Lokalsport

"Sport nur im Einklang mit der Natur"

Mehr als der Hälfte der deutschen Skigebiete droht nach der jüngsten Klima-Prognose der OECD in den nächsten 20 Jahren das Aus. Zu Beginn eines Winters, der keiner ist, gerät auch der Rennkalender der alpinen Skiszene gehörig ins Wanken. Der Kirchheimer Heiner Dangel, Präsident des Schwäbischen Skiverbandes, sagt: Wir brauchen vernünftige Strategien statt Panikmache.

BERND KÖBLE

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Herr Dangel, als Präsident des zweitgrößten Skiverbandes im DSV kann Ihnen das Wetter nicht egal sein. Beunruhigt Sie die neueste Studie?

Die klimatografischen Veränderungen sind Prognosen. Das heißt, sie können eintreffen, müssen aber nicht. Dass es eine langfristige Tendenz gibt, ist sicher unbestritten. Wie dramatisch sich diese entwickelt, bleibt abzuwarten. Im SSV versuchen wir seit langem schon, der Panikmache mit vernünftigen Strategien zu begegnen.

Wie sehen diese aus?

Wir sind uns in Baden-Württemberg im klaren, dass wir vor allem in höhere Lagen investieren müssen, vor allem in solche Einrichtungen, die auch im Sommer nutzbar sind. Unser neues Biathlon-Zentrum in Ulm beispielsweise soll in naher Zukunft eine Rollerstrecke erhalten, auf der auch ohne Schnee trainiert werden kann. Das selbe ist auch für Hinterzarten geplant. Gleichzeitig sind wir dabei, die Infrastruktur für Nordic Walking voranzutreiben. In Römerstein betreiben wir, wie Sie wissen, bereits ein Ausbildungszentrum für Nordic Walking.

Die Schwäbische Alb ist, sieht man von einzelnen Rekordwintern ab, schon länger kein zuverlässiges Wintersportrevier mehr. Fällt nun auch das Allgäu weg, hat die Ski-Rennszene im SSV ein Problem.

Ganz so dramatisch sehe ich die Sache nicht. Auf der Alb konnte man in der Vergangenheit regelmäßig Ski laufen. Was wir nicht mehr haben ist permanente Schneesicherheit. Das heißt, wir müssen mit Renn- und Trainingsterminen einfach flexibler werden. Was das Allgäu anbelangt, haben wir tatsächlich keinen Notfallplan in der Tasche. Aber auch dort tragen wir den Veränderungen Rechnung: Unser alpines Trainingszentrum, das ursprünglich in Kranzegg am Grünten geplant war, ist seit zwei Jahren nun in Oberjoch, weil es dort einfach schneesicherer ist. Daneben steht uns der als schneesicher geltende Feldberg und das Alpinzentrum Fahl in Todtnau zur Verfügung.

Kaum liegt die Studie der OECD auf dem Tisch, beharken sich Wirtschafts- und Umweltexperten, wie sich der Tourismus in den Wintersportgebieten retten ließe. Brauchen wir ein neues Heer von Schneekanonen und weitere Betonburgen in Gletscherregionen?

Meine persönliche Meinung deckt sich mit der des Verbandes. Wir stehen dafür ein, dass Sport im Einklang mit der Natur betrieben werden muss. Wir werden die Erschließung neuer Skigebiete in Hochgebirgsregionen deshalb nicht befürworten. Den Ausbau bestehender Standorte in verträglichem Rahmen hingegen schon. Was den Einsatz von Schneekanonen anbelangt, wurde im Bereich des Fellhorns im Allgäu eine Studie mit Naturschützern geführt, die besagt, dass dies durchaus auch auf umweltverträgliche Weise möglich ist. Voraussetzung ist eine entsprechende Schneemenge, um die Flora nicht zu schädigen. Die Schneekanonen werden dort auch nicht von Fremdwasser gespeist, das auf den Berg gepumpt werden muss, sondern stammt aus extra dafür angelegten Wasserspeichern in der Höhe.

Letzte Frage: Wo verbringen Sie Ihren privaten Skiurlaub in diesem Jahr ?

Ich habe meinen ersten Urlaub auf Skiern in dieser Saison schon hinter mir. Ich war in Sölden auf dem Gletscher. Über die Weihnachtsfeiertage hingegen freue ich mich zuhause auf Ruhe, weil ich die Woche danach bereits wieder bei der Arbeit bin.