Lokalsport

"Sitze wieauf Kohlen"

Den Sprung in die Herren-Nationalmannschaft verpasste Tilo Holighaus in der Vergangenheit "um wenige Meter". Bei den deutschen Meisterschaften in Lüsse (27. 7. bis 6. 8.) möchte der Kirchheimer Segelflieger zumindest Aufmerksamkeit erregen.

THOMAS PFEIFFER

KIRCHHEIM/LÜSSE Stark vertreten bei der Segelflug-DM auf dem Berliner Flughafen Lüsse ist diesmal die Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth: Neben dem 18-Meter-Klasse-Piloten Eberhard Schott starten Holger Karow, Willi Balz und Tilo Holighaus in der Offenen Klasse. Holighaus, 36 und vielbeschäftigter Geschäftsführer der Kirchheimer Flugzeugschmiede Schempp-Hirth, baten wir telefonisch zum Interview.Hallo, Herr Holighaus, wo erreichen wir Sie gerade?Tilo Holighaus: Ich stehe auf dem Flugplatz in Lüsse und mache gleich meinen letzten Probeflug. Mittwoch erfolgt bei der DM schließlich der erste Wertungstag. Ihre sportlichen Erwartungen bei dieser DM? Holighaus: Die Leistungsdichte in der Offenen Klasse ist extrem hoch. Wenn ich unter die ersten Zehn komme, ist das realistisch, ein Platz unter den ersten Fünf wäre ein Traum. Leider habe ich mit einer guten Platzierung aber praktisch keine Chance mehr, mich kurzfristig für die Nationalmannschaft zu qualifizieren.Wieso? Holighaus: Weil ich hier in Lüsse in der Offenen Klasse starte, für die ich mich auch qualifiziert habe. Beim Deutschen Aero-Club bin ich offiziell aber in der 18-Meter-Klasse eingetragen, wofür ich mich Anfang des Jahres entschieden habe. Das heißt, ich kann mich mit einer herausragenden Platzierung hier in Lüsse bestenfalls empfehlen. In der Offenen Klasse kämpfen Sie diesmal gegen außergewöhnlich starke Konkurrenz . . . Holighaus: Holger Karow, der zweimaliger Weltmeister ist, Vizeweltmeister Uli Schwenk, Europameister Reinhard Schramme, Exweltmeister Bruno Gantenbrink und Tassilo Bode aus Wolfsburg sind sicherlich die größten Konkurrenten in dieser Klasse. Schwenk fliegt übrigens auf einer ETA einem von der Presse hochgelobten Flugzeug, das ausnahmsweise nicht aus dem Hause Schempp Hirth stammt. Ich wiederum fliege unser Produkt Nimbus-4 DM, einen Prototypen, der im hohen Geschwindigkeitsbereich auch zu sehr guten Leistungen taugt. Auf das Duell bin ich jedenfalls gespannt!Als Schempp-Hirth-Geschäftsführer schauen Sie bei deutschen Meisterschaften sicherlich ohnehin genauer auf das, was die Konkurrenz so fliegt. Erwarten Sie in Lüsse technische Überraschungen?Holighaus: Eigentlich nicht. Es ist so, dass bei dieser DM rund die Hälfte aller Wettbewerbssegelflugzeuge aus unserer Firma stammt, und die Doppelsitzerklasse ist fast ganz mit Schempp-Hirth-Flugzeugen besetzt. Unsere Neukonstruktionen Ventus 2cx und Duo-Discus x erwarte ich in der 18-Meter-Klasse beziehungsweise bei den Doppelsitzern ziemlich weit vorne käme es anders, wäre ich enttäuscht. Andererseits nutze ich die DM ausgiebig zum technischen Erfahrungsaustausch und lasse mir auch gerne sagen, was man noch verbessern kann. Durch Ihren DM-Trip sind Sie fast zwei Wochen lang weg von zu Hause. Drückt Ehefrau Katja also vom Wohnzimmer aus die Daumen? Holighaus: Es ging leider nicht anders. Meine Frau ist derzeit hochschwanger, jeden Tag kann es so weit sein. Ich weiß gar nicht, was ich bei einem entsprechenden Anruf während des Wettbewerbs tun würde. Irgendwie sitze ich hier wie auf Kohlen.Herr Holighaus, wir wünschen viel Glück!

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