit hatte jetzt auch Christoph Wiesinger richtig justiert. Er traf zweimal und erzwang das 15:15 (45.). Es blieb aber bei dieser Momentaufnahme. Lenningen, bei der Ballführung zu unsicher und mit überhasteten Abschlüssen, verlor wieder den Faden. Florian Hintringer und Burkhard Veit von den Gästen nutzten die Fehler und warfen die 20:17-Führung (54.) heraus. Jetzt erst wurde die SG wach. Es waren die Youngsters, welche die Wende einleiteten. Austen, Wald und Haid mischten die Gäste auf. Haid, der vor dem Spiel seinem Trainer beichtete „eigentlich bin ich krank“, riss die rechte Abwehrseite auf – 20:20 (56.). Im Gegenzug Grissmann mit dem 21:20 für die Gäste.

Die Spannung stieg durch Walds Ausgleich zum 21:21 (57.). Feldkirch nahm eine Auszeit. Dann überschlugen sich die Ereignisse: HC-Spielgestalter Obradovic meckerte und muss­te auf die Bank. Feldkirch, jetzt führungslos und in Unterzahl, „vergaß“ Haid auf der rechten Seite, der zur ersten SG-Führung 22:21 (59.) einwarf. Reichte das? Nein, denn Florian Hintringer erzielte vierzig Sekunden vor dem Abpfiff den Ausgleich für die Gäste. Die Halle bebte. Kiedaischs Auszeit-Joker stach. Beim letzten Angriff wurde der Lenninger Braunwarth gefoult. Die Schiedsrichter zeigten auf die Siebenmetermarke. Austens mentale Stärke und ein Quäntchen Glück halfen beim Siegtreffer. Trotz großer Freude bleibt die SG eine „Baustelle“, vor allem deshalb, weil die Offensive immer noch zu ideenlos agiert. döl

SG Lenningen: S. Lamparter, Born; Austen (8/4), Wiesinger (6/1), Wald (3), Haid (2), Renz (2), Braunwarth (1), Kazmaier (1), J. Lamparter, Leitner, Ringelspacher.

HC BW Feldkirch: Satzinger, A. Hintringer; F. Hintringer (7/1), Veit (4), Grissmann (3/2), Deutschmann (2), Franz (2), Marsinovic (2), Fulterer (1), Ulmer (1), Obradovic, Brunner, C. Hintringer.

Zuschauer: 250.

Schiedsrichter: Berger/Tona, Stuttgart.