Lokalsport

"Solange die Orgel spielt,ist die Kirche nicht aus"

Was haben Kirchheims Ex-Bürgermeister Helmut Riegger und Weilheims Handballtrainer Dieter Schlichtenmayer gemeinsam? Dem Sindelfinger Finanzchef fehlen seit gestern 30 Millionen Euro im Stadtsäckel, dem Coach von der Limburg lediglich sechs Tore zum Glück. Doch beide Lücken schmerzen gewaltig: Nach der Pleite im ersten Spiel um den Verbandsligaaufstieg hilft dem TSVW am Samstag nur eine Sternstunde in der Mercedesstadt.

BERND KÖBLE

WEILHEIM Herr Schlichtenmayer, wie groß ist die Chance, dass es am Samstag in Weilheim doch noch Freibier gibt?Ich mag keine Zahlenspielereien. Fest steht, dass wir enorm zulegen müssen und uns in Sindelfingen ein schwerer Kampf bevor steht. Leider reisen wir schon wieder mit einem Handicap an, weil sowohl Heiko Binder als auch Andreas Bleher urlaubsbedingt fehlen werden. Dafür rücken Andi Höger aus der Zweiten und Björn Bachofer aus der A-Jugend ins Team. Ich bin guter Dinge. Die Mannschaft weiß, worum es geht. Der unbedingte Siegeswille ist vorhanden.Woran hat es am Samstag gelegen?So banal das klingt, wir haben einfach schlecht gespielt. Von allen Spielern fand lediglich Volker Allgaier zu seiner Normalform. Damit war aus dem Rückraum nichts zu holen. Dass ein Martin Weiss nach 60 Minuten ohne Torerfolg vom Platz geht, wann hat es das schon einmal gegeben? Hinzu kam, dass wir sieben oder acht freie Tempogegenstöße nicht verwandelt haben. Das war der Knackpunkt. Fairerweise muss man sagen, dass Sindelfingen einen sensationellen Mann zwischen den Pfosten hat, der immerhin Zweitligaerfahrung besitzt.War in den Köpfen der Spieler die Erinnerung ans vergangene Jahr noch zu wach?Das mag schon sein. Es ist normal, dass du daran denkst, was ist, wenn es wieder nicht klappt, zumal wir wie schon im vergangenen Jahr das Pech hatten, im ersten Spiel zu Hause antreten zu müssen. Ich hätte mir das diesmal umgekehrt gewünscht. Aber mit solchen Dingen muss eine Mannschaft umgehen können.Auch Sie mussten nach dem Spiel Kritik einstecken. War es ein Fehler, zu einem relativ frühen Zeitpunkt alles auf eine Karte zu setzen und auf offene Manndeckung umzustellen?Die Manndeckung war nicht spielentscheidend, sondern eine Vielzahl technischer Fehler in der Schlussphase des Spiels. Abspielfehler und überhastete Torschüsse haben uns völlig aus dem Tritt gebracht. Eigentlich gibt es genügend erfahrene Spieler in der Mannschaft, damit so etwas nicht passieren sollte.Ein Punkt war sicherlich, dass Weilheim den neunfachen Torschützen Konstantin Greis zu keiner Zeit im Griff hatte. Wie soll das im Rückspiel funktionieren? Der Mann ist sicherlich der Schlüsselspieler. Ihn auszuschalten wird schwer werden. Wir wollen jedoch versuchen, seine Kreise einzuengen notfalls wieder per Manndeckung. Seine Stärke liegt im Umschalten von Abwehr auf Angriff. Weilheim braucht Tore. Läuft man da nicht Gefahr, ins offene Messer zu rennen?Die Gefahr besteht in der Tat. Eine ähnliche Anzahl technischer Fehler wie im Hinspiel können wir uns am Samstag nicht leisten, sonst kassieren wir schnelle Gegentreffer.Was haben Sie der Mannschaft nach dem Spiel in der Kabine gesagt?Das Spiel am Samstag beginnt mit 0:0. Wenn Sindelfingen in Rückstand gerät, werden auch die nervös. Wir haben schließlich nichts zu verlieren. Deshalb: Solange die Orgel spielt, ist die Kirche nicht aus.

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