Lokalsport

"Sportliche Sozialfälle sind mein Steckenpferd"

Wir haben ihn bereits getroffen: Der Weihnachtsmann stellte sich zum Interview. Brav beantwortete er alle Fragen und erlaubte uns sogar einen neugierigen Blick in seinen riesigen Geschenkesack. Was da alles drin war! Man staunte nicht schlecht und wunderte sich noch ein zweites Mal: Der Himmelsbote kennt sich sogar im Lokalsport bestens aus.

THOMAS PFEIFFERHallo Herr Weihnachtsmann, was haben Sie da denn Wunderbares in ihrem Sack? Weihnachtsmann: "Einhundert Liter Wasser zum Beispiel, im großen Tetra Pak."Mineralwasser?Weihnachtsmann: "Nein, Zielwasser. Damit beschenke ich die Ötlinger Luftpistoleschützen. Sie wissen ja, denen steht das Wasser in der Bundesliga bis zum Hals."Die Kügelchen daneben sind wohl auch für den TSVÖ. Bestimmt Wunder-Munition mit hoher Treffergarantie, wie?Weihnachtsmann: "Quatsch. Das sind Punkte, einfache Punkte, aber natürlich symbolischer Natur. Die werde ich noch in schmuckes Weihnachtspapier einwickeln und dann der Handball-Damenmannschaft der SG Lenningen feierlich überreichen."Gute Idee. Mit den sportlichen Sorgenkindern unserer Zeit kennen Sie sich scheinbar perfekt aus. Weihnachtsmann: "Tue ich. Wissen Sie, mein Freund und Kollege, der Nikolaus ist offiziell der Schutzpatron aller Gefangenen. Die Ötlinger Sportschützen und die Handballe-rinnen aus Lenningen sind gewissermaßen auch Gefangene."Wir verstehen nicht.Weihnachtsmann: "Gefangene des Tabellenkellers."Klingt dramatisch.Weihnachtsmann: "Ist es auch. Ein guter Weihnachtsmann hilft in solchen Notlagen selbstverständlich. Sportliche Sozialfälle sind mein Steckenpferd."Entschuldigung, aber das sportliche Interesse nehmen wir Ihnen nicht richtig ab.Weihnachtsmann: "Was höre ich da? Wussten Sie, dass mein himmlischer Abteilungsleiter der erste Fußballer überhaupt war? Schon in der Bibel steht: "Und Petrus ging vors Tor, und seine Jünger standen abseits."Das war nicht Petrus, der vors Tor ging, sondern Jesus.Weihnachtsmann: "Und wenn schon! Hauptsache, einer der Oberen hat überhaupt gekickt."Die biblische Passage kann man auch völlig anders interpretieren.Weihnachtsmann: "Kann man, muss man aber nicht."Zurück zu Ihrem Geschenkesack. Wir sehen etwas, das in etwa so aussieht wie ein lang gezogenes Marzipanei, mit schwarzer Glasur überzogen ist und ihren Sack untenrum ziemlich ausbeult. Eine süße Weihnachtsgabe für einen Schwergewichtsringer, der permanent zu wenig auf die Waage bringt?Weihnachtsmann: "Falsch. Was Sie ansprechen, ist in Wahrheit ein eigens im Himmelslabor angefertigter neuartiger Radsattel für hochambitionierte Mountainbikeprofis mit eingeschweißter Gummioberlippe zwecks verletzungsfreien Sitzens. Selbst bei härtesten olympischen Mountainbike-Rennen mit Treibhaustemperaturen wie in Athen kann solch ein High-Teck-Sattel zu hundert Prozent nicht mehr in tausend Einzelteile zersplittern. Dies ist mein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk und geht übrigens mit einer persönlichen Würdigung unseres obersten Himmelschefs an Lado Fumic."Ein neuer Super-Sattel für unser Mountainbike-Ass. Darf man fragen, aus welchem Material das Teil ist?Weihnachtsmann: "Der Sattel ist aus Edelstahl. Hitzefest, sekundenschnell aufschraubbar, keinerlei Materialverschleiß selbst bei noch so harten Olympia-Rennen wesentliche irdische Biker-Kriterien waren es, die uns hoch droben rasch vom neuen Werkstoff überzeugt haben. Glauben Sie mir: Über explodierende Karbonsättel redet dank unserer Innovation bald keiner mehr. Es sei denn, der Bush nutzt sie jetzt als Streubomben . . ."Kein schöner Gag. Humor braucht Lado Fumic auch, wenn er bei der Bescherung Ihr spezielles Geschenk auspackt.Weihnachtsmann: "Soll er ruhig lachen. Aber Lado muss eines wissen: Nur mit unserem scheuerfesten Stahlsattel kommt er bei wichtigen Rennen künftig wieder ohne Blutverlust ins Ziel.Wie wir sehen, haben Sie noch weitere lustige Geschenke in Ihrem prallen Geschenkesack: sechs kleine Sprinter-Statuen aus Porzellan. Auffallend, dass alle von Kopf bis Fuß in leuchtendes Lack-Weiß eingefärbt sind, selbst Haare, Goldkettchen und Laufschuhe der Helden schimmern in gleißendem Weiß.Weihnachtsmann: "Die Statuen sind als passendes Geschenk für Tobias Unger gedacht. Damit er nicht immer nur Schwarz(e) sieht, wenn er ans olympische 200-Meter-Finale zurückdenkt."Und wer bekommt die Geldbombe?Weihnachtsmann: "Sie können es sich denken die bekommt die VfL-Fußballabteilung. 800 Euro haben die Kicker-Fans unter uns Weihnachtsmännern dafür gespendet, dass wenigstens immer ausreichend Benzingeld in der klammen VfL-Vereinskasse zur Verfügung steht. Wir wollen ja nicht, dass die armen Verbandsliga-Fußballer bald per Anhalter zu ihren weiten Auswärtsspielen reisen müssen."Ein nützliches Geschenk. Und die riesige Ohropax-Schachtel, für wen ist die?Weihnachtsmann: "Für die jugendlichen Fans der VfL-Basketballer. Die Ohrenschützer liegen künftig bei jedem Regionalliga-Heimspiel aus; ihre Mitnahme ist kostenlos. Wer will, hat sie immer griffbereit.Wozu?Weihnachtsmann: "Zum Einstöpseln ins Ohr natürlich. Oder glauben Sie ernsthaft, dass 400 Action-Kids in der Halle den neuen, schnulzigen VfL-Vereinssong auf Dauer wirklich ertragen können?Über Geschmack lässt sich streiten . . . Sagen Sie zum Schluss bitte noch: Für wen ist eigentlich das Handy im Sack?Weihnachtsmann: "Für Fußball-Staffelleiter Stefan Cserny. Ihr lokalen Sportredakteure kennt ja am besten das Problem: Der Mann ist telefonisch praktisch nie erreichbar, sein Handy meist ausgeschaltet.Und da wollen Sie dem Stefan noch ein zweites Handy schenken?Weihnachtsmann: "Ja, aber eines mit einer herausragenden technischen Besonderheit: Das Handy hat keinen Ausschaltknopf."Lieber Weihnachtsmann, wir glauben Ihnen kein Wort. Trotzdem wünschen wir frohe Weihnachten.

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