Lokalsport

Stefan Schumacher wer sonst?

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Den vielleicht einzigen Adrenalinstoß bekam der Mann im knallblauen Trikot verpasst, da hatte er noch gar kein Rad unter dem Hintern. "Wo ist denn hier die Startnummernausgabe ?" Die letzten Formalitäten kurz vor dem Start, darum muss sich ein Profi wie Stefan Schumacher für gewöhnlich nicht selbst kümmern. Lästige Pflichten, die man folglich leicht vergisst. Ansonsten war der 23-Jährige vom Team Shimano Memory Corp. gestern nicht aus der Ruhe zu bringen weder vor noch während des Rennens.

Schumachers vermeintlicher Hauptkonkurrent an diesem Tag hatte mit dem Nürtinger am Zelt der Kreissparkasse noch geduldig Autogramme verteilt. Kurze Zeit später war die Luft bereits raus bei Gerolsteiner-Profi Sven Krauß. Ein Platten, bereits in der ersten Runde eine Szene, die symptomatisch war fürs weitere Rennen des 22-jährigen Herrenbergers, der seine zweite Saison im Profilager bestreitet. Zwar ging das Rennen für ihn weiter, nachdem ihm die Fahrerinnen des Tiroler Elkhaus-Teams im Zielbereich mit einem Ersatzrad ausgeholfen hatten, doch Krauß tat sich trotz neutralisierter Runde schwer, seinen Rhythmus zu finden.

Ganz anders Stefan Schumacher: Der ließ vom Start weg keinen Zweifel daran, dass für ihn heute nur ein Sieg zählen würde. Schon zu Beginn des Rennens setzte sich der Nürtinger als Kopf einer Vierergruppe mit dem 39-jährigen Bahn-Altmeister Andreas Kappes (König Pilsener), dem Schwarzwälder Michael Haas (Optik Nosch) und Lars Teutenberg (Sparkasse) vom Hauptfeld ab. Sven Krauß ("Ich habe die entscheidende Attacke verpennt") versuchte ab der 15. Runde vergeblich, in einer elfköpfigen Verfolgergruppe den Anschluss zu finden. Während das Quartett seinen Vorsprung kontinuierlich ausbaute, war Krauß damit beschäftigt, kraftraubende Lücken im unentschlossenen Verfolgerfeld zu schließen. Ein Himmelfahrtskommando mit vorhersehbarem Ausgang: kurze Zeit später wurden die Verfolger vom Hauptfeld geschluckt, das bis dahin von Vorjahressieger Stefan Parinussa (König Pilsener) angeführt worden war.

Was dann kam war die Zeit zweier Schwerstarbeiter, die bis dahin keiner auf der Rechnung hatte: Bahn-Routinier Andreas Beikirch (Team Sparkasse) und ein beherzt kämpfender Christoph Meschenmoser (Hofbräu Radler) bildeten das Verfolgerduo, das fortan auf sich alleine gestellt war. Gerechter Lohn: Andreas Beikirch durfte im Ziel die Sonderprämie für den aktivsten Fahrer entgegennehmen. Ein Titel, den der junge WRSV-Auswahlfahrer Meschenmoser , der nach einem schweren Sturz im vergangenen Jahr nur knapp dem Karriereende entging, an diesem Tag sicherlich ebenso verdient gehabt hätte.

An der Spitze indes waren die Würfel gefallen. Schumachers Antritt konnte eine Runde vor Schluss keiner mehr folgen. Mit hochgerissenen Armen überquerte der Nürtinger, der das gesamte Rennen dominiert hatte, mit deutlichem Vorsprung vor Andreas Kappes und Michael Haas die Ziellinie. Sowohl Kappes, der erst in der Nacht von einem Rennen in Dortmund angereist war, als auch der pollengeplagte Haas ("Habe momentan mit Asthma zu kämpfen") waren am Ende glücklich, auf dem Treppchen zu stehen.

"Foto-Finish" bei den DamenDas Eliterennen der Damen dominierte erwartungsgemäß das Tiroler Elkhaus-Team um die österreichische Staatsmeisterin Andrea Graus. Die Titelverteidigerin auf dem Alleenring nahm von Beginn an das Heft in die Hand, konnte ihren Teamvorteil auf den letzten Metern jedoch nicht nutzen. Im Zielsprint setzte sich die für die Straßen-EM in Italien nominierte Elke Gebhardt (Team Rothaus) um Reifenbreite gegen die starke Nachwuchsfahrerin Sarah Düster (Radunion Wangen) durch. Andrea Graus landete im heiß umkämpften Finish hinter ihrer Teamkollegin Patrizia Hempel auf Platz vier. Kleiner Trost im Ziel: die Österreicherinnen wurden anschließend zum aktivsten Team des Rennens gekürt. Auf den Auftritt von Weltcup-Mountainbikerin Irina Kalentieva wartete das Kirchheimer Publikum jedoch vergeblich: Die Russin hatte sich am Vortag eine Virusinfektion eingefangen.

Pech auch für RKV-Hoffnung Karsten Vesterling im Rennen der B/C-Amateure: In der Linkskurve bei der Einmündung der Marktstraße in den Alleenring, touchierte er bereits in Runde fünf das Hinterrad seines Vordermannes und stürzte. Doch der Kirchheimer bewies Nehmerqualitäten, fuhr das Rennen zu Ende und landete schließlich auf Platz 22. Einen Platz im Mittelfeld (25.) ergatterte sich auch Lokalmatador Jürgen Bauer in seiner ersten Saison als Lizenzfahrer. Nach seinem 6. Platz tags zuvor beim Mountainbike-Marathon in Pfronten war der Weilheimer zur Mittagsstunde mit schweren Beinen an den Start gegangen.

Im Rennen der Junioren war Ludwig Bestler (RV Sturmvogel München) eine Klasse für sich: Der Nachwuchsfahrer aus der Bayernmetropole brachte nicht nur einen Vorsprung von mehr als zwei Minuten ins Ziel, er räumte auch gleich sämtliche Sonderprämien ab. Achtungserfolge gab es für die Nachwuchsfahrer aus Kirchheim: Mit Matthias Spieß, Sascha Kurz (beide RKV Kirchheim) und Kai Kautz (MTB Teck) landeten drei Fahrer unter den besten Zehn.