Lokalsport

„Squadra Rossa“ am Ziel ihrer Träume

Der AC Catania Kirchheim kehrt nach sechs Jahren zurück in die Fußball-Bezirksliga – auch Grötzingen bleibt drin

Mitico Catania! Mit einem hart erkämpften und am Ende verdienten 2:0 (0:0)-Sieg über den Bezirksligisten TSV Grötzingen machte der AC Catania Kirchheim gestern vor rund 600 Zuschauern in Neidlingen nach sechs Jahren den Wiederaufstieg ins Oberhaus des Fußballbezirks Neckar/Fils perfekt.

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HELGE WAIDER

Neidlingen. Als Schiedsrichter Andreas Eby gestern um 14.48 Uhr das Relegationsspiel beendete, brach der bis dahin angestaute Jubel beim Associazione Calcio Kirchheim ungefiltert aus. Funktionäre, Trainer, Spieler und Fans lagen sich in den Armen, tanzten, lachten, feixten – während Spielertrainer Cesare D’Agostino auf den Spuren des großen Louis van Gaal auf der Flucht vor der obligatorischen Bierdusche war. Am Ende erwischten sie ihn doch noch, überschütteten ihn mit dem stylischen Gerstensaft einer Ulmer Brauerei und rasierten ihm später in der Kabine auch noch den Kopf.

Jenen hatte seine Mannschaft über die gesamte Spielzeit nie verloren. Die Catanesi hatten einen Blitzstart hingelegt, bereits nach sechs Minuten einen Freistoß von Gianfranco Latte knapp neben das TSV-Tor gesetzt. Zwei Zeigerumdrehungen später scheiterte Bruder Michele Latte mit einem Schlenzer, der knapp am Gehäuse vorbeitrudelte. Weitere 120 Sekunden später war es Torjäger Daniele Attore, der, von Gianfranco Latte bedient, am Fünfmeterraum in den Pass hineinrutschte. TSV-Innenverteidiger Timo Spannbauer verhinderte jedoch mit vollem Körpereinsatz auf der Linie die ACC-Führung.

Die Grötzinger schienen ähnlich wie ihre Fans ihr Pulver bereits verschossen zu haben. Die hatten vor dem Anpfiff bengalische Feuer entzündet, Böllerschüsse abgegeben und waren dafür von der Verbandsaufsicht gerügt worden. Auf dem Spielfeld agierte der ACC derweil wie aus einem Guss und präsentierte sich als technisch und spielerisch bessere Elf, während die Grötzinger Kampfgeist und körperbetontes Spiel entgegen setzten. Nach einer knappen halben Stunde drehte sich das Blatt, der TSV agierte nun kompakter und ballsicherer und kam prompt zu ersten Torchancen durch Spielertrainer Martin Gärtner, dessen Schuss von ACC-Keeper Tony Michel entschärft wurde (38.) sowie durch Goalgetter Iskender Kahriman, der aus acht Metern überhastet über das Tor schoss (41.). Zur Halbzeit, da waren sich die lokalen Fußball-Experten einig, war es ein leistungsgerechtes Remis.

Nach dem Seitenwechsel war der ACC wieder überlegen. Immer wieder sorgten Michele Latte und Attore für Verwirrung im Strafraum, wo Keeper Fabian Gresser zweimal Glück hatte, dass Attore sein Visier noch nicht richtig justiert hatte (50., 54.). Mit fortlaufender Dauer der Partie fanden die Grötzinger schließlich wieder ins Spiel zurück. Der TSV unterband früh das berüchtigte Kurzpassspiel des ACC und bestimmte dadurch das Geschehen auf dem Spielfeld. Die beste Grötzinger Torchance hatte Kahriman, dem nach einem Freistoß ein Drehschuss aus sieben Meter gelang, den jedoch Michele Latte von der Linie kratzte (61.). Die Grötzinger forcierten ihre Angriffsbemühungen – und kassierten prompt einen Konter über Attore, der klug in die Mitte auf Michele Latte passte. Der jüngste der Latte-Brüder spielte zwei Gegenspieler aus und versenkte das Leder mit einem platzierten Schuss aus zehn Metern zum 0:1 (77.). Die Grötzinger schienen durch den Gegentreffer geschockt, sahen sich in der Schlussphase weiterer italienischer Konter gegenüber, von denen der überragende Attore den letzten nutzte: Er umkurvte einen Abwehrspieler und den Torhüter und schob zum 2:0-Endstand ein (90.).

Für Grötzingens scheidenden Spielertrainer Martin Gärtner war der Grund für die Niederlage schnell gefunden: „Catania hat die Tore gemacht, die wir versäumt haben zu erzielen.“ Sein Pendant „Cé“ D’Agostino freute sich königlich: „Es war ein großartiger Kampf. Die Jungs haben mich glücklich gemacht.“ Am Ende hatte die Partie zwar nur einen Sieger – jedoch zwei Gewinner. Zwei Stunden nach dem Schlusspfiff hatte auch der TSV Grötzingen den Klassenverbleib geschafft – mit dem Aufstieg des TSV Weilheim in die Landesliga.

TSV Grötzingen: Gresser – Murr (89. Kaipl), Metsios, Spannbauer, Traxler (81. Stückle) – Lukic, Gärtner, Metzdorf, Schneider – Porro, Kahriman.

AC Catania Kirchheim: Michel – Ricardo Costa-Freitas, Santoro, Galeota, Danzé – DiMartile, Scroppo (74. Özcan), D’Agostino, Michele Latte, Gianfranco Latte (89. Maurizio Latte) – Attore (90.+2 Martorana).

Tore: 0:1 Michele Latte (77.), 0:2 Attore (90.).

Gelbe Karten: Metsios – Michele Latte.

Zuschauer: 600.

Schiedsrichter: Andreas Eby (Esslingen).