Lokalsport

Sixdays-Atmosphäre im Bierzelt

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Zum Feiern war Mathilde Maier zuletzt kaum zumute, doch inzwischen hellt sich ihre Miene etwas auf. Es ist Land in Sicht, und dass dies so ist, sei einem "wahren Kraftakt" zu verdanken. Seit rund einem dreiviertel Jahr ist sie im Orchester der Jubiläumsmacher Dirigentin in Vollzeit. 100 Jahre RKV das will nicht nur gefeiert, sondern zunächst einmal vorbereitet sein. Während sie zum letzten Mal Hand an Stellwände legt, Exponate zurecht rückt und letzte Anweisungen erteilt, wird die Erleichterung spürbar. Dem Auftakt steht nichts mehr im Wege. Der soll am Montagabend in der Kreissparkasse vor geladenen Gästen fallen, mit der Eröffnung der Ausstellung zur Vereinsgeschichte. Zwei Wochen lang lässt sich in den Räumen von Volksbank und Kreissparkasse nicht nur die Geschichte des "Rad- und Kraftfahrervereins Wanderlust Kirchheim" durchstreifen, sondern auch die des Kirchheimer Radrennens von den Anfängen im Gewerbegebiet Bohnau bis zum zweitägigen Spektakel des Vorjahres rund um den Alleenring.

Eine Geschichte, die zur Unzeit und um Haaresbreite ein abruptes Ende gefunden hätte. Nach dem zweiten Veranstalterwechsel innerhalb von zwei Jahren und dem damit verbundenen Verlust von Sponsoren drohte dem Rennen im vergangenen Herbst finanziell das Aus. An der Entscheidung, die Organisation der gesamten Veranstaltung wieder selbst in die Hand zu nehmen, hing auch das Risiko, ausgerechnet im Jubiläumsjahr Schiffbruch zu erleiden. Die Gefahr scheint gebannt. Das dreiköpfige Organisationsteam mit Albert Bosler, Marc Gölz und Stephan Schmieder hat den Kampf gegen die Uhr und gegen leere Kassen gewonnen. "Alle Weichen sind gestellt", verkündet RKV-Pressesprecher Boris-Marc Münch zwei Wochen vor dem Ernstfall. Ein lokales Firmenkonglomerat, so verrät er, habe dem Verein finanziell aus der Klemme geholfen. Radsportfans in Kirchheim und Umgebung dürfen sich am Wochenende nach Pfingsten somit erneut auf ein zweitägiges Programm freuen, das dem der Vorjahre in nichts nachstehen soll.

Los geht es bereits am Samstag mit der zweiten Auflage des Mountainbike-Citysprints. Herzstück des Ausscheidungsrennens auf einem Rundkurs durch die historische Altstadt wird das Jubiläumsfestzelt auf dem Marktplatz sein. Während im Vorjahr den Veranstaltern der samstägliche Wochenmarkt noch einen dicken Strich durch die Rechnung machte, hat man diesmal rechtzeitig vorgesorgt und bei der Stadt ein offenes Ohr gefunden. Statt auf dem Marktplatz wird sich das Händlertreiben am Vormittag nun in den Randzonen der Markt- und Max-Eyth-Straße abspielen. Grünes Licht damit für ein Festzelt, das am Samstag in etwas abgewandelter Form Sixdays-Atmosphäre versprühen soll. Der Clou: Die Rennstrecke der Geländebiker verläuft geradewegs durchs Festzelt. Der Biertempel wird dadurch zum Velodrom.

Weil ein Jubiläum viel mit Tradition zu schaffen hat, wird der Sonntag mit dem Profirennen auf dem Alleenring die Hauptattraktion bleiben. Der Kurs folgt dem des Vorjahres, inklusive der 180-Grad-Kehre vor dem Johannes-Busch-Gemeindehaus an der Einmündung der Hindenburgstraße. Was Namen anbelangt, hält Münch derzeit noch hinterm Berg, verrät aber schon so viel: "Das Feld wird sich mit dem letztjährigen messen können." Mit Stefan Schumacher wird der Aufsteiger des Jahres im Team Gerolsteiner in diesem Jahr definitiv nicht am Start sein. Der Nürtinger nutzt die Bayern-Rundfahrt zur Vorbereitung auf sein Debüt bei der Tour de France.

Für den RKV ist es eine Gratwanderung zwischen der Bekenntnis zu den eigenen Wurzeln und dem Drang, dem Publikum die große Showbühne bieten zu wollen. Die Wiederaufnahme des Junioren- und Jugendrennens ins sonntägliche Programm jedenfalls ist ein deutlicher Fingerzeig. "Wir wollen keine Selbstdarstellung betreiben", sagt Boris-Marc Münch, der einst selbst das RKV-Trikot überstreifte. "Der Sport soll im Vordergrund stehen, und dazu gehört auch der Nachwuchs."