Lokalsport

Sind Pflichtspiel-Sperren gerechter?

Gerechtigkeit im Amateurfußball eine oftmals diskutierte Thematik, die sich Woche für Woche neu entzündet. Aufhänger für die jüngste Auseinandersetzung ist das Urteil des Sportgerichts Neckar-Fils über den Wernauer Bezirksligaspieler Hikmet Tokmak.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Wie unsere Zeitung bereits am Montag berichtete, wurde der Spieler Tokmak vom Sportgericht Neckar-Fils für unsportliches Verhalten und das Verursachen eines Spielabbruchs zu einer Sperrstrafe von vier Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 80 Euro verurteilt. Unabhängig von der Verfehlung des Wernauer Kickers stellt sich dem geneigten Beobachter die grundsätzliche Frage: Welchen Sinn macht eine Sperrstrafe, wenn der größte Teil davon in die spielfreie Zeit, in diesem Fall die Winterpause, fällt? Hätte der Spieler Tokmak das selbe Vergehen im August begangen, hätte sich seine Sperre über einen Zeitraum von 16 Ligaspielen erstreckt. Im jetzigen Falle sind es nach Auskunft von Wernaus Spielleiter Ulrich Dagott "nur" acht Pokalspiele mitgerechnet.

Diese offenkundige Schieflage ist dem Württembergischen Fußball-Verband (WFV) nicht neu, im Gegenteil: Auf dem letzten Verbandstag im Juli 2003 in Sindelfingen wurde den Bezirksgerichten zusätzlich zur zeitlichen Sperrstrafe die Möglichkeit gegeben, Geldstrafen zu verhängen. "Vor dieser Regelung hatten Sperrstrafen, die in eine spielfreie Zeit fielen, keine erzieherische Wirkung beim Spieler", berichtet Frank Thumm von der WFV-Rechtsabteilung. Um diese in solchen Fällen doch zu erreichen, können die sündigen Spieler seitdem zur Kasse gebeten werden.

Nicht selten wird dann im Gegenzug die Sperrstrafe reduziert. So auch geschehen im Falle Tokmak, "der tatbestandsmäßig zu einer Gesamtstrafe von fünf Monaten zu verurteilen gewesen wäre. In Anbetracht der spielfreien Zeit und zur Erreichung des Strafzweckes wurde die Sperrstrafe auf vier Monate reduziert und eine zusätzliche adäquate Geldstrafe verhängt", so der Wortlaut des Bezirksurteils. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und Bezirke mit einer hohen Anzahl an verhängten Geldstrafen für reicher hält als andere: Sämtliche auf Bezirksebene verhängten Geldstrafen kommen dem Vermögensträger WFV zu Gute.

Im Gegensatz zur Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sehen Landesverbände wie der WFV in ihren Statuten keine juritische Möglichkeit vor, Spieler für eine bestimmte Anzahl von Spielen zu sperren. Auch hier drängt sich dem geneigten Beobachter die Frage nach dem Grund auf. "Kontrolle und Überwachung solcher Maßnahmen wären in den Amateurligen schlichtweg nicht möglich", führt Frank Thumm als einen Grund auf. Ferner sei eine Zunahme von Einsprüchen gegen Spielwertungen zu befürchten, wenn Spieler auf Grund verschiedener Vergehen für gleich viele Spiele gesperrt werden würden. Schließlich ist eine Rote Karte für Schiedsrichterbeleidigung anders zu bewerten als eine für eine Notbremse, die nicht immer zwingend ein grobes Foulspiel beinhalten muss.

"Absolute Gerechtigkeit ist, was dieses Thema angeht, nicht möglich", senkt dann auch der Bezirksvorsitzende Karl Wieland die Hoffnungen all derer, die in der Pflichtspiel-Sperrung eine ausgewogenere Lösung sehen. Zumal sich dieses Thema schon seit Jahren kontroversester Diskussionen erfreut. "Das eindeutige Fazit lautet, dass diese Lösung nicht umsetzbar ist", so Wieland.

Scheitert hier eine auf den ersten Blick gerechter anmutende Handhabe an der Praktikabilität? In der Tat müsste im Vorfeld abgeklärt werden, wie beispielsweise Freundschaftsspiele oder Hallenturniere gewertet würden. Daneben müsste der Status von Spielern, die abwechselnd in der ersten und zweiten Mannschaft spielen, eindeutig festgelegt werden.

Unüberwindbar sind die Hindernisse auf dem Weg zur Durchsetzung dieser Vorgehensweise übrigens nicht. Stellte ein Verein in schriftlicher und sachlich begründeter Form einen Antrag auf Änderung der Satzung, was die Handhabe bei Sperren angeht, so würde dieser auf dem nächsten Bezirkstag 2006 behandelt. Fände er dort eine Mehrheit, müsste ihn der Bezirksvorsitzende beim wenige Wochen später stattfindenden Verbandstag vortragen. Fände er dort abermals eine Mehrheit, müsste die Satzung entsprechend geändert werden (siehe auch Artikel rechts).