Lokalsport

Spiel mit den Unbekannten

Tischtennis: TTC Frickenhausen steht in der Bundesliga mit dem Rücken zur Wand

Es ist ein Spiel mit gleich mehreren Unbekannten, das Tischtennisbundesligist TTC Frickenhausen in dieser Wochen bestreiten muss und in dem er die tragende Rolle innehat. Ein Play-off-Platz ist längst weg, geht es gar in die zweite Liga für den einst so erfolgreichen Täles-Club?

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WOLFGANG FRITZ

Frickenhausen. Um seine derzeitige Situation muss man den TTC Frickenhausen nicht beneiden. Sportlich mit dem Rücken zur Wand, droht dem Verein die Zweitklassigkeit. Was tun, sollte der größte anzunehmende Unfall eintreten? Aufhören, wie es der doch heftigen Gemütsschwankungen unterworfene Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann in tiefer Resignation schon mal hat anklingen lassen? Weitermachen, wie es für den stets Optimismus ausstrahlenden Manager Jürgen „Max“ Veith eine Selbstverständlichkeit ist?

„Was habe ich mir da angetan?“, stöhnt Veith, der sich einen Wiedereinstieg als Manager gewiss anders vorgestellt hatte. Wie alle anderen konnte freilich auch er nicht wissen, dass ein Spieler namens Tan Ruiwu dem Verein ein derartig faules Ei ins Nest legen würde. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Geradezu amputiert fühlte man sich im Täle. Die Mannschaft verlor in Serie, vornehmlich gegen Abstiegskandidaten, und steht mittlerweile auf dem vorletzten Tabellenplatz. In den ausstehenden vier Partien – gegen Ochsenhausen (23. März), gegen Grenzau (28. März), in Bremen (5. April) und in Fulda (11. April) – dürfte auch nicht mehr viel zu holen sein. Allenfalls gegen den TTC Grenzau winken noch zwei Pünktchen.

Allerdings gleicht die Abstiegssituation in der DTTL einer Wundertüte: Man weiß nie, was wirklich drin ist. Laut Statuten müssen die beiden Letzten in die zweite Liga, die Meister der zweiten Liga Nord und Süd steigen auf. So weit, so klar. In der Praxis sah und sieht es anders aus. Mit DTTL-Schlusslicht TTC Jülich zieht einmal mehr ein Verein seine Mannschaft aus der Bundesliga zurück. Damit stehen die Jülicher als erster Absteiger fest. Stellt sich die Frage nach dem zweiten. Oder auch nicht. Dann nämlich, wenn einer der Zweitliga-Meister oder gar beide auf einen Aufstieg in die DTTL verzichten.

Für Frickenhausen heißt das nichts anderes, als unbedingt Drittletzter werden zu müssen, um auf der sicheren Seite zu sein. „Ich denke nicht einmal im Entferntesten an einen Abstieg, weil ich an die Mannschaft glaube“, sagt Jürgen Veith voller Überzeugung. Nach der desolaten 0:3-Vorstellung kürzlich gegen Düsseldorf hat der Manager in der Kabine deutliche Worte gefunden. „Ich erwarte jetzt von den Spielern, dass sie sich auf den Endspurt einstellen.“

Die Spieler: Nationalspieler Bastian Steger ist meilenweit von seiner Form entfernt. „Er ist international zu oft im Einsatz, zu viel unterwegs, das geht einfach nicht. Da steht der Trainer machtlos daneben und kann nicht eingreifen“, wettert Veith. Bei Kenta Matsudaira diagnostiziert Veith „eine Kopfsache, er weiß gerade nicht, wo er hingehört“. Präsident und Manager haben sich ihre Angestellten noch einmal zur Brust genommen, an die Ehre appelliert. Eine Nichtabstiegsprämie, wie hier und da vermeldet, war zwar angedacht, ist noch nicht ausgesetzt worden. Trainer Qiu hält eine solche Maßnahme nicht für nötig. Jürgen Veith allerdings „hätte nichts dagegen“.

Allen Unwägbarkeiten zum Trotz hat man im Täle die „Hausaufgaben gemacht“ (Veith), was die kommende Saison angeht. „Die Lizenzierung steht. Ich hoffe, dass die Spieler jetzt nachziehen und den Klassenverbleib schaffen“, sagt Jürgen Veith. Der TTC hat wohl, so ist zu hören, wieder einen größeren Sponsor an der Hand, der dann auch im Vereinsnamen auftauchen würde. Finanziell jedenfalls steht man im Täle wieder gut da, jetzt gilt es halt, erstklassig zu bleiben.

Falls doch nicht, spielen die schon vertraglich an den Verein gebundenen Jakub Kosowski und Kenji Matsudaira laut Verein auch in der zweiten Liga für den TTC. Hinzu kämen, so könnte sich Manager Veith das vorstellen, Trainer Jan Xin Qiu, dessen beide Sprösslinge Lian und Dang und ein neuer Mann, den es noch zu verpflichten gilt. Wohl eine Formsache. „Der hat noch nicht unterschrieben“, lässt sich Veith nicht aus der Reserve locken.

Das Thema Tan Ruiwu dürfte den TTC Frickenhausen übrigens noch eine Weile beschäftigen. Der Termin vor dem Esslinger Arbeitsgericht (Tan hatte gegen seine fristlose Kündigung vom Dezember geklagt) ist verschoben worden. Die Richterin schlug einen Verzicht beider Seiten auf ihre jeweiligen Ansprüche vor. Die Tan-Seite hat dies abgelehnt, einen neuen Termin gibt es erst in ein paar Monaten.