Lokalsport

Sportstadt Kirchheim lebt

"Die Stadt zu Gast bei der TG" mit dem abgewandelten Slogan der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 begrüßte die Vorsitzende Silvia Kretzschmar am Dreikönigstag rund 80 Gäste aus Politik, Verwaltung, Kultur und Sport zum traditionellen Neujahrsempfang der Turngemeinde, der in diesem Jahr seine 29. Auflage erlebte.

HELGE WAIDER

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KIRCHHEIM Das Ehrenamt, so Kretzschmar, sei aktuell in vieler Munde, weil Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten, nach der Gesetzesinitiative "Hilfe für Helfer" künftig mit finanzieller Unterstützung durch höhere Steuerfreibeträge rechnen könnten. Dennoch gebe es zu wenig freiwillige Helfer, vor allem in der Jugendbetreuung. Zu oft, so die TG-Vorsitzende weiter, fehle es ganz einfach an Dank oder einem verbalen Schulterklopfen. Kritiker seien hingegen schnell zur Stelle und sorgten damit oft für den Verzicht der Helfer auf ein weitergehendes Engagement.

In ihren weiteren Ausführungen bedauerte Kretzschmar, dass der TG-Ehrenpräsident Karl-Heinz Beck zum ersten Mal seit Bestehen des Empfangs verhindert sei. Das Auditorium quittierte die Mitteilung mit einem vernehmlichen Raunen, wurde doch Becks traditionell launiger und pointierter Vortrag stets geschätzt. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker übernahm quasi dessen Tour d'horizon. Das Stadtoberhaupt stellte fest, dass Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft begeisterungsfähig erlebt habe, ohne geschichtsvergessen oder nationalistisch gewesen zu sein. Kritisch setzte sich die Oberbürgermeisterin hingegen mit dem neuen Elterngeld auseinander, das Arme schwäche und die Mittelschicht stärke. Als gelernte Juristin bezweifelte Matt-Heidecker deshalb, ob dieses Elterngeld einer Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhalte.

Sportlich gesehen stellte die Oberbürgermeisterin fest, dass "Deutschland am Stock gehe" womit die sich flächenbrandmäßig ausbreitende Trendsportart Nordic Walking gemeint war. Matt-Heidecker spannte den sportlichen Bogen von den aus deutscher Sicht sehr erfolgreichen Olympischen Spielen in Turin über die Dopingaffäre während der Tour de France und dem deutschen Fußball-Sommermärchen bis hin zum Abschied von Michael Schumacher.

Lokal gesehen habe das Jahr 2006 mit dem Wasserschaden in der Sporthalle Stadtmitte mit einem Schock begonnen. Nur durch die Kooperationsbereitschaft der betroffenen Vereine habe der Trainingsbetrieb aufrecht erhalten werden können. Trotz einiger Startschwierigkeiten sei auch die Einführung der Schlüsselgewalt für die Vereine durchaus positiv ausgefallen. Kritische Punkte sollen Ende Januar bei Gesprächen am "Runden Tisch" besprochen werden.

92 500 Euro im FördertopfFür das Jahr 2007 seien vom Gemeinderat wieder 92 500 Euro als Sportfördertopf in den Haushalt eingestellt und für die Rauner-Schulsporthalle, den Gymnastiksaal der Teck-Grundschule und den Kunstrasenplatz am Stadion seien Zuschüsse beim Land beantragt worden. Die Verwaltung habe darüber hinaus intensive Gespräche über die Finanzierung und das Betreiben eines neuen Hallenbades geführt. Als Ergebnis der "Kanzelwandtagung" sei zudem die Sportentwicklungsplanung angestoßen worden.

Unter dem Strich, so Matt-Heidecker, zeige sich, dass die Sportstadt Kirchheim lebe und Kirchheim unter Teck in Bewegung sei. Um die Fußball-Euphorie der Weltmeisterschaft kam auch Siegfried Hauff, Vorsitzender des Stadtverbands für Leibesübungen (SfL), in seinem Grußwort nicht herum. Allerdings bedauerte er es, dass bei der Ehrung der besten Mannschaft 2006 lediglich drei Teammitglieder die Ehrung entgenommen hatten, während Biathleten und Hockeymannschaft vollzählig angetreten waren. Damit, so Hauff, habe die Realität Deutschland wieder eingeholt.

In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich Hauff weniger mit sportlichen Themen, sondern zeigte anhand von Beispielen aus Bürgerinitiativen, dass ehrenamtliche Arbeit dann am erfolgreichsten ist, wenn sie als Projektarbeit betrieben werde. Abschließend stellte der SfL-Vorsitzende fest, dass das ehrenamtliche Engagement sowohl im Sport als auch in Kultur und Sozialwesen in Kirchheim gut vertreten sei.