Lokalsport

SSV hat Bugwelle vor den Skispitzen

Bronzefarbener Teint, knallroter Overall und ein Charme zum Dahinschmelzen. Das gängige Bild vom Seelentröster auf zwei Brettern verblasst im Vereinsalltag etwas. Dort opfern Skilehrer beiderlei Geschlechts ihre Freizeit meist Kindern und Jugendlichen zum Nulltarif. Für Trainer-Nachwuchs scheint dabei gesorgt. Beim Schwäbischen Skiverband (SSV) stehen die Anwärter Schlange.

Bernd Köble

Kirchheim. Klimawandel, überfüllte Pisten, saftige Preise und Konflikte mit dem Naturschutz – Gründe, dem Skisport abzuschwören gäbe es viele. Nicht für eingefleischte Brettl­fans. Der Pistenspaß gilt – allen voreiligen Grabreden zum Trotz – als krisenfest. Sicherheit auf Skiern, die nötige Technik und Eleganz, das lässt sich noch immer am einfachsten und kostengünstigsten im Verein erlernen. Rund 13 000 ausgebildete Skilehrer, die Woche für Woche allein im SSV im Einsatz sind, unterstreichen die ungebrochene Popularität des Sports. Damit steht der schwäbische Verband bundesweit an der Spitze, noch vor den wintersportbegeisterten Nachbarn aus Bayern.

Mangelndes Engagement im Nachwuchsbereich ist auch in den Kirchheimer Vereinen kein Thema. 17 Jungen und Mädchen stecken in SVL und VfL derzeit in der Ausbildung zum Skilehrer. Eine Ausbildung, die wie bei Marco van Winsen vereinsintern begann. Vor zwei Jahren absolvierte der 17-Jährige die Prüfung zum Vereinsskilehrer. Wann immer es die Schneelage zulässt, gibt er am Wochenende Kinder-Skikurse auf der Alb oder betreut die „Renn-Kids“ des VfL bei Wochenendfahrten ins Allgäu. Statt Hüttenzauber werden am Abend nicht selten FIS-Regeln oder methodische Grundlagen gepaukt. Kommenden Winter will er mit der Prüfung für die C-Lizenz die nächste Stufe auf dem Weg zum sogenannten DSV-Instructor erklimmen. Skilehrer im Verein ist kein einträgliches Geschäft. Mehr als ein bescheidener Unkostenbeitrag ist dabei nicht zu erwarten. Dagegen ist die Ausbildung für die Vereine ein erheblicher Kostenfaktor, wie Daniela Meschede, Leiterin der Skischule im SVL Kirchheim betont. Ein guter Teil davon kommt über die Kursbeiträge wieder herein, die für die Skischulen eine wichtige Einnahmequelle darstellen.

Er arbeite gerne mit Kindern, sagt Marco van Winsen. „Die Jungskilehrer sind alle im selben Alter. Da gibt es zudem immer eine Menge Spaß.“ Der Schüler am Technischen Gymnasium in Kirchheim träumt von einem Job als staatlich geprüfter Skilehrer. Der steht in der Hierarchie ganz oben und stellt im Gegensatz zum lizenzierten Übungsleiter ein eigenständiges Berufsbild dar. Er weiß auch: „Daran sind schon Bessere als ich gescheitert.“ Dennoch ist die Vorstellung verlockend, eines Tages mit dem Hobby vielleicht einen Teil des Studiums finanzieren zu können. Schließlich fühlt sich der 17-Jährige nicht nur im Winter auf Brettern zu Hause. Im Frühjahr tauscht er die Skier gegen das Surfboard ein, und auch damit hat er schon erste Erfahrungen als Ausbilder gesammelt.

In Sachen Zeitgeist und Idealismus scheinen die Skivereine gegen den Strom zu schwimmen. In der Stuttgarter Geschäftsstelle des SSV schiebt man alljährlich eine Bugwelle von bis zu 150 Anträgen auf eine Ausbildung zum lizenzierten Skilehrer vor sich her. Die beschränkte Platzzahl an den Sportschulen des Landessportbundes (WLSB), wo der Theorieunterricht stattfindet, und die rund 100 verbandseigenen Lehrkräfte, von denen etwa die Hälfte dem Alpinsport zugeordnet ist, stecken die Grenzen ab. „Wir können pro Jahr knapp 400 Ausbildungen anbieten“, berichtet Peter Keller, Leiter des Bereichs Breitensport im SSV. Mehr gehe nicht.

Dafür bietet die Ausbildung immer zahlreichere Facetten. Längst geht es nicht mehr nur um Nachwuchsförderung. Der demografische Wandel hat auch die Skipisten erfasst. Spezielle Seniorenkurse liegen im Trend. Dabei geht es weniger um Fahrtechnik als vielmehr um die richtige Dosis der körperlichen Belastung. Ein Aufgabenschwerpunkt liegt zudem abseits der Piste: „Für Senioren zählt nicht allein der Sport“, weiß Keller. Viele Kursteilnehmer sind kulturell und kulinarisch interessiert. Da passt das Bild plötzlich wieder ins gängige Klischee. Keller: „Ein guter Skilehrer ist immer auch ein Stück weit Animateur.“

Anzeige