Lokalsport

Stimmung sackt in den Keller

Rätselraten bei Oberligist VfL nach 0:5-Pleite

Nach der 0:5-Klatsche bei der TSG 1899 Hoffenheim II ist die Stimmung beim Fußball-Oberligisten VfL Kirchheim auf dem Tiefpunkt angelangt. Ein mitgereister VfL-Edelfan brachte es auf den Punkt: „In Hoffenheim kann man verlieren – aber nicht in dieser Art und Weise.“

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HELGE WAIDER

Sinsheim. Wer ins Dietmar-Hopp-Stadion will, muss den Kopf gen Himmel richten. Die Arena der TSG liegt hoch über dem Dorf und ist vor allem für Mannschaftsbus-Fahrer eine Herausforderung – geht doch die Fahrt durch enge Gassen stetig nach oben. Eine Anfahrt mit Symbolcharakter, denn entsprechend der topografischen Ausrichtung ging auch die Erfolgskurve des Vereins aus dem Sinsheimer Stadtteil steil nach oben. Und so wie es die erste Mannschaft mit ihrem Marsch bis in die Bundesliga vorgemacht hat, schickt sich nun die Reserve an, auf Höhenflug zu gehen – bis in die Dritte Liga vorzustoßen.

Derzeit nur zwei alte Hasen in Hoffenheim

Das Zeug dazu hat die Truppe von Ex-Profi Rainer Scharinger allemal. Dabei musste der ehemalige KSC-Profi zur neuen Saison nicht weniger als 16 (!) neue Akteure integrieren, viele gerade der Jugend entwachsen. Lediglich Matthias Keller (33) und „Knipser“ Gilles Ekoto-Ekoto (28) gelten als erfahrene Korsettstangen. Beide waren an vier der fünf Tore entweder als Vorbereiter oder Schütze beteiligt.

TSG-Coach Scharinger strahlte nach dem Schlusspfiff Zufriedenheit und Selbstvertrauen aus: „Wir haben mittlerweile Fahrt aufgenommen, haben aber immer noch wenig Automatismen im Kombinationsspiel – das muss noch besser werden.“ Am Sonntag gastieren die Hoffenheimer beim Liga-Primus SG Sonnenhof-Großaspach und es bedarf wohl keiner Prophezeiung, dass die Scharinger-Truppe im Fautenhau auf mehr Gegenwehr stoßen wird als am Freitagabend gegen den VfL. Die „Blauen“ erwarten am Samstag mit dem FC Villingen einen weiteren Aufstiegsaspiranten und müssen nach der indiskutablen Leistung vom Freitag aufpassen, nicht zum Kanonenfutter der Liga zu werden.

Folgerichtig war die VfL-Stimmung zum Wochenende auf dem Tiefpunkt angelangt. Die nach der Partie im Dietmar-Hopp-Stadion in der Kabine vorgetragene „Spielanalyse“ von Trainer Dietmar Sehrig hallte derart durch die Katakomben des Stadions, dass eine Beschallungsanlage reine Geldverschwendung gewesen wäre. Sehrig machte – vor allem in der zweiten Halbzeit – einen Klassenunterschied aus. Verantwortliche dafür wollte er nicht benennen, nahm jedoch den auf der rechten Außenverteidigerposition offensichtlich überforderten Youngster Armin Ohran in Schutz: „Armin kam immer in Bedrängnis, wenn lange Diagonalpässe geschlagen wurden. Die zu verhindern wäre eigentlich Sache des Mittelfelds gewesen.“

Dorthin hatte Sehrig Mathias Koch gestellt. Ein Experiment, das trotz hoher Laufarbeit des 26-Jährigen nicht unbedingt erfolgreich war. Sehrig: „Ich hatte mir von ‚Matze‘ aufgrund seiner Erfahrung und seines Anspruchs mehr erwartet.“ Letztlich brachte es der Übungsleiter auf den Punkt: „Wir haben derzeit zu viele Indianer und zu wenig Häuptlinge.“

Einer der wenigen Lichtblicke in einer ansonsten trüben Mannschaftsvorstellung war Neuzugang Nico Kauffmann. Der Ex-Bonlandener, der am Freitag seinen 21. Geburtstag feierte, spielte eine solide Partie im Abwehrzentrum und war im Gegensatz zu vielen seiner Teamkollegen meist mit Kopf und Fuß bei der Sache. Eine Tatsache, die Norbert Krumm, sportlicher Leiter der Kirchheimer, erkennen ließ: „Fußball ist, wenn man sich bewegt.“ Davon waren die Blauen in Hoffenheim ziemlich weit entfernt. Gegen den FC Villingen am Samstag kann‘s nur besser werden.