Lokalsport

Spannung, heiße Derbys und kein klarer Favorit

Nach einigen Vorgeplänkeln im HVW- und Bezirkspokal startet am kommenden Wochenende der Handball in die Saison 2004/2005. Die Teckvereine haben sich gut vorbereitet. Alle Mannschaften, die in der vergangenen Saison auf Verbandsebene spielten, haben das Klassenziel erreicht. Auch die Fans dürfen sich freuen: Mit Weilheim, Owen und Lenningen sind alle drei Lokalrivalen wieder in der Staffel 2 vereint.

RUDI DÖLFEL

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KIRCHHEIM Es kommt aber noch besser: Gleich ums Eck stoßen die HSG Ebersbach/Bünzwangen, TSV Neuhausen 2, TV Plochingen, SKV Unterensingen (Aufsteiger), HC Wernau (Absteiger) und TSV Wolfschlugen 2 (Aufsteiger) dazu. Neun Bezirksvereine in der Staffel 2 die Vereinskassiere dürfen sich auf zuschauerträchtige Spiele freuen. Das gibt viele packende Derbys, deren Ausgänge für manche Überraschung gut sind.

Gegen diese Phalanx müssen sich die "Rei'gschmeckten" Hbi Weilimdorf/ Feuerbach, HSG Oberer Neckar (Stuttgart) und HSG Weinstadt behaupten. Bei den Bezirks-Landesligisten hat sich das Spielerkarussell mächtig in Bewegung gesetzt, wobei vor allem viele junge Spieler den Kadern angehören, so etwa in Wernau, Plochingen und Owen. Topfavoriten wie in der letzten Saison das Team Esslingen und die TG Nürtingen gibt es nicht und die Experten sagen eine ausgeglichene und spannende Runde voraus.

Neben den stark verjüngten Teams gibt es auch einige Mannschaften mit sehr erfahrenen Spielern wie der TSV Weilheim, SKV Unterensingen und der TSV Wolfschlugen 2. Erfahrung gegen jugendlichen Elan ein weiteres Merkmal der diesjährigen Landesligastaffel 2. Bei den Meisterschaftstipps schälten sich doch einige Favoriten heraus: der TSV Owen, TV Plochingen, Hbi Weilimdorf/Feuerbach und der TSV Weilheim lagen bei den Experten vorne.

Beim TSV Owen setzt Trainer Rico Wackershauser den Verjüngungsprozess fort. Steffen Klett und Heiko Hoyler haben den Kampf unter den alten "Platzhirschen" mächtig angefacht. Zwei davon, Sascha Faustmann und Uwe Hamann, haben sich in die Zweite verabschiedet beziehungsweise kümmern sich mehr ums Privatleben. Mit den Neuzugängen Christoph Hoyler (TSV Deizisau) und Arpad Fazekas (Team Esslingen) kommen zusätzliche Impulse ins Spiel. Arpad Fazekas wird mit Bastian Reckziegel die Torhüterposition besetzen, während Christoph Hoyler für die Attacke am Kreis vorgesehen ist. Für manche, die Holger Kiedaisch nach seiner Rückkehr ebenfalls gerne im Team gesehen hätten, bleibt dies vorerst ein Wunschtraum. Er kuriert noch eine Schulterverletzung aus und kümmert sich um die A-Jugend des TSV.

Den vielen, die Owen aufs Favoritenschild gehoben haben, nimmt Trainer Rico Wackershauser den Wind etwas aus den Segeln: "Jeder hat gesehen, dass beim Teckboten-Pokal wir noch nicht unser vollständiges Leistungspotenzial abrufen konnten. Das hat sich vor allem bei der Abwehrarbeit gezeigt. Zudem laboriert Basti Reckziegel noch an einer Verletzung und Arpad Fazekas befindet sich in der Aufbauphase." Dennoch hoffen die Owener Fans, dass ihr Perspektivteam in dieser Saison etwas "reißen" wird.

Und wie sieht es Lauteraufwärts bei der SG Lenningen aus? "Wir haben nach unserem Verjüngungsprozess in der vergangenen Saison Lehrgeld bezahlen müssen; die Rückrunde hat aber gezeigt, dass es sich gelohnt hat. Marc Segeritz, Christoph Wiesinger und Jochen Gökeler haben sich schnell durchgesetzt", stellt Lenningens Trainer Hans Hahn fest. Derweil startete Jochen Renz beim Teckboten-Pokal in seinen "zweiten Frühling". Er ist einfach unersetzlich. Auch deshalb, weil Sebastian Baumann und Jo Wiesinger noch längere Zeit ausfallen werden. Alle anderen Spieler sind im besten Handballalter, sodass die Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Elan zu stimmen scheint.

Hans Hahn setzt deshalb vor allem auf die Tatsache, dass sein Team in dieser Besetzung eingespielt ist, was sich als wichtiges Leistungsmerkmal herauskristallisiert hat. Und nach einjährigem Gastspiel in der zweiten Mannschaft meldet sich Jochen Leitner zurück. Er war der Goalgetter vom Dienst und hat die "Zweite" in die Bezirksklasse geworfen. Wenn es der SG gelingt, neben der guten Abwehrarbeit (jeweils die zweitbeste Abwehr in den beiden vergangenen Jahren) das Angriffsspiel weiter zu entwickeln, ist nach dem zehnten Platz (2002/2003) und neunten Platz (2003/2004) ein Mittelfeldplatz möglich.

