Lokalsport

Standortbestimmung, die Zweite

Eine Woche nach den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Karlsruhe finden ab morgen die Süddeutschen Titelkämpfe in Sindelfingen statt. Für die Teck-Athleten um Trainer-Guru Micky Corucle ein Quasi-Heimspiel, bei dem Überraschungen nicht ausgeschlossen sind.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Lukas Erdmann ist gut drauf: Mit seinen am vergangenen Wochenende in Karlsruhe gelaufenen 7,99 Sekunden über 60-m-Hürden ist der 23-jährige Weilheimer momentan zehntschnellster Deutscher auf dieser Distanz. Obwohl er sich als Zweitplatzierter in Karlsruhe seinem Dauerrivalen Andreas Dengler (VfL Sindelfingen) nur um eine Hundertstelsekunde geschlagen geben musste, war Erdmann zufrieden. "Die Zeit hat gepasst. Mit einem besseren Start wäre vielleicht sogar mehr drin gewesen." Was die Leistung vom vergangenen Wochenende in Sindelfingen wert sein wird, ist schwer einzuschätzen. Immerhin schicken neun der 20 deutschen Landesverbände ihre Spitzenathleten in den Glaspalast zu den "Süddeutschen". Auch die beiden schnellen Hürdensprinter des LAZ Leipzig, Willi Mathiszik und Alexander John, die mit 7,70 und 7,74 Sekunden aktuell Zweit- und Drittschnellste auf Bundesebene sind, gehen an den Start. Dennoch: Die Chancen, dass Lukas Erdmann den Endlauf erreicht, sind da wie auch sein Trainer bestätigt. "Wenn's optimal läuft, kann er sogar in die Nähe eines Podestplatzes kommen", glaubt Micky Corucle. Und Erdmann selbst? "In den Endlauf kommen und unter 7,9 Sekunden bleiben, wäre in Ordnung", sagt er, dessen persönliche Bestzeit bei 7,92 Sekunden steht.

Sein weibliches Pendant, die Bempflingerin Stephanie Lichtl, kann sich hingegen berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen. Bei normalem Verlauf ist ohnehin damit zu rechnen, dass der Einlauf in Sindelfingen dem von Karlsruhe gleichen wird: Vor fünf Tagen gewann Nadine Hentschke (MTG Mannheim) in 8,22 Sekunden vor Lichtl (8,33). Dass beide, die dadurch Rang eins und drei in der DLV-Hallen-Bestenliste einnehmen, am Sonntag erneut auf dem Treppchen stehen werden, ist anzunehmen. Zum einen, weil Lichtl und Hentschke die Konkurrenz bei den Landesmeisterschaften zu stark dominiert hatten (die Drittplatzierte hatte fast vier Zehntel Rückstand auf Lichtl). Zum anderen, weil die Läuferin, die auf Rang zwei der aktuellen Bestenliste steht, nicht aus Süddeutschland kommt: Annette Funck (8,27 Sekunden) startet für Hannover.

Aber auch ähnliche starke Kaliber wie Lichtl sind in Sindelfingen nicht dabei: Aniko Bozsik (8,34) startet für Kindelsberg-Kreuztal in Nordrhein-Westfalen, Carolin Nytra (8,41) für Bremen und Anne-Kathrin Elbe (8,42) für Leverkusen es scheint alles gerichtet für das Duell Hentschke gegen Lichtl. "Wenn Stephi die erste Hürde besser erwischt als in Karlsruhe, kann sie Hentschke schlagen", glaubt Micky Corucle, der auch seine VfL-Sprintmädels in Sindelfingen am Start hat allerdings unter ungünstigen Voraussetzungen.

"Das Problem ist, dass die Kirchheimer Fraktion fit ist und die auswärtigen Läuferinnen angeschlagen sind", klagt der rumänische Trainer. Die Kirchheimerinnen in Person von Anja Wackershauser und Katja Holder werden laut Corucle ohnehin nach den Vorläufen über 60 m und 200 m aussteigen. "Beide starten in diesem Jahr zum ersten Mal bei den Aktiven und müssen erst mal ein bisschen reinschnuppern." Ann-Kathrin Fischer (Fußprobleme) und Valerie Hess (Rückenschmerzen) als "Auswärtige" werden erst gar nicht starten. Wenn, dann kurzfristig. Folge all dieser Probleme: In Sindelfingen wird, wie schon in Karlsruhe, keine VfL-Staffel an den Start gehen.

Vor dem zweiten Auftritt im Dress ihres neuen Vereins steht Mittelstrecken-Läuferin Christina Krüger. Die 18-jährige Ötlingerin wechselte bekanntlich vor Jahresfrist von der LG Teck zum VfL Sindelfingen. Ihr Debüt im Sindelfinger Leibchen bei den Landesmeisterschaften in Karlsruhe (Platz vier über 800 m) ging jedoch prompt daneben. "Da war ich gar nicht zufrieden." Nachdem sie in den vergangenen Tagen von Rückenschmerzen geplagt worden war, sieht sie den Auftritt im Glaspalast nur als bessere Trainingseinheit. "Ich laufe bloß die 400 m und vielleicht noch in der Staffel", sagt sie, ohne nicht bereits eine Woche weiter zu denken am übernächsten Samstag wird sie beim renommierten Sparkassen-Cup in Stuttgart über 800 m dabei sein und freut sich dementsprechend: "Das wird bestimmt klasse."