Was wäre wenn: Unter der Limburg war man beim TSV Weilheim im April ganz nah am Verbandsligaaufstieg und es hätte auch geklappt, wenn der Torjäger vom Dienst, Volker Allgaier, nicht im letzten Saisondrittel ausgefallen wäre. Hinzu kam, dass Martin Weiss beim denkwürdigen Relegationsspiel zu Hause gegen Talheim, rüde gefoult wurde und beim Rückspiel ausfiel. Wenn auch jetzt Weilheim zum Favoritenkreis zählt, so möchte Trainer Dieter Schlichtenmayer den Ball flach halten: "Wir müssen nach der Verletzung von Jochen Traxler beim Teckboten-Pokal, dem längeren Ausfall von Volker Allgaier und Andi Höger erstmals abwarten, wie es sich entwickelt. Natürlich wollen wir unseren Fans wieder attraktiven Handball zeigen".

Daran können auch die Youngsters Jürgen Autenrieth und Jörg Bachhofer mitwirken, die eine Doppelspielberechtigung als A-Jugendspieler besitzen. Erfreut zeigt sich der Weilheimer Coach über die Liga der kurzen Wege. "Wenn ich da an die langen Anfahrten ins Allgäu oder auf die Ostalb denke, ist dies ein Gewinn, wobei die vielen Derbys ihre eigenen Gesetze haben. Daran müssen wir uns auch gewöhnen", betont Schlichtenmayer.

Auf scharfer Kante war die letzte Saison beim TSV Neuhausen genäht. Bei Relegationsspielen gegen die SG Ober-/Unterhausen setzten sich die Filderhandballer letztlich durch. Da ist es verständlich, dass Pressewart Timo Bayer vorgibt: "Wir haben in dieser Saison vom Spielerpotenzial her eine starke Mannschaft, die trotz der Abgänge von Christian Vollrath, Dennis Müller und Robert Daniel sehr ausgeglichen ist". Angesichts des kleinen Spielerkaders darf man davon ausgehen, dass der eine oder andere als "Stand-by-Spieler" zur Verfügung stehen wird. Vom HC Wernau kamen die verbandsligaerfahrenen Stephan Walker und Stefan Poremba.

Auf der Homepage der HSG Ebersbach/Bünzwangen spricht Trainer Helmuth Schragner von einer großen Herausforderung in der Saison 2004/2005. Sein Neuanfang fing mit der Integration vieler neuer, junger Spieler an. Mit einem Altersdurchschnitt von 20 Jahren ist die HSG das jüngste Team in der Staffel 2. Mit mannschaftlicher Harmonie und Einsatzbereitschaft will er die schwierige Aufgabe meistern, seiner jungen Mannschaft Landesliga-Format zu verpassen.

Bei keiner Mannschaft in der Staffel 2 hat sich das Personalkarussell so heftig bewegt wie beim HC Wernau. Beim Verbandsligaabsteiger stehen neun Abgängen sieben Neuzugänge entgegen. Da erwartet Trainer Sven Ost eine Menge Arbeit. Liganeuling SKV Unterensingen hat sich hingegen intensiv auf die neue Saison vorbereitet. Auf der Sportschule Schöneck und zu Hause wurden zwei Trainingslager eingerichtet. Bei Testspielen ging`s ausschließlich gegen höherklassige Teams. Trainer Martin Keppeler: "Ich möchte damit der Mannschaft die schwierige Aufgabe in der neuen Saison verdeutlichen".

Vom TSV Wolfschlugen stießen die Oberliga- beziehungsweise verbandsligaerfahrenen Michael Krebs, Oliver Volk und Timo Fabian dazu. Auch Steffen Müller von der TG Nürtingen bringt Verbandsliga-Erfahrung ein.

Handballmacher Wolfgang Stoll vom TSV Wolfschlugen sieht sein Landesliga-Team in der Außenseiterrolle. Hinzu kommt, dass Trainer Steffen Maier in der engen Schulsporthalle trainieren muss. "Unsere Zielsetzung kann daher nur Klassenerhalt heißen und ich hoffe, dass wir bei den vielen Derbys unsere Gegner ärgern können", kommentiert TSVW-Chef Stoll. Im Übrigen setzen die "Hexenbanner" auf ihre Jugend, wo gleich sieben Talente eingebaut wurden.

Auch beim TV Plochingen heißt es in der kommenden Saison "Jugend forscht." Trainer Volker Greiner hat gleich acht A-Jugendliche in den Kader genommen. Zusammen mit mehreren Routiniers soll attraktiver Handball am Neckarknie geboten werden. Aufgehört hat Frank Meixner. Das TVP-Urgestein wird sehr vermisst werden. Wenn dennoch die Konkurrenz die Greiner-Sieben zu den Favoriten zählt, hat dies mit deren Spielkreativität zu tun. Leider ging diese in der letzten Saison öfter mal verloren, sodass nur ein Mittelfeldplatz übrig blieb.